SOS-Kinderdorf Bremen eröffnet Geschwisterhaus

Ein Stück „heile Welt“

Keiner wird allein gelassen: Nach diesem Motto richtet das Geschwisterhaus seine Philosophie aus. Foto: KOLLER

Bremen - Von Steffen Koller. Überforderte Eltern, Missbrauch in der Familie, Gewalt: Es gibt viele Gründe, warum Kinder aus ihrem gewohnten Umfeld genommen werden müssen. Oft bleiben Geschwister dabei auf der Strecke. Sie kommen in unterschiedliche Einrichtungen, sind getrennt auf unbestimmte Zeit. Das SOS-Kinderdorf Bremen will das verhindern und hat am Mittwoch das erste Geschwisterhaus der Organisation in Betrieb genommen.

Die Räume sind hell, das frische Weiß an den Wänden strahlt im Sonnenschein. Ein kleines Stück „heile Welt“ öffnet sich, sobald man den aus drei Häusern bestehenden Gebäudekomplex betritt. Draußen im Garten zwitschern Vögel. Unlängst gepflanzte Johannisbeersträucher wiegen sich im Wind. Rückzugsort, Platz der Geborgenheit, Ruhezone – es sind Dinge, die Kinder aus zerrütteten Familien lange Zeit nicht hatten.

Ihre Eltern ließen sie verwahrlosen, waren gewalttätig oder schlicht überfordert. 2018 wurden allein in Bremen 658 Kinder in Obhut genommen. Für das Jugendamt gab es keine andere Wahl, als sie aus ihrem gewohnten Umfeld zu holen. Und das bis zur Klärung des weiteren Verbleibs. Eine zusätzlich Belastung insbesondere für Geschwister, deren Wege sich häufig trennen.

Für bis zu zehn Kinder im Alter von zwei bis 17 Jahren bietet das Geschwisterhaus die Möglichkeit, diese schwierige Zeit zusammen durchzustehen. Und das mit professioneller Hilfe rund um die Uhr, sagt Silke Höppner, Bereichsleiterin für die neue Inobhutnahmestelle.

18 pädagogische Fachkräfte, darunter Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Kinderkrankenpfleger, sowie drei Angestellte in der Hauswirtschaft kümmern sich um die Kinder und Jugendlichen, bis deren weiterer Verbleib geklärt ist. Und das kann dauern. Im besten Fall sei der zukünftige Aufenthalt der Kinder innerhalb vier Wochen geklärt, zum Teil könne es aber auch bis zu einem Jahr dauern. Eine „unfassbar lange Zeit“ für Geschwister, die voneinander getrennt sind, so Höppner.

„Geschwister stellen füreinander eine Ressource dar“, ergänztt Dr. Lars Becker, Leiter vom SOS-Kinderdorf Bremen. Seien Kinder getrennt, fehle es an Halt und sozialen Bindungen. Genau das mache die Situation nur noch schlimmer. Jedes Kind hat die Möglichkeit, ein eigenes Zimmer zu beziehen. Auf Wunsch dürfen Geschwister aber auch in einem gemeinsamen Bett schlafen. Da die Altersspanne groß ist, habe man sich auch bei Möbeln und Einrichtung auf individuelle Bedürfnisse angepasst. Tische lassen sich in der Höhe verstellen, Bettgitter leicht herausnehmen. Neben einem Spielflur und einem Sandkasten für die kleinen Kinder, bieten verschiedene Gartenflächen mit Obst und Blumen auch etwas für die größeren.

Nachts seien immer zwei Fachkräfte vor Ort, tagsüber mindestens drei. Oberstes Ziel sei es, „einen angstfreien und sicheren Lebensraum für besondere Situationen zu schaffen“, sagt Becker. Es soll ein Raum „zum Kraft tanken“ sein, kein dauerhafter Wohnort.

Dabei kann sich das Geschwisterhaus quasi in vielen Teilen selbst versorgen. Neben einer eigenen Küche im Gemeinschaftsraum bietet das in den 80er Jahren errichtete Gebäude einen Wasch- und Wickelraum, ein barrierefreies Bad, ein Wohnzimmer sowie drei verschiedene Flure, die sich farblich voneinander unterscheiden. Verlaufen ist somit fast unmöglich. Und mit den Nachbarn klappt es auch, sagt Höppner. „Die freuen sich sehr.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Das Motorrad fit für die Saison machen

Das Motorrad fit für die Saison machen

Diese Autos werden 2020 zu Oldtimern - Ist Ihres dabei?

Diese Autos werden 2020 zu Oldtimern - Ist Ihres dabei?

Das sind die Serien-Highlights von 2020

Das sind die Serien-Highlights von 2020

Große Autoklassiker für kleines Geld

Große Autoklassiker für kleines Geld

Meistgelesene Artikel

Tödlicher Verkehrsunfall in Bremen-Walle

Tödlicher Verkehrsunfall in Bremen-Walle

Bürgerbeteiligung beginnt: Ihre Meinung ist gefragt!

Bürgerbeteiligung beginnt: Ihre Meinung ist gefragt!

St.-Joseph-Stift feiert 1000. Geburt

St.-Joseph-Stift feiert 1000. Geburt

Krasser Unfall am Breitenweg: Mann überfährt Fahrräder und stirbt kurze Zeit später

Krasser Unfall am Breitenweg: Mann überfährt Fahrräder und stirbt kurze Zeit später

Kommentare