Jürgen Feder macht als Extrembotaniker Furore

Suche im Toilettenhäuschen

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Jürgen Feder, der sich selber als „Extrembotaniker“ bezeichnet, hockt in Bremen an Straßenbahnschienen, an denen Frühlings-Hungerblümchen blühen. Feder begeistert sich extrem für alle Arten und Pflanzen, egal wo sie wachsen.

Bremen - Von Janet Binder. Jürgen Feder ist begeistert. Gerade hat der Landschaftsgärtner den Wald-Gelbstern in den Bremer Wallanlagen entdeckt. „Der war mal auf der Roten Liste der gefährdeten Arten“, sagt der 52-Jährige.

„In Ostfriesland und im Emsland gibt es den Wald-Gelbstern immer noch nicht.“ Feder weiß alles über jede Pflanze, die in Bremen und Niedersachsen wächst.

Er hat sie alle gesehen und auf Landkarten markiert – früher als selbstständiger Landespfleger, inzwischen in seiner Freizeit. Im Fernsehen und im Internet wird er deshalb als Extrembotaniker gefeiert.

Nach seinem Auftritt in Stefan Raabs Sendung „TV Total“ Anfang des Jahres wird Feder von Medienanfragen überhäuft. Mittlerweile hat er nicht nur eine Fanpage auf Facebook, sondern sogar einen Manager, der seine Termine regelt. „Bis vor zwei Jahren besaß ich noch nicht mal ein Handy“, erzählt Feder. Dabei ist er kein Schauspieler oder Sänger, sondern Botaniker – eine Spezies, die seinen Angaben zufolge langsam ausstirbt.

Dass andere ihn als Extrembotaniker bezeichnen, findet er durchaus berechtigt. Dazu erzählt er ein Beispiel: 2006 nahm er in Bremen an einem Marathon teil – und kartierte dabei Arten. Er hatte einen kleinen Block und einen Stift in der Tasche und machte sich Notizen. Wegen der abgesperrten Strecke sei er an Orte gekommen, die sonst für Fußgänger schwer zugänglich seien. „Ich habe bestimmt zehn bemerkenswerte Arten an der Strecke gefunden“, erinnert er sich. Trotzdem sei er noch eine gute Zeit gelaufen. „Das ist schon ein bisschen extrem.“

Er lernte zunächst Landschaftsgärtner, dann studierte er Landespflege. Zwölf Jahre lang kartierte er als Selbstständiger für Ämter Pflanzen in ganz Niedersachsen und Bremen. „Ich bin viel umhergefahren, mit der Bahn und dem Fahrrad, ein Auto hatte ich damals noch nicht“, sagt Feder. Dabei habe er immer draußen geschlafen. „Es hat mich genervt, wenn es in Pensionen erst ab 8 Uhr Frühstück gab.“ Er wollte so früh wie möglich morgens anfangen. So kamen 16-Stunden-Arbeitstage zusammen, aber das war Feder egal. „In der Natur zu sein, ist für mich Erholung.“

Von der unsicheren Situation als Selbstständiger hatte der Vater von drei Kindern aber irgendwann genug und heuerte wieder als Landschaftsgärtner an. Nun erfasst er nur noch in seiner Freizeit die Pflanzendaten. „Ich kümmere mich systematisch vor allem um die seltenen Arten“, sagt Feder. Inzwischen hat er ein Auto und schläft auf Entdeckungstour darin.

Bei seiner Suche liebt er vor allem die ungewöhnlichen Orte. Er geht auf Friedhöfe, Autobahnrastplätze, Kuhweiden, in alte Häfen oder zu Toilettenhäuschen. „Mich interessieren auch die Plätze, über die andere sagen, es stinkt“, betont Feder. Gerade dort entdeckt er Gewächse, die auf den Nicht-Botaniker zwar unscheinbar oder sogar hässlich wirken, für Feder aber ganz besonders sind. So wie die Tataren-Melde, die er kürzlich erstmals an einer Straße in Niedersachsen gesichtet hat.

Jedes Jahr kämen in Niedersachsen acht neue Arten dazu, sagt Feder. Dann schaut er, wie und wo sich die Art verbreitet. Sollte er demnächst doch einmal den Wald-Gelbstern in Ostfriesland entdecken, dann freue er sich „wie ein kleines Kind“. · lni

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