Blick in die Zauberküche

„Tag der offenen Tür“ bei Radio Bremen: Ansturm im Funkhaus

Peter Mertsch an seinem Produktionstisch. Hier produziert er die Jingles für den Radio-Bremen-Hörfunk. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein Blick in die Zauberküche der Radioklänge: Sound-Layouter Peter Mertsch zeigt, aus welchen Bausteinen der Jingle für den „Tag der offenen Tür“ bei Radio Bremen gemacht ist. Um ihn herum hat sich eine Menschentraube versammelt. Mehrere Tonspuren sind auf seinem Bildschirm abgebildet. Auf der obersten Spur liegt die Stimme von Chefsprecher Holger Postler. „Wir waren dabei“, sagt diese.

Auch hier werden die Besucher getaktet in Gruppen vorbeigelotst, sonst wäre der Ansturm nicht zu bewältigen. Rund 10 000 Besucher sind am Sonnabend gekommen, um erstmals einen Blick hinter die Kulissen des öffentlich-rechtlichen Senders zu erhaschen, der vor zehn Jahren ins neue Funkhaus im Faulenquartier gezogen ist.

Zurück zum Jingle, in dem noch mehr steckt. Zu hören sind Klänge von „Lebenslang grün-weiß“. Da der Soundabschnitt zu abrupt endet, hat Mertsch einen Hall rangehängt. So kommt ein weicher Übergang zum nächsten Musikstück. Das ist zu lang. Der Sound-Layouter hat einen Teil rausgenommen und das Ende rangeschnitten. Auf dem Bildschirm kann er Tonabschnitte bewegen, als seien es Spielklötze.

Die Stimme von Henry Vogt, Sportjournalist und früher Redakteur bei der Mediengruppe Kreiszeitung, setzt ein – damit die Atmosphäre stimmt, ergänzt durch den Jubel von Fußballfans. „Das Spiel ist vorüber. Zum vierten Mal ist Werder Bremen Deutscher Meister“, sagt die Stimme von Vogt – lang ist es her. Hörfunkprofis müssen auf viele Feinheiten jenseits der bloßen Informationsvermittlung achten. Der Jubel verträgt keine Lücke. „Die Atmo darf nicht abreißen. Die Hörer merken es im Unterbewusstsein“, sagt Mertsch. Er spielt den Jingle, aber schaltet den Jubel an einer lauten Stelle weg. Kaum zu hören, aber die Stimmung passt nicht mehr.

Ein Besuch bei der Maskenbildnerin

An sensiblen Feinheiten arbeitet auch Maskenbildnerin Astrid Michels. Griffbereit vor dem Spiegel sind Rouge, Schminke und Pinsel. „Eine Frau für ,buten un binnen‘ zu schminken, dauert 30 bis 45 Minuten, für einen Mann brauche ich zehn bis 15 Minuten“, sagt Michels. „Wir haben ein spezielles Flüssig-Make-up, das sich speziell für HD-Kameras eignet. Das wirkt gleichmäßig ohne zu glänzen.“ Bei Frauen wird dann mit etwas Rouge gearbeitet. Auch die Augen müssten geschminkt, die Haare gemacht werden. Die Maske für die Fernsehproduktionen solle immer gleich aussehen.

Das Studio von „buten und binnen“ erscheint weit größer, als der Eindruck aus dem Fernsehen vermuten lässt. Besonders voll ist die Decke, an der sich mehr als 70 Kameras und Scheinwerfer Seite an Seite reihen. Ein ähnliches Bild bietet auch im Studio von „3nach9“. Hier zeigen zwei Techniker den Einsatz einer Drohne, eine Person ist ausschließlich für die Lenkung zuständig, die andere fürs Filmen. Das Fluggerät produziert ein lautes Motorengeräusch. Es eignet sich eindeutig nur für draußen.

„Tag der offenen Tür“ bei Radio Bremen 

Auf der Bühne vor dem Funkhaus gibt „Tatort“-Redakteurin Annette Strelow schon mal einen Einblick in die aktuelle Produktion: „Der offizielle Titel lautet ,Zurück ins Licht‘. Mein interner Arbeitstitel für die Folge ist ,Stedefreund und die Frauen‘.“ Sie erklärt auch, wie man Leiche im Krimi werden kann. Man müsse sich einfach zum Casting bewerben. „Die Rolle ist aber sehr anstrengend. Ein ganzer Tag in einer Kiste, und dann kommt noch Wasser drauf“, berichtet Strelow.

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