Studentische Abschlussarbeit „Tür an Tür“ zeigt multimediale Porträts

Gesichter der Migration

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Die HfK-Absolventen Dennis Bücker und Imke Anna Maria Meyer porträtieren in ihrer multimedialen Abschlussarbeit acht Bremer mit ihrer unterschiedlichen Migrationsgeschichte.

Bremen - Von Viviane Reineking. Es sind Zahlen, die Besucher der Homepage empfangen, Fakten, die Aufschluss geben – über den Anteil von Ausländern in Bremer Stadtteilen, ihr Alter, ihre Abschiebung. Welche persönlichen Geschichten hinter den Daten stecken, zeigt das Studienprojekt „Tür an Tür“, multimedial aufbereitet und beispielhaft anhand von acht Porträts.

„1 670 Ausländer werden in Bremen geduldet“, heißt es zum Beispiel zu Beginn auf der Website. Und: „25,6 Prozent der Bremer haben einen Migrationshintergrund“. Die Daten, die Besucher auf der Website empfangen, stehen in starkem Kontrast zu den acht porträtierten Menschen mit ihren persönlichen Migrationsgeschichten.

Vier Monate haben die beiden Bachelorstudenten Dennis Bücker und Imke Anna Maria Meyer aus dem Studiengang „Digitale Medien“ an der Hochschule für Künste (HfK) an ihrem Bachelorprojekt gearbeitet, Informationen zusammengetragen, Menschen interviewt, fotografiert und gefilmt. Für Videodreh, Schnitt und Fotos zeichnet Meyer verantwortlich, Design und Programmierung ist Bückers Steckenpferd.

Die Idee zu ihrer Abschlussarbeit „Tür an Tür“ kam mit der Pegida-Bewegung. „In Zeiten aufkommender Fremdenfeindlichkeit wollten wir uns zum einen generell mit dem Thema auseinandersetzen“, so Meyer. „Zum anderen wollten wir schauen, was eigentlich in Bremen, vor unserer Haustür, geschieht. Wir kennen unsere neuen Nachbarn doch eigentlich kaum.“

„Tür an Tür“ ist eine Homepage nach dem Erzählformat des „Digital Storytelling“, eine interaktive Form, bei der Bilder, Text, Audio und Video miteinander verschmelzen. Auf diese Weise zeigen die beiden 26-jährigen Absolventen Porträts von Menschen, die in Bremen eingewandert sind – aus den unterschiedlichsten Gründen. Von der Ärztin Dania, die mit ihrem Mann aus Mexiko kam und jetzt an einem Aus- und Weiterbildungsprogramm für ausländische Ärzte am Klinikum Bremen-Mitte teilnimmt. Von der früheren Gastarbeiterin Sofia, die aus Griechenland nach Bremen reiste und nun in einem Altenheim lebt. Und von dem Italiener Giuseppe, der 1978 in Deutschland Urlaub machte – und blieb, weil es ihm hier so gut gefiel.

Bücker und Meyer sind über Bremer Projekte und Vereine zu den einzelnen Personen gekommen. Sie wollten mit den Protagonisten verschiedene Lebensbereiche abdecken. „Denn den typischen Einwanderer in ein typisches Deutschland gibt es nicht“, so Bücker.

Es ist keine sozialwissenschaftliche Arbeit, als Mediengestalter haben die beiden vielmehr ihre subjektiven Erfahrungen und Erlebnisse im Projekt festgehalten. Am Ende steht ein abwechslungsreicher Zugang zu den Geschichten von Menschen mit Migrationshintergrund, angereichert mit filmischen Episoden, Tonaufnahmen, nachskizzierter Flüchtlingsroute und Familienfotos.

Besonders beeindruckt hat Imke Meyer das Treffen mit dem 55-jährigen Samir, der in mehreren Etappen mit seiner Familie aus Syrien geflüchtet ist und momentan in einer Asylunterkunft in Walle lebt. „Er strahlt so viel Zuversicht aus. Zugleich war es schwer, mit ihm über seine schwierige Reise und die Strapazen zu sprechen, die er auf sich genommen hat, um hierher zu kommen. Noch beim Schneiden des Filmes hat mich seine Geschichte tief bewegt.“ Beeindruckt sind die beiden auch von der Offenheit und dem Vertrauen, das ihnen in den Gesprächen entgegengebracht wurde.

Eine Ausstellung zum Projekt „Tür an Tür“ ist bis Donnerstag, 6. August, von 12 bis 17 Uhr (außer am Wochenende) im Erdgeschoss der Bürgerschaft, Am Markt 20, zu sehen.

www.tür-an-tür.de

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