In der Pauliner Marsch rollen die Bälle auf zahlreichen Plätzen / Kleinfeldturnier mit 100 Mannschaften

Tempo, Fairplay, Tore und Wissenslücken

Auch Helden brauchen Orientierungshilfen.

Bremen - Von Jörg EsserBREMEN · Logistik ist alles: Die „Headcoaches“ der Sportgruppen haben jeweils ein ganz spezielles System, ihre Athleten bei Laune und sozusagen „in Reih und Glied“ zu halten.

Fast immer gelingt das, doch hin und wieder hallt es aus dem Lautsprecher: „Letzter Aufruf für Sonja Soundso zum Ballwerfen“. In der Pauliner Marsch derzeit den Überblick zu behalten, erfordert viel Gespür fürs Detail. Auf den Plätzen zwischen Sportgarten und Weserstadion tummelt sich ein Großteil der Teilnehmer an den „Special Olympic Nationales Games“, den nationalen Spielen für geistig behinderte Menschen, die unter dem Motto „In jedem von uns steckt ein Held“ stehen.

Die Leichtathleten laufen, werfen und springen auf Platz 11. Die Fußballer belegen zahllose Plätze. 100 Mannschaften sind fürs Turnier gemeldet. Gespielt wird auf Kleinfeld. Sieben gegen sieben. Spielzeit: 15 Minuten.

Der Ehrgeiz ist da. Es wird geflucht. Die Spieler diskutieren auf dem Platz lautstark. Das Tempo ist hoch. Der Chronist entdeckt beim Zufallstrip über die Felder nur wenig Spieler, die sich so langsam bewegen wie Ottos Griechen. Und viele Torhüter halten die Bälle fest, die auf ihr Gehäuse geschossen werden. Kaum notiert, schlägt’s im Kasten vom St. Antoniusheim aus Fulda ein. Die Kicker der Lebenshilfe Wolfsburg legen noch einen Treffer nach. 2:0. Und schon stört wieder ein Ball vom Nachbarfeld den Angriff.

Was soll’s. Der Einsatz stimmt. Aber es gibt kaum Fouls. Fairplay wird bei „Special Olympics“ großgeschrieben. Und das fasziniert einen Mann wie Willi Lemke. Der UN-Sportsonderbotschafter erzählt gerne die Geschichte von den „Spe cial“-Winterspielen, wo ein Eisschnellläufer kurz vor dem Ziel stürzt, seine beiden Verfolger aber nicht an ihm vorbeikurven. Stattdessen stützen sie den Gestürzten und fahren mit ihm gemeinsam über die Ziellinie.

Harald Krüger hat mit seinem Team vom Martinshof aus Bremen das erste Spiel mit 0:4 verloren. Er bleibt zuversichtlich. „Das gleichen wir aus. Und meine Flanken waren toll.“ Im zweiten Match läuft’s trotzdem nicht rund. Krügers Flanken kommen. Er schießt scharf aufs Tor. Doch da steht wieder so ein Keeper, der Bälle hält. Ist ja auch kein Engländer.

Der Verfasser dieser Zeilen wird derweil schnell ins Geschehen integriert. Als Ball-Wiederholer. Und als Auskunftsposten. Nur offenbart er Wissenslücken. Welchem Platz welche Nummer zugeteilt ist? „Da hinten kicken auch welche.“ Was soll’s. Schnell findet sich ein Volunteer, einer der vielen freiwilligen Helfer. Und der weiß (fast) alles. Auch, dass es das Mittagessen im VIP-Bereich des Weserstadions für jede Gruppe nur zu den festgelegten Zeiten gibt. Logistik ist alles.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Meistgelesene Artikel

Brief mit Pulver und Hakenkreuz: Großalarm am Bremer Rathaus

Brief mit Pulver und Hakenkreuz: Großalarm am Bremer Rathaus

Brief mit Pulver und Hakenkreuz: Großalarm am Bremer Rathaus
Corona in Bremen: Inzidenz sinkt – jetzt gelten neue Quarantäne-Regeln

Corona in Bremen: Inzidenz sinkt – jetzt gelten neue Quarantäne-Regeln

Corona in Bremen: Inzidenz sinkt – jetzt gelten neue Quarantäne-Regeln
Mieter gesucht: Diese Wohnung in Bremen ist außergewöhnlich

Mieter gesucht: Diese Wohnung in Bremen ist außergewöhnlich

Mieter gesucht: Diese Wohnung in Bremen ist außergewöhnlich
Brennpunkt Hauptbahnhof Bremen: Anrainer engagieren sich

Brennpunkt Hauptbahnhof Bremen: Anrainer engagieren sich

Brennpunkt Hauptbahnhof Bremen: Anrainer engagieren sich

Kommentare