Deutsche Seemannsmission verabschiedet Generalsekretär Hero Feenders in den Ruhestand

Streitbarer „Bischof“ der Seeleute

Bremen - BREMEN (epd) Alte Geschichten von den „Seebären“, die an jeder Küste eine Braut haben, sind nichts für Hero Feenders. Der gebürtige Ostfriese weiß, dass die Seefahrerromantik, die einst Lale Andersen (1905–1972) in ihrer „Blauen Nacht am Hafen“ besang, längst vorbei ist.

„Die Liegezeiten beim Umschlag sind kurz, der Stress an Bord enorm“, sagt der scheidende Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission in Bremen. Sechs Jahre hat der 62-jährige evangelische Theologe als „Bischof der Seeleute“ für die Würde der Menschen an Bord gekämpft. Jetzt wurde er verabschiedet.

„Der Umschlag der Container wird ständig beschleunigt“, sagt Feenders, der zuletzt auch Vorsitzender des Dachverbandes der Internationalen Christlichen Seemannsmissionen ICMA war. „Die Fahrpläne sind so eng gestrickt, dass das Umfahren eines Sturmtiefs fast schon einem Verbrechen gleichkommt, weil der Druck so groß ist.“

Für ihn ist deshalb klar, was die Deutsche Seemannsmission auch zukünftig in ihren 17 Auslandsstationen und darüber hinaus die ICMA weltweit mit fast 1 000 Seelsorgern in 526 Zentren leisten muss: „Seeleute begrüßen, besuchen, beraten und begleiten – das sind unsere Aufgaben.“

Die Clubs der Seemannsmissionen sind fern der Heimat für Schiffsbesatzungen im hochtechnisierten Alltag der Hafenlogistik ohnehin einziger Anlaufpunkt und so etwas wie ein „Club der einsamen Herzen“. Hier können Seeleute per Internet und Telefon Kontakt zur Familie aufnehmen. Das hat Feenders, der selbst aus der Hafenstadt Emden stammt, schon im Amt als Bremer Seemannspastor erlebt, das er 1994 übernahm.

Zuvor studierte er in Marburg, Zürich und Göttingen Theologie. Nach der Universität arbeitete er in der evangelischen Auslandsgemeinde im schwedischen Malmö. Nach Pfarrstellen im Emsland und in Sottrum kam er nach Bremen.

„Seeleute sind Menschen in extremen Arbeitssituationen, die sofort aus den Augen geraten, wenn das Schiff ablegt“, betont Feenders. Auch deshalb arbeitet er an einer weltweiten Notfallseelsorge für die Schiffs-Besatzungen, die Opfer von Piratenüberfällen geworden sind. Bislang wurden die entführten Schiffe gegen ein Lösegeld freigelassen, die Crews kamen meist äußerlich unversehrt nach Hause zurück. „Spätestens dann erlischt das öffentliche Interesse“, kritisiert Feenders.

Der Ostfriese musste erhebliche Kürzungen kirchlicher Zuschüsse verkraften, erschloss aber auch neue Finanzierungsquellen durch Spenden und Sponsoring. Nach seinem Abschied wartet auf die Deutsche Seemannsmission eine Zeitenwende: Mit Heike Proske (47), zuletzt Seemannspastorin im westafrikanischen Lomé, übernimmt zum 1. Juli erstmals eine Frau das Amt, um sich über Ozeane hinweg mit Hand und Herz für Seeleute einzusetzen.

WWW.

seemannsmission.org

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