Prozess vor dem Landgericht

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

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Peter F. (2.v.l.) ist des versuchten Totschlags angeklagt. Rechts neben ihm: sein Verteidiger Felix Deutscher.

Bremen - Von Steffen Koller. Eine Patientin liegt im künstlichen Koma, wird beatmet, lebenswichtige Medikamente laufen in ihren Körper. Ein Bekannter der Frau will sich das nicht länger ansehen – und tauscht kurzerhand mehrere Spritzen aus, über die die Frau versorgt wird. Seit Donnerstag steht der 47-Jährige vor dem Landgericht Bremen. Ihm wird unter anderem versuchter Totschlag vorgeworfen.

Der 47-Jährige gab sich als Lebensgefährte der Frau aus. Nach wenigen Tagen fielen seine Besuche nicht mehr auf, ungehindert konnte sich Peter F. auf der Intensivstation des Klinikum Bremen-Mitte bewegen. Am 23. Juni dieses Jahres besuchte er seine Bekannte erneut und entschied sich laut Anklage, mehrere Spritzen, über die die Frau die Schmerz- und Narkosemittel Propofol und Sufentanil verabreicht bekam, durch alte, im Müll befindliche Spritzen, zu ersetzen. 

Für die Staatsanwaltschaft ist klar: Peter F. nahm den Tod der Frau „billigend in Kauf“. Denn: Statt der lebenswichtigen Medikamente strömte nun ein Luft-Flüssigkeitsgemisch in ihre Venen. F. hingegen sagte, er habe die Frau nicht töten wollen, er habe sie von „dem Zeug entwöhnen“ wollen. Zu Prozessauftakt äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Seine Aussagen stammen vom Haftprüfungstermin. Sie wurden vor Gericht verlesen.

Nun muss das Landgericht klären, ob der 47-Jährige „versucht hat, einen Menschen zu töten, ohne Mörder zu sein“. So formulierte es die Anklage am Donnerstag.

Angeklagter und Opfer lebten zusammen

F. und die Frau lebten wohl seit längerem zusammen. Beide lagen, so schilderte es F. gegenüber dem Haftrichter, am 17. Juni im Bett der Frau und waren im Begriff, sich schlafenzulegen. Doch im Gegensatz zum 47-Jährigen, wachte die Frau gegen Mitternacht nicht mehr auf. Der Angeklagte verständigte daraufhin einen Notarzt, kurze Zeit später wurde die Frau notoperiert. Ärzte entfernten der Patientin Teile der Schädeldecke, versetzten sie danach in ein künstliches Koma. Warum die Frau so schwerverletzt war, wurde vor Gericht nicht deutlich.

Gegenüber dem Haftrichter soll F. angegeben haben, dass er aufgrund des Komas Angst gehabt hätte, nie mehr mit der Frau reden zu können. Auch deshalb habe er die Spritzen entfernt und bereits geleerte angehängt. Er habe sich zuvor „im Internet schlaugemacht“, welche Mittel in der Spritzenpumpe angebracht seien und diese entsprechend ausgetauscht. Er wisse, dass „die Manipulation dumm war“, doch von einem Tötungsvorsatz könne keine Rede sein. Die Frau überlebte, sie soll Anfang nächsten Jahres als Zeugin aussagen.

Damit nicht genug, soll Peter F., gebürtiger Pole, der Frau Ende Januar mit einem Nudelholz auf den Kopf geschlagen und ihr dabei Prellungen zugefügt haben. Im Juni, so der Vorwurf, würgte er eine andere Frau bis zur Bewusstlosigkeit und entriss ihr danach ihre Halskette. Hinzu kommen weitere mutmaßliche Taten, so dass sich F. letztlich nicht nur wegen versuchten Totschlags, sondern auch wegen gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen, Beamtenbeleidigung und Raub verantworten muss. – Der Prozess soll am Donnerstag, 20. Dezember, fortgesetzt werden.

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