Studie der Arbeitnehmerkammer: Zunahme von Teilzeitstellen und Lohndruck

„Streitthema Ladenschluss“

Bremen - Shopping rund um die Uhr und an Sonntagen – in der kommenden Woche will die Bürgerschaft ein neues Ladenschlussgesetz beschließen und damit die Freigabe der Öffnungszeiten an Werktagen dauerhaft festschreiben sowie eine feste Zahl an Sonntagsöffnungen ermöglichen. Die Arbeitnehmerkammer dagegen empfiehlt auf Grundlage einer Studie eine Einschränkung der Ladenschlusszeiten.

Wie haben sich die flexiblen Öffnungszeiten in den vergangenen Jahren ausgewirkt? „Leider stellen wir fest, dass vor allem die Anzahl an Teilzeitstellen deutlich zugenommen hat und der Anteil der Minijobs immer noch zu hoch ist“, fasst Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, die Ergebnisse der Studie „Streitthema Ladenschluss“ zusammen. „Das Ladenschlussgesetz führt zu Verdrängungseffekten und trägt dazu bei, dass sich der Druck auf die Löhne weiter erhöht.“

Zwar seien in Bremen und Bremerhaven seit 2007 Arbeitsplätze im Einzelhandel entstanden. Allerdings vergleichsweise wenig, wie es heißt: In den vergangenen Jahren sind nicht nur die Öffnungszeiten, sondern auch die Verkaufsflächen durch das „Mediterraneo“ in Bremerhaven und die „Waterfront“ in Gröpelingen erweitert worden.

In Bremen stieg die Beschäftigung zwischen 2007 und 2010 um 2,8 Prozent auf 15 000 an. Allerdings konzentrierten sich diese Zuwächse ausschließlich auf Teilzeitstellen, während die Vollzeitbeschäftigung immer weiter zurückgehe. Dies sei vor allem deshalb problematisch, weil es sich hierbei um eines der Haupt-Beschäftigungsfelder für Frauen handele.

Rund drei Viertel der Beschäftigten im Einzelhandel im Land Bremen sind den Angaben nach weiblich. Auch in Bremerhaven fiel der Zuwachs den Angaben nach eher niedrig aus: Seit 2007 wurden 151 neue Arbeitsplätze geschaffen – ein Zuwachs von 4,53 Prozent. Auch hier konzentriere sich der Beschäftigungszuwachs überwiegend auf Teilzeitstellen.

Längere Öffnungszeiten lohnen sich der Kammer zufolge nur für große Märkte oder solche, die über eine besonders günstige und flexible Personalstruktur verfügen. Um Umsatzverluste zu vermeiden, würden aber häufig auch andere Einzelhändler nachziehen. Zur Abdeckung der Spätöffnungszeiten werde auch auf Leiharbeiter und Fremdfirmen zurückgegriffen.

Die Arbeitnehmerkammer empfiehlt eine erneute Einschränkung der Ladenschlusszeiten – wie derzeit in Nordrhein-Westfalen diskutiert. Denn die zunehmende Prekarisierung in dieser Branche kann laut Arbeitnehmerkammer langfristig sehr teuer werden, weil es immer weniger Menschen – vor allem Frauen – möglich sei, ein existenzsicherndes Einkommen zu erarbeiten. Helfen würden unter anderem ein gesetzlicher Mindestlohn und niedrigere Verdienstgrenzen beziehungsweise eine Einschränkung der Arbeitszeit bei Minijobs.

Sofern es nicht gelänge, von den längeren Ladenöffnungszeiten abzurücken, müssten die Arbeitszeitgesetze an die Entwicklungen in der Spät- und Nachtarbeit angepasst werden. Außerdem könne ein Qualitätssiegel für Unternehmen, die ihre Beschäftigten nach Tarif bezahlen und ausbilden, und die Aufnahme in einen „Einkaufsführer für faire Arbeit“ nach Hamburger Vorbild aufgenommen werden. · vr

http://www.arbeitnehmerkammer.de

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