Straßennamen erzählen Geschichten (404): Der Altenweg und ein Ausflug in die Tage der Reformation

Streitigkeiten und Glaubensfragen

Kreiszeitung Syke

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Von der Hankenstraße bis ausgerechnet zur Neuenstraße führt – der Altenweg. Anno 1518 war es, als die Stephanigemeinde der Stadt Bremen Land verkaufte – Land, das zwischen der Faulenstraße und dem Wall lag.

Eine neue Straße entstand hier – die Neuenstraße. Der Altenweg war einer der älteren Wege von der Altstadt in die Steffensstadt, in das Stephaniviertel. Dieses Quartier war erst im Jahr 1305 in den Bereich der Bremer Stadtmauer einbezogen worden.

Doch noch einmal ins Jahr 1518. Es war das Jahr, in dem der Bremer Bürgermeister Johann Esich geboren wurde, der bis 1578 lebte und in Braunschweig starb. Esich war der Spross einer Familie, aus der mehrere Ratsherren hervorgegangen waren und auch Elterleute. Das waren in jenen Zeiten die Sprecher der Kaufmannschaft.

Johann Esich selbst wurde im Jahr 1555 Ratsherr – und fünf Jahre später, 1560, Bürgermeister. Er galt als Lutheraner. Es waren die Jahrzehnte der Reformation, die anno 1522 nach Bremen gekommen war.

In der Ansgariikirche, nur zwei oder drei Gehminuten vom Altenweg entfernt, hatte der Augustinermönch Heinrich von Zütphen (1488 bis 1524), soeben aus Antwerpen verjagt, gepredigt, nachdem einige Angehörige der bremischen Oberschicht ihn darum gebeten hatten. Es gab natürlich einen Skandal, nachdem Heinrich von Zütphen in der Hansestadt Luthers Ideen verbreitet hatte. Der Erzbischof forderte den Rat schließlich auf, von Zütphen auszuliefern. Der Rat forderte zunächst eine theologische Widerlegung, lieferte den Mönch aber nicht aus.

„Rat und Bürgerschaft stellten sich vor Bruder Heinrich“, schreibt der Historiker Herbert Schwarzwälder in seinem „Großen Bremen-Lexikon“ (Edition Temmen). Und weiter: „Die Befestigungsanlagen wurden verbessert, denn man befürchtete einen militärischen Angriff des Erzbischofs. In Bremen entwickelte sich eine Klosterfeindlichkeit, die zur Schließung des Katharinen-, Johannis- und Paulsklosters führte.“

Mit anderen Worten: Bremen veränderte sich, und das recht deutlich. Nie wieder sollte die Stadt sein wie zuvor. Die reformatorischen Ideen, sie blieben. Evangelische Prediger setzten sich nun durch. Heinrich von Zütphen hatte Bremen Ende 1524 verlassen, um sein reformatorisches Werk in Holstein fortzusetzen. Dort starb er einen Märtyrertod – er wurde in der Nacht überfallen, gefoltert und als Ketzer verbrannt.

Einige Jahrzehnte später, als der Lutheraner Esich Ratsherr wurde, stritten sich Anhänger des reformierten Glaubens mit den Lutheranern. Es war, wie es in Glaubensfragen immer ist: man stritt erbittert. Die Reformierten hatten auch viele Anhänger in den unteren Gesellschaftsschichten. Und im Dom predigte der reformierte Theologe Albert Rizäus Hardenberg (um 1510 bis 1574), verbreitete dort die Einflüsse von Zwingli und Melanchthon. Im Zuge der Streitigkeiten um die richtige Glaubensrichtung verließen einige Bürger und Ratsherren Bremen. Auch Bürgermeister Esich, der strikte Lutheraner, ging. In der Karwoche 1562 zog er nach Braunschweig – ein Protest gegen die Reformierten im Rat der Stadt.

Selbst die Hanse beschäftigte sich mit den unruhigen Zeiten in Bremen. Die Stadt wurde „verhanst“, was bedeutet: sie wurde zur Strafe aus der Hanse ausgeschlossen. Der Rest ist Geschichte. Heute ist Bremen längst (und mit Stolz) „Freie Hansestadt“. Obwohl es die Hanse ja schon lange gar nicht mehr gibt. Aber den Altenweg, den gibt es noch.

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