Studentisches Projekt untersucht Work-Life-Balance in Zeiten mobiler Endgeräte

Küchentisch als Arbeitsplatz

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Mobiles Arbeiten gefährdet die „Work-Life-Balance“. Davon gehen Informatikstudenten der Bremer Uni aus. Sie wollen technische Lösungsvorschläge entwickeln, die helfen sollen, Arbeit und Privates ins Geleichgewicht zu bringen.

Bremen - Von Viviane Reineking. Notebook, Tablet-PC und Smartphone sind praktische Begleiter im Privaten, sie verwandeln aber längst auch Bahnhöfe, Cafés, Balkone und Küchentische in Arbeitsplätze. Die Grenzen zwischen Job und Freizeit werden zunehmend aufgehoben, ein Gleichgewicht („Work-Life-Balance“) ist mit dem mobilen Arbeiten schwer aufrechtzuerhalten. Ein studentisches Projekt will mit neuen Softwarelösungen Abhilfe schaffen.

Wenn ständige Erreichbarkeit und Flexibilität die Grenzen zwischen Arbeitszeit und freier Zeit aufheben, können Stress und psychische Belastungen bis zum Burnout die Folge sein. Um zu analysieren, wie Menschen, die mobil arbeiten, damit umgehen, haben 14 Informatikstudenten der Uni Bremen ebenso viele Probanden eingehend nach ihrer Einschätzung und Selbstwahrnehmung befragt. Ihr Ziel: typische Reibungspunkte und Abgrenzungsprobleme der Betroffenen zu identifizieren und darauf aufbauend Grundlagen für das Programmieren technischer Lösungen zu schaffen. Die Studenten nennen es „partizipative Softwareentwicklung“ – gemeinsam mit den Nutzern neue Lösungen finden.

Ausgewählt haben die Bachelorstudenten Väter und Mütter, da diese nach ihrer Einschätzung auch im Privaten zusätzlichen Verpflichtungen ausgesetzt sind. Wissen wollten sie zum Beispiel, wann ihre Probanden „abschalten“, was sie mit arbeitsbezogenen E-Mails tun, die abends oder am Wochenende eintreffen, wie sich eine ausgeglichene Work-Life-Balance erreichen lässt und ob sie eine Art „Grenzmanagement“ entwickelt haben.

Der Fokus der Studenten liegt letztlich nicht in der Beantwortung von sozialwissenschaftlichen oder psychologischen Fragen, sondern auf der Technik: „Wir wollen sie so gestalten, dass sich Work-Life-Balance optimieren lässt“, sagt der angehende Wirtschaftsinformatiker Fabian Hüsig. Dafür haben die Studenten unter anderem Apps und Programme, mit denen die Probanden arbeiten, analysiert. Denn diese könnten laut Hüsig die Work-Life-Balance fördern – oder eben gefährden.

Um etwas über das Gleichgewicht von Arbeit und Privatleben ihrer Probanden zu erfahren, mussten diese beispielsweise in einen Stundenplan eintragen, wann sie auf der Arbeit Privates oder zu Hause Arbeit erledigen oder einen Knoten in einen Bindfaden machen.

„Das hat ihnen geholfen, sich selbst zu reflektieren“, so Hüsig. Die Betroffenen haben Programme aufgelistet, die sie gerne nutzen und deren Schwächen notiert. Hüsig und seine Kommilitonen wollen damit feststellen, welchen Anforderungen eine Softwarelösung genügen muss.

Die Ergebnisse würden nun erst einmal analysiert und zusammengefasst. Denkbar seien am Ende unterschiedliche Softwarelösungen, die helfen, mobile Arbeit, Freizeit und Familie besser in Einklang zu bringen: zum Beispiel ein Filter für ein E-Mailprogramm, so dass ab 18 Uhr Arbeitsmails herausgefiltert werden und nicht mehr zum Nutzer gelangen. Oder eine technische Lösung, mit der auf einen Knopfdruck alle arbeitsrelevanten Inhalte aller genutzten Apps und Programme abgestellt werden können.

Ideen, die Hüsig in den Sinn kommen. Ob die Zeit, die für das Bachelorprojekt vorgesehen ist, für eine Umsetzung reicht, weiß der Student allerdings noch nicht.

www.informatik.uni-bremen.de

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