Serie: „Verschwunden“

Kiosk und „Billet“: Telefonzellen und -karten sind kaum noch im Gespräch

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Der Marktplatz auf einer Telefonkarte.

Bremen - Jüngere Leser werden es vielleicht nicht glauben: Es gab einmal eine Zeit, in der Handys so groß waren, dass man sie betreten musste, um zu telefonieren. Dafür waren sie aber auch so groß, dass man sie nirgendwo mit hinnehmen konnte. Inzwischen sind die meisten Telefonzellen aus dem Stadtbild verschwunden. Zellen und Telefonkarten sind heute Thema unserer Serie.

Rückblende in Kaisers Zeiten. Die erste deutsche Telefonzelle, zunächst „Fernsprechkiosk“ genannt, wurde 1881 in Berlin in Betrieb genommen. Sie funktionierte noch nicht mit Münzen; wer telefonieren wollte, musste ein „Telephon-Billet“ kaufen. Ab 1899 tauchten dann Münztelefone auf. 20 Jahre später gehörten die Häuschen mit den Fernsprechapparaten dann schon zum vertrauten Bild auf Straßen und Plätzen. Ab 1946 war Postgelb die vorgeschriebene Farbe für die Zellen, die auch als beliebte Treffpunkte galten. Mitte der 90er Jahre stellte die Telekom auf Grau und Magenta um – ein sichtbares Zeichen der Privatisierung.

„Fasse dich kurz!“ Dieses behördliche Hinweisschild (mit kleingeschriebenem „dich“) war in der großen Zeit der Zellen weit verbreitet, dennoch bildeten sich bisweilen Warteschlangen vorm Fernsprechhäuschen. Zeitlebens waren sie von Vandalismus bedroht und gebeutelt. Eingetretene Scheiben, abgerissene Hörer, gestohlene Münzen – sie waren oft kaputt, die Telefonzellen. Von zerfetzten Telefonbüchern ganz zu schweigen. All das verursachte große Kosten. Wirklich rentabel war der Betrieb der öffentlichen Fernsprecher für die Deutsche Bundespost ohnehin nicht.

Nur noch Kulisse – die nostalgische Telefonzelle am Stavendamm im Schnoor enthält mittlerweile kein Telefon mehr. Sie dient jetzt als Mini-Wintergarten.

„Telefonieren ohne Münzen“ – so warb die Post in den 80er Jahren für die neu erfundenen Telefonkarten. Sie sollten den Kunden die lästige Kleingeldsuche ersparen und der Post die lästigen Reparaturkosten wegen der vielen aus Telefonzellen gestohlenen Münzkassetten. Und in gewisser Weise waren die Karten eine Rückkehr zu den „Telephon-Billets“ aus Kaisers Zeiten.

Im Jahr 1984 hatte ein bundesweiter Betriebsversuch begonnen, Bremen war mit Kartentelefonen am Hauptbahnhof und am Flughafen dabei. Der Versuch galt als Erfolg. Am 16. Dezember 1986 wurden die Kartentelefone offiziell der Öffentlichkeit übergeben. Für den PR-Termin hatte die Bundespost Bremen als Schauplatz ausgesucht.

Plastikkarten bei Sammlern zeitweise heiß begehrt

Gute zehn Jahre dauerte er dann, der Siegeszug der scheckkartengroßen Telefonkarten. Zeitweilig waren die Plastikkarten bei Sammlern heiß begehrt. Es gab natürlich auch Telefonkarten mit Bremer Motiven – Marktplatz und Roland zählten beispielsweise dazu.

1998 wurde die 500-millionste Telefonkarte (natürlich nicht alle mit Bremer Motiven) verkauft. Dann ebbte die Sache schlagartig ab. Denn das Handy kam auf. Und während der Markt für Mobiltelefone rasant wuchs, sank das Interesse an Telefonkarten und öffentlichen Fernsprechern rapide. Fasse dich kurz? Das galt nun wirklich nicht mehr. Am privaten Mobiltelefon konnte jeder jetzt so lange (und so laut) plaudern, wie er nur wollte.

Durchschnittsumsatz bestimmt über Erhalt einer Zelle

Und so verschwanden sie nach und nach aus dem Stadtbild, die Telefonzellen – die postgelben und auch jene in den Telekom-Tönen Grau und Magenta. Liegt der monatliche Durchschnittsumsatz einer Zelle unter 50 Euro, baut die Telekom sie gerne ab.

2010 gab es in Bremen noch gut 650 öffentliche Telefone. Heute sind es, schenkt man Quellen im Internet Glauben – etwa 230.

Oft aber handelt es sich dabei gar nicht mehr um Häuschen oder Zellen, sondern um Telefonsäulen, sogenannte Stelen – oft ausgestattet mit einfachen Basistelefonen, die sich kostengünstig betreiben lassen. An der Stele gibt es keinen Wind-, Regen und Lärmschutz durch Wände und Fensterscheiben. Ungefiltert dringen die Geräusche der Straße ans Ohr, das folglich dicht an den Hörer zu pressen ist, um ein Gespräch zu führen.

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