„Superstar“ zwischen Windeln und Rampenlicht / Finale in der Stadthalle

Der Schmusesänger Severino

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Fans stehen Schlange: Andrang auf der Bürgerweide.

Bremen - Von Irena Güttel. Severino Seeger ist vor wenigen Monaten Vater geworden. Statt Windeln zu wechseln, wird er in nächster Zeit wohl viele Autogramme schreiben. Der 28-Jährige hat die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ („DSDS“) gewonnen. Vor ihm liegt ein eigener Plattenvertrag – und der Traum vom großen Ruhm. „Ich bin sprachlos“, sagt er nach dem Sieg in Bremen. „Ich kann das nicht glauben, das ist ein Traum.“

Dann will er erstmal feiern – mit einem kühlen Bier. Doch gleich heute soll es beginnen, das neue Leben als Star. Als das größte „DSDS“-Finale aller Zeiten hatte der Privatsender RTL die dreistündige Live-Sendung aus der Bremer Stadthalle (ÖVB-Arena) am Wochenende angekündigt. Nicht nur Millionen von Fernsehzuschauern, sondern auch etwa 11000 Besucher in der Halle mussten die drei letzten verbliebenen Gesangstalente auf der Bühne überzeugen.

Fast 59 Prozent der Fernsehzuschauer stimmten am Ende für den Nachwuchssänger Severino Seeger aus dem hessischen Wächtersbach. Er bekommt nun einen Plattenvertrag und 500 000 Euro. Der Sohn eines Italieners arbeitet als Manager bei einer IT-Firma. Seit Jahren tritt er als Sänger bei Partys und Festen auf.

Während der Live-Show – moderiert von Oliver Geissen – schlug Seeger erst den 30-jährigen Blumenverkäufer Antonio Gerardi aus Hemer im Sauerland und dann die 17 Jahre alte Schülerin Viviana Grisafi aus dem hessischen Offenbach aus dem Rennen. Der junge Vater einer Tochter ist der neunte männliche „Superstar“ in der Geschichte der RTL-Show.

Kurz vor der Sendung musste RTL die Sicherheitsvorkehrungen in der Halle hochfahren. Der Sender „ProSieben“ hatte zwei Tage zuvor das Finale von Heidi Klums „Germany‘s next Topmodel“ in Mannheim abbrechen müssen, weil es eine Bombendrohung gegeben hatte. Ein mulmiges Gefühl hat Silvia Kroboth in Bremen trotzdem nicht. Vorsichtshalber zu Hause bleiben? „Niemals“, sagt sie. Seit Jahren sind sie und ihre Tochter Jenifer treue Fans der Castingshow. „Das ist unser Ding.“ Schnell kaufen beide noch ein pinkfarbenes Fanshirt. Dann geht es ab in die Halle.

Dance-Hits und gefühlvolle Balladen wechseln sich auf der Bühne ab. Die Zuschauer feuern ihre Favoriten an – so laut, dass die Worte der Jurymitglieder in der Arena manchmal kaum zu verstehen sind. Neben dem ewigen Dieter Bohlen sind diesmal die Sängerin Mandy Capristo, DJ Antoine und Schlagersänger Heino mit dabei, der die Auftritte „affengeil“ und „supergeil“ findet. Als Severino Seeger „Unchained Melody“ von den „Righteous Brothers“ singt, fliegen Herzkissen und Rosen auf die Bühne. Fans schwenken Plakate und bunte Leuchtstäbe. „In der ganzen Staffel hast Du Gänsehaut geliefert“, lobt Bohlen Seegers Gesangsqualitäten.

Teenager drängen sich in den Pausen an dem Absperrband im Vorraum, hinter dem die drei Kandidaten nach ihren Auftritten verschwinden. Mit ihren Handys machen sie Fotos davon, wie die 17-jährige Viviana zurück in ihre High Heels schlüpft. „Viviana, Du siehst gut aus“, ruft ein Mädchen.

Wie Stars können sich die drei Finalisten schon vor dem Ende der Sendung fühlen. Doch in ein paar Monaten könnten sie schon wieder vergessen sein. Denn eine große Karriere haben die meisten „Superstars“ nicht hingelegt.

Das ist auch Severino klar. Seit er 14 Jahre alt ist, hat der Sohn eines Italieners dafür gekämpft, auf den großen Bühnen auftreten zu können. „Dieses harte Stück Arbeit hat sich ausgezahlt“, sagt er nach seinem Sieg. Plattenvertrag und Preisgeld – für ihn kein Grund, abzuheben. Der 27-Jährige will jetzt weiter an seiner Karriere arbeiten und das Geld gut anlegen. „Damit es irgendwann mal mehr wird.“

Die Finalshow sahen am Sonnabendabend 4,4 Millionen TV-Zuschauer (16,3 Prozent Marktanteil im Gesamtpublikum). Beim „DSDS“-Finale hatte es bis zum vorigen Jahr einen Trend nach unten gegeben: 2014 gab es die bislang schlechteste TV-Quote mit etwa 3,8 Millionen, 2013 sahen 4,6 Millionen zu, 2012 noch 4,7 Millionen.

dpa

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