Syrisches Exil-Orchester setzt Musik gegen Kriegsbilder

Der syrische Kontrabassist Raed Jazbeh stellt sich in Bremen vor. Der Profi-Musiker plant den Auftritt eines syrisches Exil-Orchester, das am 22. September in der Hansestadt ein Konzert geben soll.

Bremen - Von Julia Dutta. In Bremen hat sich ein Orchester von syrischen Exil-Musikern gegründet. Unter ihnen sind Flüchtlinge, die erst vor kurzem in Europa angekommen sind. Über Facebook haben sie sich gefunden. Ihre Stücke handeln von Heimat und Liebe.

„Denkt an den Ort, den ihr liebt. An eure Heimat“, sagt Martin Lentz auf Englisch, bevor er das Zeichen zum Einsatz gibt. Das Thema, um das sich die Ouvertüre von Felix Mendelssohn dreht, ist allen wohlbekannt: „Die Heimkehr aus der Fremde“. Etwa 30 Frauen und Männer haben sich am Samstag in der Musikschule in Bremen getroffen, um gemeinsam für den ersten Auftritt als syrisches Exil-Orchester zu proben. Die Musiker eint die Sehnsucht nach ihrer Heimat, auch wenn immer mehr von ihren Landsleuten vor Krieg und Zerstörung nach Europa flüchten.

Über Facebook haben sie sich auf Initiative des in Bremen lebenden Kontrabassisten Raed Jazbeh gefunden. Unter ihnen sind Flüchtlinge, die erst vor wenigen Wochen in Deutschland angekommen sind und solche, die schon lange ein Visum haben und in Europa als etablierte Profi-Musiker leben. Sie alle haben in Damaskus studiert, bevor sie ins Exil gingen. Wer sein Instrument nicht mit nach Europa bringen konnte, bekommt es in Bremen von der Musikschule geliehen. Am kommenden Dienstag (22.9.) ist das erste Konzert des „Syrian Expat Philharmonic Orchestra“ geplant. Die Resonanz war auf Anhieb so groß, dass es bereits ausverkauft ist.

Die Nervosität vor dem ersten großen Auftritt ist den Organisatoren anzumerken. Noch sind längst nicht alle Musiker angereist. Unter anderem aus Schweden, Holland, Frankreich und Dänemark kommen sie nach Bremen. Während ihres Aufenthalts leben sie bei Gastfamilien. Nur drei Tage zum Proben hat das Exil-Orchester. Orientalische und klassische Stücke stehen auf dem Programm. Ein weiterer Auftritt ist am 3. Oktober in Lüneburg geplant.

„Auch professionelle Orchester proben in der Regel nicht mehr als dreimal vor einem Auftritt“, beruhigt Orchesterleiter Lentz. Dennoch: Er ist anspruchsvoll. Immer wieder unterbricht er nach wenigen Takten, greift an Stellen ein, an denen es seiner Meinung nach noch nicht rund läuft. Bisher verdienen die Musiker kein Geld mit dem „Syrian Expat Philharmonic Orchestra“ und sind auf Spenden angewiesen, doch sie hoffen, dass sich das bald ändern wird. In Syrien haben die meisten als bezahlte Profi-Musiker gearbeitet.

„Ich möchte mit meiner Musik das negative Image von Syrien und dem Islam verändern“, erklärt Violinistin Hivron Mirkhan. Sie selbst lebt seit zwei Jahren mit einem Visum in Deutschland, spricht schon gut Deutsch und will weiter studieren. „Deutschland ist für mich eine zweite Heimat“, sagt die 30 Jahre alte Mutter einer kleinen Tochter.

So viel Glück wie sie hatten nicht alle Syrer hier: Erst vor zwei Wochen ist zum Beispiel eine der Musikerinnen aus dem Orchester in Deutschland angekommen, nach einer monatelangen Flucht über die Türkei, Griechenland und Europa. Hier in Bremen kann sie zum ersten Mal wieder ihr Instrument, die Harfe, spielen. Die Stücke beim ersten Auftritt handeln von Heimat und Liebe.

dpa

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