Studie: Mobilfunkfelder verstärken Ausbreitung von vorhandenen Tumoren

Handystrahlen fördern Krebs

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Prof. Dr. Alexander Lerchl

Bremen - Von Viviane Reineking. Mails verschicken, Musik hören, telefonieren: Ein Alltag ohne praktisches Mobiltelefon ist heute nur noch schwer vorstellbar. Umso mehr lassen Erkenntnisse aufhorchen, die Forscher der Jacobs Universität gewonnen haben: Elektromagnetische Strahlung, wie sie Handys verursachen, fördert das Wachstum von Tumoren – zumindest in Mäusen.

Noch ist es Grundlagenforschung, und die Ergebnisse lassen sich nicht so einfach auf den Menschen übertragen. Und doch lässt aufhorchen, was der Biologe Alexander Lerchl und sein Team von der privaten Universität in Grohn in einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) nachgewiesen haben.

Für ihre Untersuchungen wurden im Labor Gruppen von je 96 Mäusen unterschiedlichen Dosen, vergleichbar mit den von Mobilfunkstrahlen, ausgesetzt. Eine Gruppe wurde nicht bestrahlt. Weil die Wissenschaftler herausfinden wollten, ob elektromagnetische Strahlung vorhandene Tumoren bei Mäusen wachsen lässt, wurde weiblichen Mäusen zuvor eine krebserregende Substanz, ein sogenanntes Karzinogen, gespritzt, das von den ungeborenen Mäusen noch im Mutterleib aufgenommen wurde. „Eine Vorstudie hatte ergeben, dass dadurch eine ganz erhebliche Zahl von Tieren überhaupt Tumoren bekommt“, so Lerchl.

Das Ergebnis: Die elektromagnetischen Felder haben dazu geführt, dass die Zahl der Tumoren in Leber und Lunge bei den Mäusen, die sowohl der krebserregenden Substanz als auch der Strahlung ausgesetzt waren, im Gegensatz zu den Artgenossen, die nur das Karzinogen aufnahmen, ansteigt. „Die Tiere der Kombinationsgruppen hatten häufiger Tumoren der Lunge und der Leber – und, das ist neu, zusätzlich auch der Lymphknoten“, so Lerchl. Mobilfunkfelder verstärken also die Ausbreitung bereits vorhandener Tumoren. Die Ergebnisse der Forscher bestätigen eine erste Studie des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin in Hannover aus dem Jahr 2010, die ebenfalls Effekte auf Tumoren in Leber und Lunge festgestellt hatte.

Doch die Bremer Wissenschaftler haben noch etwas Neues herausgefunden: Auch bei Strahlungsstärken unterhalb der für Menschen geltenden Grenzwerte haben sie deutliche Effekte gefunden. „Die Ganzkörpergrenzwerte bei Menschen liegen bei 80 Milligramm pro Kilogramm. Wir haben Effekte bereits bei der Hälfte der Strahlung festgestellt“, so der Biologe. Auf den Menschen übertragen lassen sich die Ergebnisse so einfach nicht. Zum einen wurden die Mäuse im Labor ihr Leben lang ständig der Strahlung ausgesetzt. Zum anderen werden die inneren Organe der kleinen Tiere nach Angaben der Forscher stärker von der Strahlung erreicht als das beim Menschen der Fall ist.

Lerchl möchte die Ursachen und Wirkmechanismen der neuen Befunde nun gerne in weiteren Untersuchungen abklären. Kritiker nennen den Bremer Forscher auch einen „lautstarken Prediger der Harmlosigkeit von Mobilfunkstrahlung“, weil er diese generell für unbedenklich hält. Auch jetzt sagt der Biologe: „Dass elektromagnetische Felder Krebs verursachen, dagegen sprechen sämtliche Versuche, die auch wir durchgeführt haben.“ Dafür gebe es bislang schlicht keine Hinweise.

Die Energie solcher Felder sei zu gering, um chemische Veränderungen in Zellen vorzunehmen. Im Vergleich dazu könne die ebenfalls elektromagnetische Röntgenstrahlung sehr wohl Krebs verursachen. „Aber deren Energie ist auch viel höher.“ Trotzdem rät beispielsweise das BfS, sich nicht unnötig elektromagnetischen Feldern auszusetzen.

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