Ausstellung zum Kongress

Stress im Riff: Korallen im Bremer Übersee-Museum

Räuber im Riff – in tropischen Korallenriffen leben auch natürliche Jäger wie beispielsweise Zackenbarsche und Haie. Werden sie aus dem Riff herausgefischt, kann das ökologische Gleichgewicht dort in Gefahr geraten.
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Räuber im Riff – in tropischen Korallenriffen leben auch natürliche Jäger wie beispielsweise Zackenbarsche und Haie. Werden sie aus dem Riff herausgefischt, kann das ökologische Gleichgewicht dort in Gefahr geraten.

Bremen – Eine Fotowand mit Aufnahmen aus der Zeit seit 1975 führt es vor Augen, das ganze Dilemma – wirken die abgebildeten Korallenriffe anfangs noch kräftig und bunt, sind sie vier Jahrzehnte später leblos und bleich. Die Korallenriffe, sie sind vielfältig, verletzlich, womöglich auch verloren.

Die drei Begriffe mit „v“ bilden den Untertitel der neuen Ausstellung „Korallenriffe“, die das Übersee-Museum ab jetzt und bis zum 10. Juli 2022 zeigt. 2022? Eine lange Laufzeit, die ihren Grund hat. Bremen sollte eigentlich schon im vorigen Jahr Austragungsort des internationalen Korallenriff-Symposiums (ICRS) sein, das etwa 2 500 Wissenschaftler, Riffmanager und Entscheidungsträger zusammenbringt. Erstmals sollte dieser Kongress nach Europa kommen, was Bremens Status als Meeresforschungsstandort unterstreicht. Doch Corona machte den Organisatoren den sprichwörtlichen Strich durch die Rechnung.

Als Ausgleich lädt Bremen nun gleich doppelt zum ICRS ein – in diesem Jahr (18. bis 23. Juli) virtuell, im nächsten Jahr (3. bis 8. Juli 2022) dann in echt im Congress Centrum. Und wenn all die Korallen-Experten kommen, soll die Ausstellung im Übersee-Museum natürlich noch zu sehen sein.

Bremen wird zum Zentrum der Korallenforschung

Dr. Michaela Grein vom Übersee-Museum hat sie gemeinsam mit Dr. Götz Bodo Reinicke vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund und Heinz Krimmer vom ICRS-Team kuratiert. Die Ausstellung zeigt Bedeutung, Schönheit und Wert der Korallenriffe, beschäftigt sich mit deren Gefährdung und auch mit Schutzmöglichkeiten. Sie ist an zwei Orten im Museum zu sehen – in der Ozeanien-Abteilung (Lichthof) und im Kabinett im zweiten Stock.

Tropische Fische wie der Imperator-Kaiserfisch werden oft mit Flaschen-Sprengsätzen gefangen. Die Methode trägt zum Korallensterben bei.

Besucher können buchstäblich eintauchen in die bunte Welt der Korallen – es gibt eine meterlange Riff-Nachbildung, ein interaktives Korallenriff sowie Modelle, die den Blick auf Details lenken. „Etwa 500 Millionen Menschen auf der Welt sind – direkt oder indirekt – von Korallenriffen wirtschaftlich abhängig“, sagt Grein. Korallenriffe dienen Meerestieren als „Kinderstube“ und Küsten als Schutz – sie können die Wellenenergie um 97 Prozent und die Wellenhöhe um 84 Prozent reduzieren. Und die Riffe dienen der Medizin. Wissenschaftler finden hier Wirkstoffe zum Beispiel für die Entwicklung von Medikamenten gegen Aids, Alzheimer und Krebs.

Aber die so schönen wie nützlichen Riffe sind in Gefahr – wegen des Klimawandels. Ihr Ausbleichen etwa ist „eine Stressreaktion auf höhere Wassertemperaturen“, so Grein. Der Klimawandel „im Zeitraffer“ sei für die Riffe zu schnell, um sich anzupassen. Meeresverschmutzung, Überfischung, Massentourismus tragen ebenfalls zum Korallensterben bei. Weltweit sind etwa 30 Prozent der Riffe verloren, 40 Prozent gelten als teils stark gefährdet. Umweltschützer reagieren mit Wiederbesiedelungs- und Restaurierungs-Projekten. Zudem gibt es Korallenarten, die besser als andere mit höheren Wassertemperaturen und saurerem Meerwasser klarkommen. Doch die Riffe brauchen Hilfe, um gerettet zu werden, sagen die Experten.

Neue Öffnungszeiten im Bremer Übersee-Museum

Das Übersee-Museum öffnet am Freitag, 21. Mai, wieder. Die neuen Zeiten: dienstags bis freitags 9 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags 10 bis 17 Uhr. Pfingstmontag ist das Haus ebenfalls offen (10 bis 17 Uhr). Es dürfen sich jeweils 100 Besucher zur gleichen Zeit in dem großräumigen Museum aufhalten. Im gesamten Museum gilt eine Maskenpflicht. Ein Besuch ist nur mit telefonischer Anmeldung möglich  – täglich in der Zeit von 10 bis 17 Uhr unter 0421/160 38-555.

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