„Auf einen Espresso“ mit Nadège Le Lan, Direktorin des Institut Français

Tee-Nester im Gaiwan

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Ein Gaiwan aus Porzellan sei ideal für die Teezubereitung, sagt Nadège Le Lan. ·

Bremen - Von Ilka LangkowskiDie Aufgabe des Institut Français an der Contrescarpe ist es, die französische Kultur in Bremen zu vermitteln. Dazu zählen Sprache, Kunst, Gesellschaft und das alltägliche Leben unserer Nachbarn. Dr. Nadège Le Lan leitet das Bremer Institut mit seinem Café und seiner Mediathek.

Die größte Herausforderung sei es, so Le Lan, die richtigen Angebote für eine Stadt zu entwickeln. „Was in Berlin gut ist, muss nicht unbedingt auch in Bremen gut ankommen“, sagt die Französin. „Ich habe wirklich das Gefühl, dass die Bremer Frankreich und die französische Sprache mögen, aber sich oft nicht trauen, ins Institut zu kommen, weil sie vielleicht glauben, sie müssten dafür Französisch sprechen können und Frankreich lieben.“

Dabei böten gesellschaftliche Fragen wie beispielsweise Wahlen, Atomkraft, Migration, Airbus oder ein Studium Anlass, im Institut vorbeizuschauen oder die Mediathek zu nutzen. Unterschiedliche Veranstaltungen laden ein, sich französischen Themen anzunähern.

Le Lan hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher ein wenig privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat. Le Lan hat einen Gaiwan dabei. Er kommt aus Shanghai, war nicht sehr teuer, ist kaum zerbrechlich und nur wenig kitschig, sagt sie. Das Porzellanschälchen mit Unterteller und Deckel wird traditionell in China zum Spülen und Aufgießen von Tee benutzt. „Ich bin eine große, große Teeliebhaberin“, sagt die Französin. Trotzdem versucht sie, vernünftig zu sein und nicht mehr als einen Liter täglich zu trinken.

Die Liebe zum Tee hat die Französin auf einer Chinareise entdeckt. Dort gibt es Hunderte von Sorten, mit ganz eigenen Farben und Wirkungen. Es ist eine richtige Kultur. Das findet sie spannend. Für seine Zubereitung müssen die Sinne wach sein und die Aufmerksamkeit richtet sich auf den Körper, um zu entscheiden, welcher Tee zum Wetter und zur Tagesform passt.

Als Basisausstattung hat Le Lan etwa zwölf Sorten Tee zu Hause. Im Urlaub werden es schnell 25. „Urlaubszeit ist Sammelzeit“, sagt sie. Dann geht Le Lan los und schaut nach schönen Tees. Ihr Lieblingstee ist Pu-Erh. Die portionierten Tee-Nester werden aufgebrochen und im Gaiwan gespült, um sie von Papier oder anderen Rückständen zu befreien. Das Wasser darf nicht zu warm sein, damit dabei keine Aromen oder andere gute Stoffe verlorengehen. Anschließend wird der Tee aufgegossen. Einen sehr guten Tee kann man bis zu achtmal aufgießen, sagt Le Lan.

Sechs fixe Fragen

Was verbindet Sie mit Bremen?

Le Lan:Die Arbeit, die Bremer und der Ginkgo zwischen Bischofsnadel und Kennedy-Platz. Ich lebe seit August 2010 in Bremen.

Welchen Ort mögen Sie besonders?

Le Lan:Den Marktplatz mag ich wirklich sehr, mein Büro – es ist wirklich schön, den Schlachthof und den Festsaal des Rathauses.

Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?

Le Lan:Das Institut, als Beispiel für die vielen schönen Gebäude in Bremen, außerdem das Rathaus, unbedingt die spitzen Knie vom Roland, die Stadtmusikanten, den Marktplatz bei Tag und bei Nacht und die Fenster von Alfred Manessier in der Liebfrauenkirche in der Innenstadt.

Welches ist Ihr Lieblingstier?

Le Lan:Lemuren. Sie sind sehr süß und extrem agil. Auf Mayotte habe ich einige Tage mit ihnen verlebt. Einerseits sind es wilde Tiere, andererseits hat man, wenn man mit ihnen „unter vier Augen“ kommuniziert, das Gefühl, in Beziehung zu einem zivilisierten Tier zu stehen. Man meint, dass ihnen nur noch die Stimme fehlt.

Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?

Le Lan:In Ruhe kochen, joggen oder sehr lang laufen und in der Sonne liegen.

Was macht Sie schwach?

Le Lan:Schokolade und Lakritz – o, là, là – ja, und Tee.

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