Haifas Oberbürgermeister Yona Yahav spricht erstmals vor der Bürgerschaft

Die Suche nach den Worten

Eine Umarmung, die weit mehr als viele Worte auszudrücken vermag: Yona Yahav (l.), Oberbürgermeister von Bremens Partnerstadt Haifa, und Bremens Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) im Plenarsaal. ·
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Eine Umarmung, die weit mehr als viele Worte auszudrücken vermag: Yona Yahav (l.), Oberbürgermeister von Bremens Partnerstadt Haifa, und Bremens Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) im Plenarsaal. ·

Bremen - Von Thomas KuzajEs war still. Es wurde nicht in Akten und Zeitungen geblättert. Es wurde nicht auf Telefon- und Laptoptasten herumgetippt. Die Abgeordneten der Bürgerschaft hörten einfach zu, als gestern Yona Yahav, der Oberbürgermeister von Bremens Partnerstadt Haifa, zu ihnen sprach.

Es war die erste Rede eines hochrangigen Vertreters des Staates Israel vor der Bürgerschaft. Yahav mahnte, die Verbrechen der Nationalsozialisten nicht zu vergessen.

Anlass seines Besuchs ist der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar – dem Jahrestag der Befreiung der Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee. Die zentrale Bremer Gedenkveranstaltung im Rathaus war bereits gestern Abend – weil der 27. Januar in diesem Jahr auf einen Freitag fällt, an dem der Sabbat beginnt. Auch im Rathaus sollte Yahav sprechen – wie Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) und die Auschwitz-Überlebende Cipora Feivlovitsch, die in Haifa wohnt. Am 27. Januar wird sie, noch in Bremen, ihren 85. Geburtstag feiern.

Gestern Vormittag saß sie auf der Zuschauertribüne des Parlaments und hörte Yona Yahav zu. Er hielt seine Rede in hebräischer Sprache. Über Kopfhörer verfolgten die Abgeordneten eine Simultanübersetzung. Yahav erinnerte an das Leid der NS-Opfer: „Welche Worte soll man wählen, um die Gedanken einer Mutter zu beschreiben, deren Baby ihren Armen entrissen wird? Die Gedanken eines Vaters, der ansehen muss, wie seine Kinder erschossen werden? Ein ganzes Land beschäftigte sich Tag für Tag mit der systematischen Vernichtung unseres Volkes.“

Yahav weiter: „Wir sind hier, um uns zu erinnern, nicht um zu vergessen oder um zu verzeihen.“ Der Mord an Millionen von Juden sei mit keiner dunklen Epoche der Menschheitsgeschichte zu vergleichen. „Dieses Erinnern müssen wir zukünftigen Generationen weitergeben.“

Bremens Bürgerschaftspräsident Christian Weber hatte vor Yahavs Rede daran erinnert, wie verbreitet Rechtsextremismus und Antisemitismus in Deutschland noch immer sind. Nach aktuellen Untersuchungen, so der Sozialdemokrat, seien 20 Prozent der Menschen in Deutschland antisemitisch eingestellt. „Das ist beschämend“, sagte Weber. „Wir müssen endlich aus unserer Geschichte lernen.“

Er erinnerte auch an die Serie von Morden durch Neonazis in den vergangenen Jahren. „Eine Schande für die Zivilgesellschaft. Das dürfen wir nicht ein weiteres Mal zulassen“, sagte der Bürgerschaftspräsident.

Er wandte sich auch direkt an Yona Yahav. „Es ist eine große Ehre für uns, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben“, sagte Weber zu Haifas Oberbürgermeister. „Versöhnung ist Voraussetzung für eine gemeinsame Zukunft.“

Yahav überreichte Weber, der sichtlich bewegt war, eine Medaille – verbunden mit einer innigen Umarmung, die mehr als viele Worte auszudrücken vermochte. „Weber ist ein wahrer Freund der Stadt Haifa und des Staates Israel“, sagte Yahav.

Heute, am Donnerstag, legt Yahav um 8.20 Uhr einen Kranz am Mahnmal Obernheide in Stuhr nieder.

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