„Teacherman“-Projekt: Bremen will mehr Männer in die Grundschulen bringen

Realität und Rollenbild

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„Teacherman“ André El Seoud.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Allein unter Frauen? Das kann Männern blühen, die sich dazu entschließen, Grundschullehrer zu werden. Der Männeranteil liegt dort bei gerade mal zwölf Prozent. „Vor 40 Jahren waren es noch 50 Prozent“, sagt Dr. Christoph Fantini vom Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Bremer Uni. Er ist Initiator des Projekts „Rent a Teacherman – Männer in die Grundschule“.

Dieses – bundesweit beachtete – Bremer Projekt wird jetzt ausgebaut, denn an vielen Grundschulen fehlen Männer. „Das Thema ist wichtig, weil wir wissen, dass unsere Grundschulen sehr weiblich dominiert sind“, sagt Bildungssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD). „50 Prozent unserer Kinder sind aber männlichen Geschlechts.“

Ob Junge, ob Mädchen – für alle gilt, dass die Frauen-Dominanz ein verqueres Rollenbild vermittelt. Als könnten sich allein Frauen um Kinder kümmern. Zudem, so die Senatorin weiter, „wachsen viele Kinder heute in alleinerziehenden Haushalten auf“. Eine kontinuierlich präsente männliche Bezugsperson fehlt da häufig. „Wenn sich das in der schulischen Realität widerspiegelt“, so Quante-Brandt weiter, fehle ein männlicher Gesprächspartner Mädchen wie Jungen.

Bremen möchte mehr Erzieher in den Kindertagesstätten haben – und eben mehr Lehrer in den Grundschulen. Zugleich ist im Ressort bekannt: „Wir müssen für den Lehrerberuf werben.“ Genau hier setzt das „Teacherman“-Projekt an. Es gibt Lehramtsstudenten die Möglichkeit, in Grundschulen zu arbeiten, und zwar dort, wo buchstäblich „Not am Mann“ ist. 15 der 74 Bremer Grundschulen sind gegenwärtig männerfreie Zonen.

„Wenn junge Männer mal gesehen haben, wie viel Spaß das macht, können sie sich auch vorstellen, Grundschullehrer zu werden“, sagt „Teacherman“-Initiator Fantini. Seit 2012 gibt es das Projekt. 20 männliche Studenten haben seither Grundschulerfahrungen gesammelt – und sich dabei auch geschlechterspezifischen Themen gewidmet. Im Sexualkundeunterricht etwa freuen sich Jungen durchaus, wenn sie sich mit ihren Fragen an einen Mann wenden können. Was wird noch gefordert? Eine gewisse Körperlichkeit, sprich: sportliche Aktivität zum Beispiel. Viele Jungen etwa wünschen sich, dass der „Teacherman“ auch mal eine Fußballarbeitsgemeinschaft anbietet.

André El Seoud, Student, hat schon einige Erfahrungen als „Teacherman“ gesammelt – gegenwärtig arbeitet er an einer Grundschule in Hemelingen. „Ich werde oft mit ‚Frau‘ angesprochen, das rutscht den Kindern einfach so raus. Die kennen keine männlichen Lehrer an der Grundschule.“ El Seoud arbeitet als Vertretungs- und Betreuungskraft und bietet Arbeitsgemeinschaften an. So arbeitet er mit Kindern an einem Kinderbuch. Eine weitere AG dreht sich um das Thema „Glück“.

Aufs Glück allein wollen sich das Ressort und die Beteiligten nicht verlassen. Gestern wurde eine Kooperation zwischen Universität, Bildungssenatorin und dem Verein Stadtteilschule unterzeichnet, die dazu beitragen soll, noch mehr junge Männer in Bremer Grundschulen zu bringen. Studenten, die schon ihren Bachelor-Abschluss haben, werden als Kräfte für Vertretungsunterricht an die Schulen vermittelt.

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