Schwarzmalen als Job

SWB-Krisenmanagerin Pia Meyer erarbeitet Strategien für Notfälle

Schwarzmalen ist sozusagen ihr Beruf: Pia Meyer ist Krisenmanagerin im Bremer Energieversorgungsunternehmen SWB AG. In ihrem Job muss sie auch um die Ecke denken können. - Foto: Zelle
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Schwarzmalen ist sozusagen ihr Beruf: Pia Meyer ist Krisenmanagerin im Bremer Energieversorgungsunternehmen SWB AG. In ihrem Job muss sie auch um die Ecke denken können.

Bremen - Von Elena Zelle. Pia Meyer ist Berufspessimistin: Sie geht jeden Tag vom Schlimmsten aus. Das macht sie nicht, weil sie von Natur aus eine Schwarzmalerin ist. Es ist einfach ihr Job. Die 27-Jährige ist Referentin für Krisen- und Notfallmanagement bei Wesernetz, dem regionalen Netzbetreiber für Strom, Gas, Wasser und Wärme des Bremer Energieversorgers SWB AG.

Und das Ziel der Schwarzmalerei ist auch durchaus positiv: Pia Meyer soll dafür sorgen, dass Notfälle möglichst glimpflich ausgehen oder gar nicht erst passieren. Deshalb sind für die Bremerin zwei Fragen zentral. Erstens: Was kann passieren? Und zweitens: Was ist zu tun, wenn es passiert? Seit April vergangenen Jahres entwickelt sie Maßnahmen, damit all die möglichen Antworten auf die erste Frage unwahrscheinlicher werden und erstellt Pläne, die die zweite Frage beantworten. Mögliche Szenarien, was alles passieren kann, will sie lieber nicht so genau erklären, um niemandem Angst zu machen und um niemanden auf dumme Gedanken zu bringen.

Für Pia Meyer gibt es beim Energieversorger vier Zustände: Normalbetrieb, Störung, Notfall und Krise. Normalbetrieb – das ist die Regel. Eine Störung unterbricht die Versorgung vorübergehend und ist etwas, das vorkommen kann und worüber Meyer nur informiert wird. Zum Beispiel gilt als Störung, wenn bei einem leichten Verkehrsunfall ein Stromkasten umgefahren wird.

„Kenne Notfälle zum Glück nur Übungen“

Bei einem Notfall ist Meyer gefragt. „Von kleineren Notfällen abgesehen, wie dem Stromausfall in Bremen-Nord Anfang September, kenne ich das zum Glück nur aus Übungen“, sagt sie und erzählt als ein Beispiel von einer Übung aus dem vergangenen Jahr: Die Gasversorgung ist in dem Szenario zur Feierabendzeit gestört, und das heißt in dem Fall: Zwei Straßenbahnlinien müssen gestoppt, Straßen gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Die Menschen in dem Bereich müssen in Sicherheit gebracht werden.

Wie klappt das, wenn der Verkehr nicht rollt? Und wie kommen die Kollegen vom Entstörungsdienst und weitere benötigte Kräfte zum Ort des Geschehens? Das Ganze muss auch an die Öffentlichkeit, damit die Menschen wissen, was los ist und nicht in Panik verfallen. Außerdem muss jemand die Zusammenarbeit mit der Polizei, der Feuerwehr und der Stadt regeln. Und was ist, wenn in dem betroffenen Gebiet ein Krankenhaus ist? Oder ein Altenheim? Für solche Situationen ist Meyer da.

Noch schlimmer und vor allem länger andauernd als ein Notfall wäre eine Krise – bislang gab es laut SWB-Sprecherin Angela Dittmer in der Unternehmensgeschichte keine. Aber darauf darf und will sich Meyer nicht ausruhen. „Man kann gar nicht so blöd denken, wie es manchmal kommt“, sagt sie.

Deshalb hat sie für unterschiedliche Situationen Notfall- und Krisenstäbe zusammengestellt. Da sind zum Beispiel die IT, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Juristen, der Vorstand und natürlich Mitarbeiter technischer Einheiten vertreten.

„Nach dem Abi war ich erstmal orientierungslos“

Im Fall des Falles alarmiert ein Computer diese Gruppe telefonisch, die sich dann an einem festen Treffpunkt versammelt. Auch da hat Meyer für Probleme vorgesorgt: Es gibt zum Beispiel Alternativen, wenn das Telefon nicht funktioniert und Gerätschaften, die per Batterie laufen, wenn der Strom ausfällt.

Für ihren Job muss man im Voraus und um die Ecke denken können. Gelernt hat Meyer das unter anderem in ihrem Studium. Sie hat in Bremen zunächst einen Bachelor in Risiko- und Sicherheitsmanagement an der Hochschule für öffentliche Verwaltung gemacht und danach in Bremerhaven und dem US-amerikanischen Richmond (Kentucky) ihren Master in „Integrated Safety und Security Management“ – Integriertes Sicherheitsmanagement – gemacht.

„Nach dem Abi war ich erstmal orientierungslos. Ich hatte viele Interessen wie Polizei und Jura. Dann bin ich auf den Studiengang in Bremen gestoßen“, erzählt sie.

Sie hat schon während des Studiums zunächst beim Versorgungsunternehmen EWE, dem Mutterkonzern der SWB, als Werksstudentin begonnen. Ihren Master-Abschluss hat sie seit 2015 in der Tasche. Seit eineinhalb Jahren ist Meyer nun im Energieversorgungsunternehmen SWB AG tätig. Ihr Wunsch für die Zukunft: „Dass der Fall, auf den wir uns vorbereiten, nie eintritt.“

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