Der Bremer Dom zeigt eine Ausstellung 

Von der Taufe zum Abendmahl

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„Nach lutherischer Sichtweise ist Christus im Abendmahl gegenwärtig, nach reformierter Auffassung ist es eine symbolische Handlung“, sagt Henrike Weyh, die Leiterin des Dom-Museums. „Die Konfirmation ist die Zulassung zum Abendmahl.“

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ein breiter Tisch mit Tellern, Gläsern, Besteck. Stühle säumen die Tafel. Das Abendmahl! Im Anfang war das Wort – auf den Tellern sind Fragen und Gesprächsanregungen zu lesen. Zu finden ist diese Inszenierung gegenwärtig auf dem Hochaltar des Bremer Doms. Sie gehört zu einer interaktiven Ausstellung, die gut ins Jahr des Reformationsjubiläums passt. Unter dem Titel „Mündig werden!“ verbindet sie die Themen Reformation und Konfirmation.

Die Schau richtet sich speziell – aber nicht allein – an Jugendliche. Sie dauert bis zum 15. Oktober. „Es ist die bisher größte Ausstellung des Dom-Museums“, sagt dessen Leiterin Dr. Henrike Weyh. Sie hat „Mündig werden!“ konzipiert. Leihgaben wie eine Kirchenordnung aus dem Jahr 1534 kommen unter anderem aus der Staats- und Universitätsbibliothek. Bei zwei Hörstationen engagierte sich das Team des Bremer Rundfunkmuseums.

Insgesamt neun (mit Blick auf Bremen-Touristen: zweisprachige) Stationen zu neun Themen verteilen sich im Dom-Museum und vor allem im Dom selbst – von der Westkrypta bis eben zum Hochaltar. Alle Stationen drehen sich um eine Frage: Was ist die Reformation? Familienfest, Glaubenssache, Geschenkspektakel?

Szenerie am Hochaltar – das Abendmahl als Inszenierung in der Ausstellung des Bremer Doms.

„Eine Taufbestätigung“, so Weyh. „Die Konfirmation hat sich aus der Frage nach der Taufe entwickelt.“ Der Reformator Martin Bucer (1491 bis 1551) hat sie anno 1539 in Hessen eingeführt, um die ja oft im frühen Kindesalter erlebte Taufe um eine bewusste Entscheidung für das Christentum an der Schwelle zum Erwachsenenalter zu ergänzen. Eine Idee, die sich durchgesetzt hat – allerdings in gemächlichem Tempo. 1680 lässt sich die erste Konfirmation in Oberneuland nachweisen, das damals nicht zur Stadt Bremen gehörte, wohl aber der Bremer Kirchenordnung unterstand. 1769 folgte die erste Konfirmation in der Stadtgemeinde – an St. Ansgarii in der Altstadt. Die erste in den Annalen nachweisbare Konfirmation am Bremer Dom fällt ins Jahr 1782.

Die Konfirmation – sie ist auch ein Bildungsthema. „Luther wollte, dass Menschen nicht nur glauben, sondern auch verstehen, was sie glauben“, sagt Henrike Weyh. Mündiges Glauben, sozusagen. So habe Luther sich für Schulen eingesetzt – und zwar ausdrücklich für Jungen und Mädchen. Die Bildung lag lange praktisch in kirchlicher Hand, in Bremen etwa wurde die (staatliche) Schulpflicht erst 1844 eingeführt. Wer zum Konfirmandenunterricht ging, lernte bei der Kirche erst einmal Lesen und Schreiben. Heute sieht er anders aus, dieser Unterricht. Es geht darum, sich selbst zu reflektieren, so Weyh – und das „in einem kritischen Alter, wenn die Sicherheiten des Kinderlebens wegbrechen“. Weyh: „Da kann der Konfirmationsunterricht Orientierung bieten.“

Die Ausstellung beschreibt und illustriert Themen wie dieses mit Texten, Fotografien und Inszenierungen – ein Stuhlkreis etwa widmet sich Fragen des Konfirmandenunterrichts. Bibelübersetzungen künden von der Kraft des Wortes – von der historischen Übersetzung bis zur zeitgenössischen Comic-Fassung. Gewandelt hat sich auch die Musik. Eine Jukebox bringt ein Repertoire zu Gehör, das von „Lobe den Herren“ über „We Shall Overcome“ und „Danke“ zu Leonard Cohens „Hallelujah“ führt. Lebensgroße Fotografien von historischen und zeitgenössischen Konfirmanden an der Station „Familienfest“ ermöglichen Selfies.

Die Konfirmation ist ein Familienfest – aber auch noch mehr, folgt man den Initiatoren der Ausstellung. Sie steht zwischen den beiden Sakramenten der evangelischen Kirche, sagt Weyh: „Die Konfirmation ist Bestätigung der Taufe – und die Zulassung zum Abendmahl.“

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