Museums-Seenotkreuzer „Bremen“ wird restauriert

Sturmerprobter Veteran

Liegt derzeit hoch und trocken für umfangreiche Restaurierungsarbeiten auf der Maleika-Werft im Hohentorshafen in der Neustadt: der ehemalige DGzRS-Versuchs-Seenotkreuzer „Bremen“. - Foto: Kaack

Bremen - Von Ulf Kaack. Sie war zu Beginn der 50er-Jahre der erste Seenotkreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), ist die Vorläuferin eines schiffbaulichen und rettungstechnischen Konzepts, das bis heute Bestand hat: die „Bremen“. Die Restaurierung des ehrenamtlich betriebenen Museumsschiffs befindet sich derzeit in einer heißen Phase.

1931 als Motorrettungsboot „Konsul Kleyenstüber“ in Dienst gestellt, erfolgte gut 20 Jahre später mit großem Aufwand der Umbau zum Versuchsseenotkreuzer „Bremen“. Damals war das ein technischer Meilenstein. Nach der Außerdienststellung 1965 wurde sie in den Bremischen Häfen zunächst als Schlepper „Oeltjen“ und nach umfangreichen Umbauarbeiten anschließend vier Jahrzehnte lang privat als Motoryacht „Wal“ genutzt. Seit 2013 arbeitet eine ehrenamtliche Crew daran, das Schiff in einen technischen und optischen Originalzustand zurückzuversetzen. Und das so erfolgreich, dass der sturmerprobte Veteran mittlerweile unter Denkmalschutz gestellt ist.

„Wir haben die ,Bremen‘ mit viel freiwilliger Arbeit und einem minimalen Budget restauriert“, sagt Horst Saade, Mitglied der ehrenamtlichen Besatzung. Eine große Herausforderung haben die Enthusiasten kürzlich in Angriff genommen. Beim Umbau zur Motoryacht vor fünf Jahrzehnten wurde das Tochterboot, damals eine rettungsdienstliche Innovation, ebenso wie der dazugehörige Aufholmechanismus entfernt. Die hydraulisch absenkbare Heckklappe schweißte man zu. Im hinteren Bereich des Schiffs entstand ein bequemer Salon.

„Das ist nicht original und im Sinne des Denkmalschutzes“, so Saade. „Schon beim Start des Mammutprojekts war allen Beteiligten klar, dass wir den ursprünglichen Zustand wieder herstellen wollen. Das tun wir jetzt.“

Seit rund sechs Wochen liegt die „Bremen“ hoch und trocken auf der Maleika-Werft im Hohentorshafen in der Neustadt. Der nachträglich aufgebrachte Decksaufbau auf dem Achterschiff ist bereits entfernt, ebenso ein Teil der Decksbeplattung sowie ein darunterliegender Kraftstofftank. Der einstige Salon existiert nicht mehr. Hier soll eine neue Messe nach altem Vorbild entstehen. „Anhand der Schweißnähte an den Spanten und den Schottwänden können wir genau erkennen, an welcher Stelle vor 50 Jahren angebaut wurde – an dieser Stelle trennen wir den hinzugefügte Stahl einfach ab“, sagt Projektleiter Friedhelm Seifen. „Die alte Heckklappe muss durch einen Neubau ersetzt werden, da sie für den späteren Tochterboot-Aufholbetrieb keine ausreichende Tragfähigkeit mehr aufweist. Auch die Wanne, in der das Tochterboot liegen wird, konstruieren und bauen wir komplett neu.“ Überflüssige Rohrleitungen und Kabelbündel werden in diesen Tagen demontiert, Brennstellen geschliffen und Zeichnungen gefertigt. Vieles muss nachkonstruiert werden.

Bis Mitte Juli müssen die Arbeiten abgeschlossen sein, dann ist der Liegeplatz auf der Werft anderweitig verplant. „Wir liegen gut in der Zeit, das bekommen wir hin“, sagt Friedhelm Seifen, der mit seinem zehnköpfigen Team nahezu täglich an Bord der „Bremen“ Hand anlegt. „Nebenbei erledigen wir noch kleinere Jobs, beispielweise die Erneuerung des Farbanstrichs am Unterwasserschiff. Auch der defekte Elektromotor des Ankerspills, 30 Kilo wiegt das Ding in ausgebautem Zustand, ist zwischenzeitlich repariert.“

Im Spätsommer soll der Museums-Seenotkreuzer wieder einsatzfähig sein. Geplant ist unter anderem ein mehrtägiger Törn nach Carolinensiel. Doch eine ganz große Aufgabe steht der „Bremen“-Crew noch bevor: Der Bau des Tochterboots, denn das Original gilt als verschollen.

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