„Tauschsongs“ und eigene Hits im Regen: Xavier-Naidoo-Open-Air auf der Bürgerweide

„Ist Euch nicht kalt?“

Bremen - Von Ulla Heyne. Menschenmassen, die trotz des Regens auf die Bürgerweide strömen. Etwa 10000 Fans sind gekommen. Statt Protestschildern vor dem Eingang Fans mit Campingstühlen und Thermoskannen – von der öffentlichen Kritik, die dem Konzert von Xavier Naidoo auf der Bürgerweide vorausgegangen war, war am Sonnabendabend rein gar nichts zu bemerken.

Oder etwa doch? Als der Sänger mit Sendungsbewusstsein – nach halbstündiger Einstimmung durch den Hamburger Hiphopper Nico Suave und einer fast dreiviertelstündigen Umbaupause – im wabernden Nebel zu Wellengeplätscher und Möwengeschrei die Bühne betritt und ein rockiges „War, what is it good for?“ herunterschmettert, steht der Protestsong im krassen Gegensatz zu seinen Ansagen.

Die bestimmt in den folgenden zwei Stunden vor allem ein Thema – das Wetter. Ob denn auch alle passend angezogen seien, will er wissen, und erkundigt sich immer wieder fürsorglich: Rock‘n‘Roll ist das nicht, und statt Bier trinkt man Cocktails mit bunten Strohhalmen. Bei jedem Schauer – und davon gehen im Verlauf seines knapp zweistündigen Auftritts einige nieder – fragt der Mann mit dem charakteristischen Käppi und der Sonnenbrille: „Könnt ihr noch?“ Zur Antwort recken sich dem Sänger viele Hände unter den farbigen Regencapes entgegen: Ja, sie können noch.

Und sie feiern Naidoo, ob er seine Hits singt wie „Bei meiner Seele“, den „Weltmeisterschafts-Unterstützer-Song“ „Dieser Weg“ – oder Lieder, die er schon länger nicht mehr live gesungen hat, wie „Glaubst du, dass der Wind weht?“ und „Nicht von dieser Welt“.

Dabei erweist sich das Publikum als textsicher; der Meister dagegen macht kein Hehl daraus, dass er einige Texte abliest: „Vor lauter Songgetausche kann man die eigenen schon mal vergessen“, kokettiert er.

Mit den „Tauschsongs“, wie er sie in Anspielung auf sein TV-Format „Sing meinen Song“ nennt, gewinnt das Konzert: Bei den Interpretationen (darunter „Freisein“ von Moses Pelham und das wunderschöne „Amoi seg ma uns wieder“ von Andreas Gabalier) gelingt es Naidoo, den Songs anderer Künstler eine neue Dimension verleihen. So gerät das Duett mit Support Nico Suave „Ich will dir noch mal Danke sagen“ über den zu früh verstorbenen Vater zu einem der emotionalsten Momente des Abends, bei dem sich Pärchen in den Armen liegen und bei einigen der Feuchtigkeitspegel nicht nur in den Schuhen steigt.

Doch Naidoo kann auch anders: Soulig wie bei „Ich brauche Dich“ mit wunderschönem Solo vom „Mann an der singenden Gitarre“ Alex Auer, mit purer Partystimmung wie in „Bei meiner Seele“ oder rockig wie in der Zugabe, in der er die Bremer „Party People“ beschwört – stimmsicher und mit sicherem Gespür für den Moment zeigt der Bühnenprofi die Bandbreite seines Könnens.

Als er verrät, dass er heimatverbunden ist, lenkt er sofort ein: „Wir sollten nicht zu viele Informationen rausgeben.“ Stattdessen lässt der Gründer der „Söhne Mannheims“, deren Song „Rosenblätter“ erklingt, seine Musik sprechen. Und wenn gegen Ende „Europa“ mit dem Plädoyer für ein geeintes Europa anklingt oder es in „Hört“ heißt: „Meine Worte haben viele verstört“, dann überlässt er den Zuschauern die Spekulation, ob dies als musikalisches Statement zu verstehen ist.

Trotz eines musikalisch stimmigen Erlebnisses und einer überzeugenden Show strömen die Zuschauer schon vor Ende der letzten Zugabe im einsetzenden Platzregen davon. Nach drei Stunden wollen die „Bremer „Party People“ nur noch eins – ins Trockene.

Auf ein aktuelles Foto vom Bremer Auftritt Naidoos hat unsere Redaktion verzichtet, nachdem die zuständige Agentur kurz vor dem Konzert einen „Fotovertrag“ vorgelegt hat, den wir wegen der darin enthaltenen Einschränkungen redaktioneller Freiheiten nicht unterschreiben wollten.

kuz

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