Bremer Familie baut 74 Appartements in der Neustadt

Studenten statt Kühe

Sie stehen hinter dem Bremer Projekt „Studentshouse“: Andreas (l.) und Gerhard Windler. Letzterer wurde auf dem Bauernhof geboren, seine Kinder wuchsen ebenfalls dort auf. 
Foto: WINDLER/RATHKE
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Sie stehen hinter dem Bremer Projekt „Studentshouse“: Andreas (l.) und Gerhard Windler. Letzterer wurde auf dem Bauernhof geboren, seine Kinder wuchsen ebenfalls dort auf. Foto: WINDLER/RATHKE
  • Steffen Koller
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Bremen – Studenten statt Kühe, Appartements statt Stall: Wo einst 80 Vierbeiner in einem Hinterhof in der Neustadt gehalten wurden, entstehen derzeit 74 Wohnungen für Studenten. Der Bremer Familie Windler gehört der ehemalige Bauernhof mitten in der Stadt. Und da ein Verkauf des Grundstücks nie infrage kam, musste eine andere Idee her. Eine Idee, die Erfolg zu versprechen scheint: 33 Appartements sind bereits vermietet.

Butter, Käse, Molke

Güllewagen, Traktoren, das Muhen der Kühe: Als vor mehr als 14 Jahren noch Dutzende von Tieren in einem Hinterhof an der Ottostraße den Grundstoff für Butter, Käse und Molke lieferten, hätte wohl kaum jemand gedacht, dass 2020 an derselben Stelle ein Studentenwohnheim entstehen wird. Doch genauso ist es nun gekommen. Zwei Gebäude, etwa 15 Meter hoch, das eine mit drei Geschossen, das andere fünfstöckig, erheben sich auf dem mehr als 1 600 Quadratmeter großen Grundstück. Sandsteinfarbene Klinkerwände zieren die Außenhaut der Häuser, im Inneren Hightech statt Stallgeruch. Insgesamt 74 Wohnungen sollen bis November dieses Jahres bezugsfertig sein, 33 von ihnen im hinteren Gebäude zur Kantstraße sind bereits zum 1. Juli soweit, sagt Gesellschafter Andreas Windler (44).

Familienidee

Zusammen mit seinem Vater Gerhard Windler (70), der ebenfalls als Gesellschafter fungiert, und Schwester Rebecca Windler (26), die für die Vermarktung zuständig ist, entwickelte die Familie die Idee für das „Studentshouse“, so der offizielle Name des Wohnheims. Vor etwa sechs Jahren begannen die Windlers mit ersten konkreten Planungen, dem Abriss des 1903 errichteten Hauses sowie dem Neubau. Im Mai 2014 legte Andreas Windler der Baubehörde erstmals einen detaillierten Plan vor – allein vier Jahre habe es gedauert, bis die Familie überhaupt das Baurecht erhielt, erinnert sich der 44-Jährige. Mehrere Tonnen Schutt mussten weg, alte Wohngebäude sowie Laufstall, Kühlräume und Heulager abgerissen werden. Jetzt prägen Handwerker, schwere Maschinen und ein Kran die Szenerie – und bald Menschen, deren Durchschnittsalter bei rund 22 Jahren liegt.

Nachdem das dreigeschossige Gebäude im hinteren Bereich vollständig reserviert und zur Hälfte bereits vermietet sei, so Andreas Windler, sollen bis Anfang Oktober weitere 44 Appartements im vorderen Gebäude samt Solaranlage einziehen. Im Eingangsbereich gesellt sich zum Pförtnerbereich eine Paketstation. Außerdem plant Andreas Windler, hauptberuflich Geschäftsführer von „Jacobs Douwe Egberts“ (JDE), eine Kaffeebar. Die Größe der Appartements variiert zwischen 17 und 45 Quadratmetern, jedes davon ist mit einem Bett, voll funktionsfähiger Küche, Duschbad und Internet ausgestattet. Hinzukommen insgesamt 13 Parkplätze im Innenhof.

Grüne Oase in Bremen

Außerdem wird das Drumherum zu einer „grünen Oase“, so Andreas Windler: Hauswände, Mauern, Gehwegeinfassungen – alles soll bepflanzt werden. Mindestens ein Viertel der Grundstücks- und Häuserflächen wird grün, sagt er. Das Wohnheim, in das die Investoren nach Angaben von Andreas Windler „viele Millionen“ gesteckt haben, heißt zwar „Studentshouse“, wird aber nicht nur diese beherbergen. Rund ein Drittel der Bewerber seien Azubis, Praktikanten und Berufsschüler. Ganz bewusst habe man deshalb den Werbeslogan „Appartements für Deine beste Zeit“ auf der Homepage platziert. Um dieses Versprechen auch einhalten zu können, werde nicht nur ein Automat mit den typischen Studentenutensilien wie USB-Sticks und Textmarker im Flur aufgestellt, sondern auch eine digitale Waschlösung installiert. Über eine App können die Bewohner ihre Waschzeiten eintragen – lästiges Anstehen an der Waschmaschine soll es nicht mehr geben.

Trotz aller Widrigkeiten – unter anderem hatten Anwohner Kritik geübt – blicken die Windlers positiv auf ihr Projekt. „Am Ende des Tages“, so Andreas Windler, „war es die richtige Entscheidung.“

Von Steffen Koller

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