Vor 25 Jahren: Das Turbinenkraftwerk am Weserwehr wird stillgelegt

Strom verzinst Baukosten

+
Das Turbinenhaus wird abgerissen, 1987.

Bremen - Von Jörg EsserDas neue Wasserkraftwerk erzeugt seit einem knappen halben Jahr Energie – an einem historischen Standort. Am Hastedter Weserufer produzierte schon einmal – über 75 Jahre lang – ein Turbinenkraftwerk Strom. Es galt als „Technikwunder“. Vor 25 Jahren, am 19. Mai 1987, wurde es stillgelegt.

Die Weser ist seit Jahrhunderten die Lebensader der Hansestadt. Die „Unterwasserkorrektion“ des 1875 nach Bremen gelotsten Wasserbauers Ludwig Franzius gilt als Zäsur in der Flussgeschichte. Zwischen 1887 und 1895 wird die Weser auf fünf Meter vertieft. Zu wenig, die Schiffe werden immer größer. Bremen beantragt bei seinen Nachbarn Oldenburg und Preußen, den Fluss bis zur Geestemündung auf 8,50 Meter zu vertiefen. Die Unterhändler feilschen. Am 29. März 1906 werden dann drei Staatsverträge ratifiziert. In einem wird der Bau einer Wehr- und Schleusenanlage am Hastedter Weserufer festgeschrieben.

Oberbaudirektor Hermann Bücking holt den Diplom-Ingenieur Immanuel Kölle ins Team. Und der bringt den Bau eines Wasserkraftwerks am Wehr ins Spiel. Statt die Wassermassen ungenutzt über die Wehrfelder stürzen zu lassen, solle man sie durch Turbinen laufen und somit Strom erzeugen lassen. Das bringt Geld in die Staatskasse, womit sich die hohen Baukosten von 10,182 Millionen Mark verzinsen lassen. Im Sommer 1906 beginnt der Bau von Wehr, Schleusenanlage und Kraftwerk. Das erhält eine Turbinenanlage mit 16 Kammern auf einem 95 Meter langen Fundament. Die erste Turbine geht am 6. Juni 1911 in Betrieb, drei Monate später wird Strom aus dem Turbinenhaus ins städtische Energienetz gespeist.

Das Kraftwerk entpuppt sich als Erfolgsmodell. Und wird von 1915 bis 1917 ausgebaut. Eine Montagehalle entsteht als querstehender Kopfbau, der Gesamtkomplex wird auf 111 Meter verlängert. Ende des Jahres 1926 werden im Turbinenkraftwerk an der Weser rund 35 000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Der Stromverbrauch Bremens wird auf 77 000 Kilowattstunden beziffert.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs – am 22. April 1945 – greifen alliierte Fliegerstaffeln Bremen an. Etwa 100 Sprengbomben werden über den Wehranlagen abgeworfen. Zwölf Bomben treffen das Bauwerk, die Wehrkörper werden zerstört, das Dach des Turbinenhauses wird abgedeckt. Das Kraftwerk erleidet Totalschaden. Erst Ende 1949 sind Wehr und Turbinenhaus wieder saniert.

Im März 1981 durchbricht das schlimmste Hochwasser seit 1946 den Sommerdeich am Weserufer. 1,5 Millionen Kubikmeter Bodenmasse werden in den Fluss gespült, 148 Kleingärten auf dem Hastedter Bulten werden vernichtet. Auch das Wehr wird in Mitleidenschaft gezogen.

Das Hochwasser markiert den Anfang vom Ende der Anlage und des Turbinenhauses. Das Wasserkraftwerk erzeugt nur noch knapp ein Prozent des in Bremen verbrauchten Stroms. Am 4. Mai 1987 werden die Turbinen abgeschaltet, am 19. Mai 1987 wird das Turbinenhaus stillgelegt. Kurze Zeit später rollen die Abrissbagger an.

1988 erscheint im Bremer Hauschild-Verlag das 120-seitige Buch „Das Weserwerk“. Autor ist der Designer Gerhard Sell. Es kostet heute 15 Euro.

http://www.hauschild-werbedruck.de

Das könnte Sie auch interessieren

Feuerwehr-Übung in Heiligenfelde

Feuerwehr-Übung in Heiligenfelde

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Martfelder Weihnachtsmarkt

Martfelder Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmarkt in Daverden

Weihnachtsmarkt in Daverden

Meistgelesene Artikel

19-Jähriger nach Streit geschlagen, getreten und ausgeraubt

19-Jähriger nach Streit geschlagen, getreten und ausgeraubt

Kollision mit einem Baum: 29-Jähriger verletzt

Kollision mit einem Baum: 29-Jähriger verletzt

Zwei Gruppen geraten im Bremer Steintor in Streit - 22-Jähriger verletzt

Zwei Gruppen geraten im Bremer Steintor in Streit - 22-Jähriger verletzt

42-Jähriger mit Messer schwer verletzt - Not-OP

42-Jähriger mit Messer schwer verletzt - Not-OP

Kommentare