Planer präsentieren Strukturanalyse

Rennbahngelände in der Vahr: Szenarien für ein Wohnquartier

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Bebauung der Galopprennbahn in der Vahr wird von vielen Anwohnern nicht gewünscht. Das war am Montagbanend bei einer von der Stadt organisierten Bürgerveranstaltung zu den Ergebnissen einer Strukturanalyse deutlich zu spüren.

Eher skeptisch nahmen die etwa 100 Besucher die optimistischen Thesen zu Vorzügen des geplanten Wohnquartiers zur Kenntnis. Benjamin Wille (41), Stadtplaner bei der Berliner Machleidt-Gesellschaft, präsentiert die Ergebnisse der Analyse, angereichert mit Karten und Fotos von ansehnlichen jungen Gestaltungslösungen aus anderen Städten. 

Das eigene Auto soll möglichst häufig stehenbleiben und zudem die Bündelung der Stellplätze zu einer hohen Aufenthaltsqualität beitragen. Die Schlüssel dazu seien eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und gut geplante Fuß- und Radwege.

Karte mit Tramschleife präsentiert

Wille zeigt eine Karte mit einer Tramschleife, die mitten ins heutige Rennbahngelände führt. Kein Plan, aber ein mögliches Szenario. Eine andere Karte, ein anderes Szenario: Busse werden durchs Quartier geleitet. 

Fotos aus Freiburg zeigen, wie das alles aussehen kann: Eine Straßenbahn fährt an einem eleganten Gebäude vorbei, Spielstraßen, unten Geschäfte, oben wahrscheinlich Wohnungen. Die Besucher können sich nach dem Vortrag an Thementafeln informieren und Punkte vergeben, wie wichtig ihnen die jeweiligen Thesen sind. Ergebnisse einer vorherigen Bürgerveranstaltung sollen eingeflossen sein.

Anspruch auf Bezirkssportstätte

Uwe Jacobs (76), Vorsitzender beim Sportverein TuS Vahr, muss nicht lange nachdenken, bis er einen Punkt vergibt und damit die Wichtigkeit von Sport-, Spiel- und Freizeitaktivitäten betont: „Wir haben hier nur die Schulsportanlagen. Ich denke, wir haben Anspruch auf eine Bezirkssportstätte. Der Stadtteil vergrößert sich mit dem neuen Quartier von 27.000 auf 30.000 Einwohner.“

Derweil diskutiert Wille an einem Tisch mit einem Modell des Stadtteils mit einer Grundschullehrerin, die täglich erlebt, dass viele Kinder mit dem Auto gebracht werden. „Wenn da ein ungefährlicher Weg ist, kommen vielleicht mehr Kinder mit dem Rad und zu Fuß. So ein Weg muss aber gleich so geplant werden“, sagt Wille.

Angst vor teurem Wohnraum

Viele Besucher äußern in der Abschlussdiskussion die Befürchtung, dass nur wenige Wohnungen im mittleren Preissegment entstehen könnten und der geförderte Wohnraum nach dem Ende der Preisbindung nach 20 Jahren im Preis steigt.

Der Vortrag von Wille und auch die Veranstaltung bekommen Applaus, aber einige Besucher kritisieren die „zu positiven Thesen“. Sie fürchten, manipuliert zu werden. Am 31. August (16.30  Uhr) ist eine Begehung des Geländes mit Interessierten geplant. 

Gegner sammeln 4600 Unterschriften

Derweil haben die Gegner der Rennbahnbebauung 4 .600 Unterschriften zusammen. Sie wollen noch bis nach Pfingsten sammeln, bevor sie die Zulassung eines Volksbegehrens beantragen. „Wir wollen 5.000 bis 6.000 Stimmen bei der Stadt abgeben. Die Erfahrung zeigt, dass meistens etwa zehn Prozent der Stimmen ungültig sind“, sagt Andreas Sponbiehl von der Bürgerinitiative Rennbahngelände.

Für ein Volksbegehren müsste die Initiative dann allerdings fünf Prozent der Stimmberechtigten für sich gewinnen. Das sind nach Angaben des Wahlamtes 21.234  Bremer.

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung / Martin Kowalewski

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