Loriots Sketchpartnerin Ingeborg Heydorn wird heute 80 Jahre alt / Bremerin steht seit über 60 Jahren auf der Bühne

Tee, etwas Gebäck und ein Klavier

Ingeborg Heydorn mit ihrem Lieblingsbild von Loriot, das aus dessen zweitem Kinofilm „Pappa ante portas“ stammt. Die Bremer Vollblutschauspielerin wird heute 80 Jahre alt.

Bremen - Von Jörg EsserBREMEN · „Das war meine schönste Fernseharbeit“, schwärmt Ingeborg Heydorn von Loriot und den zahlreichen Sketchen, die sie mit Vicco von Bülow gedreht hat. Die „Bettenprobe“, der „Anzugkauf“ und das „Klavier“ sind Klassiker der Fernsehgeschichte. Und sie haben die Bremer Vollblutschauspielerin bundesweit bekanntgemacht. Heute feiert Heydorn ihren 80. Geburtstag.

Schon als Kind habe sie auf dem Stuhl gestanden und Gedichte aufgesagt, erzählt Heydorn. Soubrette wollte sie werden. Heitere Opernund Operettenarien singen. Die Mutter, die nach dem frühen Tod ihres Mannes drei Kinder durchfüttern musste, zeigte sich wenig begeistert. Doch der Onkel griff ein – und Ingeborg Heydorn begann zu jobben, um ihre Schauspielausbildung zu finanzieren. Sie arbeitete als Kindergärtnerin, servierte im Operncafé und im Eisladen. Und kam per Zufall zu ihrer ersten Theaterrolle – sie spielte im „Bremen Boys Club“ die Magd Fieken in August Hinrichs’ Komödie „Für die Katz“.

1949 war das. Vor mehr als 60 Jahren. Heydorn steht immer noch auf der Bühne, im Ensemble des Union-Theaters. Derzeit laufen die Proben für das Stück „Faust ohne Gretchen“. Die Premiere ist für 23. September im Packhaustheater im Schnoor geplant. Heydorn mimt „eine von drei alten Schachteln, die sich gegenseitig angiften“. Das sei zwar keine große Rolle. „Aber Klappsätze sind viel schwerer zu lernen“, sagt sie.

1955 absolvierte die Bremerin ihre Schauspiel-Diplomprüfung in Hamburg, es folgte ein Engagement in Verden. Und Jahrzehnte auf der Bühne des Waldau Theaters. Niederdeutsche Stücke, Weihnachtsmärchen, Boulevardklassiker. „Ich spiele alles, was mir angeboten wird“, sagt die 80-Jährige. „Nur das Drehbuch will ich vorher lesen.“ Anfang der 70er Jahre folgten kleine Fernsehrollen. Und dann Loriot. Und die wunderbaren Sketche – der Bettentest beispielsweise, bei dem Loriot für seine Gattin (Heydorn) zu guter Letzt „Tee und etwas Gebäck“ ordert, wenn sie wieder aufstünde. Und der Anzugkauf im Herrenmodegeschäft, das Loriot im Entengang und einem viel zu großen Anzug verlässt. Heydorn spielte häufig Loriots Gattin – auch im Sketch „Eheberatung“, als sie als Frau Blömann immer wieder ihre Handtasche auf- und zuklippt.

Beim „Klavier“-Sketch muss sie sich mit Kuchen vollstopfen. Schließlich wird die Ankunft des schweren Musikinstruments auf Video festgehalten, ist es doch ein Geschenk von Berta Panislowski aus Massachusetts. „Das hat Stotterer gekostet“, sagt sie. Es hat gedauert, bis mancher Sketch im Kasten war. „Loriot war pingelig, aber nie unfreundlich und laut, sondern immer nett und höflich“, sagt Heydorn.

Tolle Rollen habe sie gespielt und tolle Fernsehleute kennengelernt – Helga Feddersen, Evelyn Hamann, Rudi Carrell, Wolfgang Stumph. Doch auf der Bühne zu stehen, sei immer noch etwas Besonderes. Man spüre sofort die Reaktion des Publikums. „Dann weißt Du, ob Du über die Rampe gekommen bist.“

Ihren 80. feiert Ingeborg Heydorn, die vor elf Jahren ihren zweiten Mann verlor und seither alleine lebt, am Sonnabend im Kollegen-, Freundes- und Familienkreis. Mit rund 80 Gästen.

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