Studenten entwerfen Schiff zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer

Hoffnungsschimmer auf See

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Über eine Rettungszone („Rescue Zone“) an Steuerbord können bis zu 300 Flüchtlinge sicher an Bord der „Nausikaa“ geholt werden. Die Studenten haben das Schiff so entworfen, dass sie dort medizinisch versorgt werden können. Grafik: Hochschule Bremen

Bremen - Von Viviane Reineking. Während immer mehr Menschen aus Afrika und Syrien auf dem Wasserweg nach Europa ihr Leben riskieren und in der EU kontrovers über Flüchtlingspolitik diskutiert wird, haben sich Masterstudenten der Hochschule Bremen ganz praktisch mit der Rettung der Bootsflüchtlinge auseinandergesetzt.

Allein im vergangenen Jahr kamen der internationalen Hilfsorganisation „Save the Children“ zufolge rund 17000 Flüchtlinge über das Meer nach Europa. Mehr als 3000 haben weiteren Angaben nach dabei ihr Leben verloren. Durch die erneute Flüchtlingskatastrophe vor der Küste des bürgerkriegsgeplagten Libyen am vergangenen Sonntag, bei der laut der Organisation bis zu 400 Menschen ertrunken sein könnten, erhält das Abschlussprojekt der Studenten des Studiengangs Schiffbau und Meerestechnik traurige Aktualität.

Für eine fiktive Nicht-Regierungsorganisation entwarfen sie zwei Schiffe zur Suche und Rettung von Bootsflüchtlingen, die zusätzlich einen alternativen Zweck erfüllen können. „Die besondere Herausforderung war es, dass sich die Studenten intensiver mit politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen beschäftigen mussten“, sagt Prof. Andreas Kraus. So trieb die Studenten die Frage um, wohin man die geretteten Flüchtlinge bringen könne. Barth: „Wir mussten uns auch fragen: Werden wir dort gar als Schleuser angesehen?“

Nach einem Mädchen aus der griechischen Mythologie, das den schiffbrüchigen Odysseus mit Nahrung und Kleidung versorgte, hat die fünfköpfige Gruppe um Colin Barth ihren Entwurf benannt. 300 Personen kann der 94 Meter lange und 17 Meter breite Seenotrettungskreuzer an Bord nehmen. Mit seinem Containerhospital und dem bordeigenen Operationssaal könne er zusätzlich auch in entlegenen Katastrophengebieten als Krankenhausschiff eingesetzt werden.

Ausgestattet ist die „Nausikaa“ mit drei Tochterbooten, die über eine Heckwanne und Kransysteme selbst bei schwerem Seegang zu Wasser gelassen werden können. „Über eine Rettungszone in der Bordwand können die Flüchtlinge einfach an Bord genommen werden, ohne dass sie über eine Reling klettern müssen“, so Barth. In einem Empfangsraum werden die Menschen untersucht und registriert, bevor sie in Acht-Bett-Zimmern in einem Multifunktionsbereich untergebracht werden. Sogar eine Quarantänestation haben die Studenten geplant. Ausreichend sanitäre Anlagen und eine Bordküche, die bis zu 1000 Mahlzeiten am Tag zubereiten kann, befinden sich ebenso an Bord der „Nausikaa“. Eine Ausstattung, die die Patrouillenboote der Küstenwache nicht haben, wie Barth weiß – und das, obwohl die Rückfahrt von der libyschen Küste zwei bis drei Tage dauern könne.

Für einen Umbau eines bestehenden Schiffes hat sich dagegen das studentische Team um Michael Spangenberg entschieden – vor allem aus Zeitgründen, wie er sagt: „So kann man bereits nach etwa einem Dreivierteljahr statt nach eineinhalb Jahren im Dienst sein.“ Als Basis diente ein zum Forschungs- und Vermessungsschiff umgerüsteter Fischtrawler (Baujahr 1988) eines Bremer Unternehmens. „Die größte Herausforderung war es, das bestehende Schiff zu digitalisieren“, so Spangenberg. „Ray of Hope“ – „Hoffnungsschiffer“ – haben sie ihr Schiff genannt, das 71 Personen in seinen Räumen aufnehmen kann, in Ausnahmefällen sogar bis zu 550. Zwei Schnellboote können über einen speziell abgefederten Kran selbst bei höherem Seegang zu Wasser gelassen werden. Von einer auf dem Achterschiff befindlichen Plattform kann eine Drohne starten und leicht auch ein größeres Gebiet absuchen.

Mit ihren Entwürfen haben die Studenten zwar technische Lösungsmöglichkeiten für eine Rettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer geschaffen. Doch seit die Operation „Triton“ der EU-Grenzschutzagentur Frontex das italienische Rettungsprogramm „Mare Nostrum“ ablöste, heißt die Devise: Abschottung statt Hilfe. Was für die Studenten deshalb bleibt, ist die Erkenntnis: „In vielen Punkten scheitert die Rettung der Flüchtlinge am fehlenden politischen Willen.“

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