15 Stunden im Leben des Radsport-Profis Andreas Müller

„Noch nie Tasse Kaffee getrunken“

Andreas Müller (l.) auf der Bahn.

Bremen - Von Gerd Töbelmann. Früher war doch alles viel härter für die Fahrer. Da sind sie länger gefahren und durften die Halle nicht verlassen. Jetzt wohnen sie in schicken Hotels und müssen nur noch ab und an auf die Bahn. Das ist die vereinzelte Meinung von Sixdays-Puristen.

Wir wollten das einmal genauer wissen und haben uns am Samstag 15 Stunden lang an die Fersen von Profi Andreas Müller (36) geheftet.

11.50 Uhr: Andreas Müller schlägt im Zimmer Nummer 250 des Courtyard-Hotels die Augen auf. Die letzte Nacht war lang und der Schlaf auch. „Kurz vor zwölf ist für mich schon ziemlich spät, aber ich stelle mir nie den Wecker. Wenn ich nicht bei Rennen bin, stehe ich auch schon mal früher auf.“

12.05 Uhr: Müller muss sich sputen. Eigentlich wird gegen zwölf Uhr das Büfett abgeräumt. Dann bekommt man nur noch pappige Brötchen. „Aber die sind hier im Hotel gut drauf und räumen auch schon mal später ab.“

Andreas Müller ist auch in seiner beengten Fahrerlager-Koje jederzeit online.

Vorlieben beim ersten Mahl des Tages hat Müller nicht. „Ich bin ein Allesesser. Manchmal nehme ich mir noch zwei gekochte Eier mit auf die Bahn.“ Am Samstag ließ es der 36-Jährige bei Vollkornbrötchen mit Marmelade bewenden. Was allerdings gar nicht geht: Kaffee zum Frühstück. „Ich habe in meinem Leben noch keine einzige Tasse Kaffee getrunken, sondern bevorzuge Tee. Kaffee schmeckt mir einfach nicht.“ Schon mal mit viel Milch und viel Zucker probiert? „Dann kann ich ja gleich Kakao trinken.“

13.12 Uhr: Nach dem späten Frühstück wirft sich Müller in seine Winterjacke, setzt noch eine Mütze auf und schlendert vom Hotel die 200 Meter zur ÖVB-Arena. Draußen hat es leicht angefangen zu schneien. „Manchmal drehe ich am Samstag draußen auch noch einige Runden, um die frische Luft zu genießen. Aber bei Schneefall ist das blöd.“ In der Halle steht auch gleich der erste Pflichttermin an: Gruppenfoto mit allen Fahrern. Maskottchen Speedy stellt den neuen Sechstagesong vor.

13.50 Uhr: Beim traditionellen Kindernachmittag geht es in diesem Jahr etwas ruhiger zu, weil offenbar im Vorfeld kaum noch Trillerpfeifen verteilt wurden. „Auch ganz schön, dass man in der Halle sein eigenes Wort noch verstehen kann.“ Sportlicher Höhepunkt des Nachmittags ist die kleine Jagd über 100 Runden. Für Müller und seinen Partner Wim Stroetinga läuft es besch... Das Paar landet auf dem letzten Platz und büßt eine Runde ein.

14.45 Uhr: Müller macht sich auf den Weg in einen unscheinbaren, fensterlosen Raum abseits der Tribüne. Dort wartet schon Masseur Matthias Will für die Stundenmassage. Da kommt alles dran: Beine, Arme, Nacken, Rücken. „Ihm vertraue ich blind. Er ist schon seit meinem ersten Rennen 2001 in Berlin an meiner Seite.“

15.45 Uhr: Nach der Massage bekommt Müller Hunger. In der Fahrerküche können sich die Profis fast rund um die Uhr versorgen lassen. Diesmal nimmt sich Müller Pasta mit Tomatensauce. „Es muss ja nicht immer Fleisch dabei sein.“

16.30 Uhr: Raus aus der Halle und wieder ab ins Hotel. Es schneit immer noch. Kein Gedanke an eine Ausfahrt mit dem Rad. Müller haut sich aufs Ohr und wacht zwei Stunden später wieder auf. „Ich kann manchmal quasi auf Kommando schlafen.“

19.00 Uhr: Wieder durch den Schnee in die Halle. Die Abendveranstaltung steht an. Müller fühlt sich ausgeschlafen und fährt sich warm. „Es kann losgehen.“

23.10 Uhr: Die Wettbewerbe werden unterbrochen vom großen Showblock. Früher rockten Klaus & Klaus die ÖVB-Arena – jetzt ist es Mickie Krause. Müllers Ding ist das nicht: „Ich habe versucht, nicht hinzuhören. Das alles ist nicht meine Musik. Aber den Leuten gefällt’s.“

1.50 Uhr: Endlich Feierabend. Müller sucht wieder die Fahrerküche auf und bestellt sich eine große Portion Pasta. „Reis ist leider aus. Pech gehabt.“

2.20 Uhr: Müller ist wieder im Hotel. Der Schneefall hat aufgehört. Um etwas herunterzukommen gesellt sich der Profi zu Freunden und Bekannten an die Bar und redet einfach mal nicht übers Radfahren. Alkohol ist für ihn tabu.

3.00 Uhr: In Zimmer 250 geht das Licht aus. Zimmerpartner Stroetinga ist schon entschlummert. Bei Müller will das nicht klappen. „Ich habe eigentlich nur gedöst.“ Bereits wenige Stunde später muss er raus: Frühschoppen in der Halle.

Vergessen Sie das mit dem komfortablen Leben der Sixdays-Fahrer. Nach 15 Stunden bin ich hundemüde und will nur noch ins Bett. Im Gegensatz zu Müller habe ich dabei keinen einzigen Meter auf der Bahn absolvieren müssen...

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