Studium für Gründer

In Bremerhaven lernen und arbeiten Studenten ab Herbst im eigenen Unternehmen

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Wirtschaftsprofessor Michael Vogel

Bremerhaven - Von Viviane Reineking. Vorlesungen sucht man hier vergeblich. Auch Dozenten gibt es nicht. Zum Wintersemester geht an der Hochschule Bremerhaven ein Bachelorangebot an den Start, das so ganz anders zu sein scheint als bestehende Studiengänge:„Gründung, Innovation, Führung“ – kurz Gif – will unternehmerisches Denken und Handeln lehren und setzt dafür auf ein in Deutschland neuartiges „Team-Academy-Modell“.

Eine Snowboarding-Reiseagentur, eine Franchise-Handelskette für Ökodesign-Mode, ein origineller Handy-Reparaturdienst und ein Festival-Veranstalter: Unter anderem diese studentischen Unternehmen begegneten Prof. Dr. Dr. Michael Vogel, als er 2015 mit Hochschulkollegen nach Jyväskylä in Zentralfinnland reiste. 

Ein Jahr zuvor war er dem Studiengang im spanischen Bilbao begegnet und „fasziniert“ vom andersartigen Lehrkonzept. Schon bei der Rückreise aus Finnland hätten sie gewusst, „dass wir das auch für Bremerhaven wollten“, so der Wirtschaftsprofessor.

Nun steht das Angebot, bewerben können sich Interessierte für einen der 45 Studienplätze nun noch bis Sonntag, 15. Juli. An „unternehmerisch denkende und handelnde Menschen“, heißt es bei der Hochschule, richte sich das in Deutschland einmalige Modell. Es setzt vor allem auf selbstbestimmtes Arbeiten und Lernen am und im eigenen Unternehmen. Und im Team.

Drei Jahre lang bauen Studierende an ihrer Firma

Gemeinsam gründen die Studenten reale Unternehmen, bauen diese nach eigenen Vorstellungen über drei Jahre auf und lernen aus ihren praktischen Erfahrungen. „Gif“ vermittelt der Hochschule zufolge Methoden, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einstellungen, um anspruchsvolle, neuartige Vorhaben im Team zu konzipieren, zu planen, zu verwirklichen und zu führen.

Im Studium sollen die Studenten laut Vogel als Entrepreneure, also als Firmengründer und Unternehmer, handeln. „Dem würde es widersprechen, wenn wir ihnen Vorgaben zu Branchen oder Produkten ihrer Unternehmen machen würden.“

„Unternehmerisch“ ist für die Hochschule übrigens nicht an eine Gewinnabsicht gekoppelt, sondern eng mit Eigeninitiative, Veränderungswillen, Tun und Ausdauer gekoppelt. Der Aufbau eines Unternehmens sei daher ebenso unternehmerisch wie der Aufbau einer Bürgerinitiative, einer Hilfsorganisation oder eines Rockfestivals, heißt es in der Studiengangsbeschreibung.

Im realen Leben gibt es auch keine Vorlesungen

Auf die Frage nach den größten Unterschieden zu anderen Wirtschaftsstudiengängen sagt Vogel: „Die Frage könnte eher lauten: Gibt es überhaupt Gemeinsamkeiten, außer dem Ziel des Lernens?“ 

Neben dem selbstbestimmten Arbeiten und Lernen liege eine weitere Abgrenzung in der Rolle der Dozenten. Als „Team Coaches“ geben sie Vogel zufolge keine Antworten oder inhaltliche Ratschläge, sondern helfen den Studenten dabei, eigene Antworten zu entwickeln.

Vorlesungen und Seminare in ihrer klassischen Form gibt es bei der „Team Academy“ nicht, „solche Formate wären Fremdkörper, weil sie im Leben ,normaler' Entrepreneure auch nicht vorkommen“. Stattdessen lernen die Studenten – hier: Unternehmer und Geschäftspartner – durch „Impulsveranstaltungen, die beruflicher Weiterbildung ähneln“. 

In Bremerhaven ist man ganz gespannt auf den Start

Vogel nennt Beispiele: eine eintägige Schulung in Genossenschaftsrecht zum Beispiel. Oder ein zweitägiges Verkaufstraining, das die Angst vor dem „Nein“ potenzieller Kunden überwinden helfe.

„Gif“ sei quasi selbst ein Bildungs-Start-up. Und nach einem langen Vorlauf sagt Vogel jetzt: „Ich kann es kaum erwarten, dass es endlich losgeht und wir uns mit den Studenten zusammen auf den Weg machen.“

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