Zum Verhör in den Keller

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Der Syrer Mansour I., der seit Jahren in Bremen lebt und studiert.

Bremen - Von Pascal Faltermann - Drohungen, Einschüchterung und Folter. Alpträume, Angst und Ärger. All das wegen des Wunsches nach Meinungsfreiheit und Demokratie. Der in Bremen lebende Syrer Mansour I. (28) hat mit all dem Erfahrungen gemacht.

Nun haben ihm die syrischen Behörden sein Staatsstipendium gestrichen. Da er weder Bafög noch finanzielle Unterstützung von seinen aus armen Verhältnissen kommenden Eltern erhält, steht seine Promotion auf dem Spiel. Der 28-Jährige hat bisher seinen Masterabschluss in Germanistik und Englisch gemacht. Auf seine Masterarbeit ehielt er die Abschlussnote: 1,5. Das Thema: ein Vergleich, wie über den „Arabischen Frühling“ in deutschen und syrischen Medien berichtet wird.

Mansour machte 2002 als einer der Besten seines Jahrgangs das Abitur in der syrischen Großstadt Homs. Vom Staat erhielt er aufgrund dieser ausgezeichneten Leistungen ein Stipendium, das sein Studium im Ausland finanzierte. Im Juli 2005 ging der Syrer zu einer Sprachschule nach Kassel. Er hatte Zusagen für Heidelberg, Bremen und Kiel und entschied sich auch wegen des guten Hochdeutschs in Norddeutschland für die Hansestadt. Schon damals, so erzählt er, fragte ihn die politische Polizei in Syrien nach seiner Einstellung zu der Regierung. Nur unter vorgehaltener Hand kritisierte er das Regime.

In den vergangenen sechs Jahren sei er dreimal in Syrien gewesen. Die ersten beiden Male waren ohne besondere Vorkommnisse. „Sie waren okay“, erzählt der Hobbyfußballer. 2008, bei seinem dritten Besuch in der Heimat, musste er dann mehrfach zur Behörde. Ihm sei vorgeworfen worden, negative Dinge gegen sein Land gesagt zu haben. Er wurde beschuldigt, der muslimischen Bruderschaft – einer Verbindung – anzugehören, weil er 2007 in Ägypten Urlaub gemacht hatte. Ihm wurde vorgehalten, Kontakte zur Opposition in Frankreich zu besitzen. Doch das sei damals nicht der Fall gewesen, sagt er. Zum Verhör ging es laut Mansour in den Keller. Mit Stromschlägen, Prügel und Misshandlungen versuchten die „Polizisten“ ihn zu einem Geständnis zu bewegen.

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Das Demokratische Stipendium

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„Natürlich haben sie mir auch gedroht, das Stipendium zu streichen und mich nicht mehr nach Deutschland ausreisen zu lassen“, berichtet der Student. Seinen Ausweis behielten die Beamten. Seine Familie zahlte einem Anwalt viel Geld, damit dieser Mansours Ausreise regelt. Dieser Alawit – ein großer Teil der herrschenden politischen Elite entstammt dieser Religionsgemeinschaft, der auch die Familie Assad angehört – schaffte es, dass der 28-Jährige zurück nach Deutschland reisen durfte. Nach diesem Besuch in Syrien hatte Mansour ständig Alpträume. Es gab kaum Nächte, in denen er durchschlief. „Ich hatte vorher nichts für die Opposition in Syrien gemacht, ich war politisch inaktiv“, so der junge Mann. Doch nach diesem Erlebnis begann er, die Opposition im Kampf gegen das Regime von Präsident Assad zu unterstützen.

Über Facebook teilte er Informationen mit, ging mit Syrern in Deutschland auf die Straße und nutzte die von ihm so geliebte Meinungsfreiheit. Doch sie wurde ihm zum Verhängnis. Die syrischen Behörden strichen ihm sein Staatsstipendium. Er soll den Ruf des Landes nicht bewahrt haben, steht in einem Schreiben. „Dabei habe ich nichts gegen mein Land gesagt, sondern gegen das Regime“, sagt er. Ihm droht die sofortige Verhaftung, wenn er derzeit nach Syrien fliegt.

Mittlerweile ist er Mitglied bei Amnesty International. Um seine Doktorarbeit schreiben zu können, versucht er nun, ein „Absolventa-Stipendium“ zu bekommen. Mansour, der ausgezeichnet Deutsch spricht, hat insgesamt zwölf Geschwister. Er erreicht seine Familie in letzter Zeit kaum noch. Die Angst um seine Angehörigen raubt dem 28-Jährigen oft den Schlaf. Beistand erhält er von seiner Freundin Laura.

Das Bewerbungs-Video von Mansour

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