Mit Blick auf den Dom

Ehemaliges Bundeswehrhochhaus dient nun als Notunterkunft

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Blick in eines der Wohngeschosse im ehemaligen Bundeswehrhochhaus, in dem noch Matratzen an die Wand gelehnt sind; in der Glasscheibe spiegelt sich ein Mitarbeiter, der im Treppenhaus Plexiglasscheiben am offenen Geländer anbringt. „In den nächsten Tagen“, so heißt es, werden die ersten Flüchtlinge in die neue Notunterkunft ziehen.

Bremen - Von Ralf Sussek. Das ehemalige Bundeswehrhochhaus an der Falkenstraße wird nun als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt. Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) übergab die Räumlichkeiten gestern der Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Das Gebäude, „bekannt aus Funk und Fernsehen“ (Stahmann) und oft Drehort für Bremer Krimis der „Tatort“-Reihe, wird nun Schlafstatt für rund 150 Flüchtlinge – und zwar für die, die bislang vorübergehend in den Messehallen lebten. Die Asylbewerber werden auf den untersten sechs Etagen in 66 Einzel-, Doppel- und Familienzimmern untergebracht. Hinzu kommen rund 40 „Notplätze“ mit weniger Platz.

Stockbetten, einfache Möblierung, Stahlspinde. Die neue Heimat für die Flüchtlinge ist – zweckmäßig.

Dass nur sechs der insgesamt 15 Etagen des Hochhauses – das sich weiterhin im Besitz des Bundes befindet und unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird – genutzt werden, hat schlicht Sicherheitsgründe: Es gäbe im Falle eines Brandes zu wenig Fluchtwege. Die Senatorin zeigte sich dennoch zufrieden: „Ich freue mich, dass der Bund damit seine Zusage einhält, die Kommunen bei der Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern zu entlasten“, sagte sie. Die oberen vier der sechs genutzten Etagen verfügen über eigene Kinderspielflächen, Aufenthaltsräume und Teeküchen. In den unteren beiden Etagen befinden sich Verwaltung, Wohnberatung, der Raum für medizinische Untersuchungen sowie gemeinschaftliche Sanitäranlagen. Ein Spielplatz im geschützten Außenbereich soll im Juni fertig sein. Das Essen für die Bewohner liefert ein Menüdienst.

Einige Zimmer erlauben den Blick auf Bahnhof oder Dom. Es gibt schlechtere Aussichten. Allzu lange können die Bewohner den Blick aber nicht genießen – laut Ressortsprecher Bernd Schneider werden die Menschen innerhalb von drei Monaten in regulären Wohnraum vermittelt.

1600 Flüchtlinge in fünf Monaten

Seit Jahresanfang hat das Land Bremen 1588 Flüchtlinge und Asylbewerber aufgenommen – dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Den Angaben des Sozialressorts zufolge bleibt Syrien das bedeutendste Herkunftsland (519 Menschen), gefolgt von den Balkanstaaten Albanien (262), Kosovo (236), Serbien (184) und Mazedonien (77), die etwa die Hälfte aller Flüchtlinge stellen. Weitere Flüchtlinge kommen aus Afghanistan (72), Ägypten (51), Eritrea (42), Iran (31) und Somalia (26). 23 Menschen flüchteten aus der Russischen Föderation. Bremen nimmt 0,96 Prozent aller Flüchtlinge in die Bundesrepublik auf, davon 80 Prozent in Bremen, den Rest in Bremerhaven.

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