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Strenger Backsteinbau in der Bremer Neustadt

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Von: Thomas Kuzaj

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Der Blick auf die Straße St.-Pauli-Deich heute. Fast genau da, wo einst die St.-Pauli-Kirche stand, wurde 1997 eine Altenwohnanlage gebaut.
Der Blick auf die Straße St.-Pauli-Deich heute. Fast genau da, wo einst die St.-Pauli-Kirche stand, wurde 1997 eine Altenwohnanlage gebaut. © Kuzaj

Bremen – St. Pauli? Das gibt es nicht nur in Hamburg. In der Bremer Neustadt zum Beispiel steht die St.-Pauli-Kirche. In der Nachbarschaft des Neuen Markts ist sie dort zu finden. Es handelt sich um den Nachfolgebau der früheren St.-Pauli-Kirche. Die stand ebenfalls in der Neustadt, aber an anderer Stelle. Heute ist sie verschwunden – und damit Thema unserer gleichnamigen Serie.

Am Ufer der Kleinen Weser war sie in den Jahren 1679 bis 1682 in der damals tatsächlich noch neuen Neustadt gebaut worden, die St.-Pauli-Kirche – ein geradezu calvinistisch strenges, nahezu schmuckloses und schlichtes Backsteingebäude an der Osterstraße. So stand der nüchterne Kirchenbau dort über Jahrhunderte.

Bis der Zweite Weltkrieg kam. Am 6. Oktober 1944 brannte die St.-Pauli-Kirche nach einem Luftangriff praktisch vollkommen aus. Erhalten geblieben ist die Kanzel der zerstörten Kirche. Sie steht heute in der Kirche in Borgfeld. Warum aber wurde die St.-Pauli-Kirche nicht an dieser Stelle neu errichtet – hier, direkt am Tor zur Neustadt? Nun, über das frühere Kirchenareal führt die Achse der 1960 fertiggestellten „Großen Weserbrücke“.

Gottesdienste im Gemeindezentrum

Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin war diese Brücke, die auch mit Blick auf den wachsenden Kraftverkehr geplant wurde, nicht mehr zum Marktplatz hin ausgerichtet. Sie rückte 40 Meter weiter, so dass die von ihr ausgehende Straßenführung nicht direkt ins Zentrum traf, sondern die Innenstadt im Bereich von Balgebrückstraße und Domsheide erreichte. In Gedenken an Bremens Nachkriegs-Bürgermeister heißt die „Große Weserbrücke“ seit 1980 Wilhelm-Kaisen-Brücke.

Und die St.-Pauli-Gemeinde? Sie feierte ihre Gottesdienste nach dem Krieg an Ausweichplätzen, bis sich mit dem Grundstück am Neuen Markt ein neuer Standort gefunden hatte. Dort entstand 1956 zunächst das Gemeindezentrum, in dem die Gemeinde dann ihre Gottesdienste feierte, bis im Jahr 1967 nach Entwürfen des Architekten Jan Noltenius die neue St.-Pauli-Kirche gebaut wurde.

Doch noch einmal 100 Meter zurück ans Ufer der Kleinen Weser, wo der Straßenname St.-Pauli-Deich noch heute den Gemeindenamen in sich trägt. An dieses Ufer führte in früheren Zeiten auch eine hölzerne Fußgängerbrücke, die von den Bremern „Pfennigbrücke“ genannt wurde.

Bremer Zigarrenmacher auf der „Pfennigbrücke“

Anno 1894 war die kleine Brücke gebaut worden. Ein Unternehmer hatte sie errichten lassen, damit Arbeiter ohne große Umwege über die Kleine Weser in seine Zigarrenfabrik kommen konnten, die am Buntentorsteinweg lag. Natürlich kostete das etwas. Wer die Brücke überquerte, musste dafür einen Pfennig zahlen – daher der Name „Pfennigbrücke“. Die kleine Brücke verschwand 1903. In jenem Jahr nämlich spannte die Stadt Bremen die St.-Pauli-Brücke über die Kleine Weser, so dass die Zigarrenmacher sich den Pfennig sparen konnten.

St.-Pauli-Kirche und „Pfennigbrücke“ auf einer historischen Ansichtskarte.
St.-Pauli-Kirche und „Pfennigbrücke“ auf einer historischen Ansichtskarte. © Archiv

Apropos Zigarrenmacher – im 19. Jahrhundert war Bremen zum Zentrum des deutschen Tabakimports geworden. Parallel dazu setzten Zigarren sich mehr und mehr durch (auch als bürgerliches Statussymbol). Um 1820 herum begann die Zeit der groß angelegten Zigarrenherstellung in Bremen – oft in Kleinstbetrieben, in ärmlichen Verhältnissen und unter prekären Bedingungen.

Im Buntentor lag der Mittelpunkt der bremischen Zigarrenproduktion. Am Buntentorsteinweg (Ecke Kirchweg) erinnert heute eine bronzene Skulpturengruppe an die Zigarrenmacher-Zeiten in der Neustadt. Die 1984 aufgestellte Arbeit des Künstlers Holger Voigts zeigt fünf Halbfiguren. Auch Text ist zu lesen: „Um 1850 war jeder sechste Bremer in der Zigarrenindustrie tätig“, steht dort. Und: „Ein Zigarrenmacher musste bis zu 1.000 Zigarren am Tag machen.“

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