Streit um Wall und Martinistraße

Bremer City: Handelskammer sorgt sich um Anbindung an die Region

Der Tiefer-Tunnel (hier Richtung Martinistraße) soll „weiterhin als Straßenverbindung“ dienen, fordert die Bremer Handelskammer. Verkehrsplaner sehen in der Unterführung einen möglichen Standort für ein Fahrradparkhaus.
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Der Tiefer-Tunnel (hier Richtung Martinistraße) soll „weiterhin als Straßenverbindung“ dienen, fordert die Bremer Handelskammer. Verkehrsplaner sehen in der Unterführung einen möglichen Standort für ein Fahrradparkhaus.

Einstimmig hat die Handelskammer beschlossen, was sie von Bremens Verkehrs-Plänen hält. Die Kammervertreter fürchten um die Anbindung der Bremer Innenstadt ans Umland. Bleibt die City erreichbar? Was wird aus der Martinistraße?

Bremen – „Bremen sollte die Chance wahrnehmen, mit einer intelligenten Verkehrsplanung für die gesamte Region zu glänzen, die einerseits mehr Menschen – gerade auch aus einem weiteren Einzugsgebiet – in die Stadt bringt und andererseits das Ziel einer nachhaltigen und umweltgerechteren Innenstadtentwicklung erfüllt.“ Schöne Worte, die nicht aus dem Verkehrsressort kommen, sondern von der Handelskammer.

Die Kammer hat sich am Donnerstag einmal mehr in die Diskussionen um Verkehrspolitik und Innenstadtentwicklung eingeschaltet. Während das Verkehrsressort von Senatorin Maike Schaefer (Grüne) noch bis Ende April eine Online-Umfrage zur Verkehrsplanung bis 2030 laufen lässt, hat das Plenum der Handelskammer eine Stellungnahme zur Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans 2025 beschlossen – einstimmig, wie es anschließend hieß.

Und blickt dabei über Bremens Grenzen hinaus. So heißt es in dem Papier in aller Deutlichkeit: „Die Konkurrenzsituation zu den gerade für Pkw-Kunden attraktiven Shopping-Centern am Stadtrand und im niedersächsischen Umland darf nicht außer Acht gelassen werden.“

Kammer: Bremer City muss erreichbar bleiben – auch für Autofahrer

Und jetzt kommt‘s: „Hierfür sprechen insbesondere auch ökologische Aspekte. Andere Verkehrsströme zu Zielen an der Peripherie führen zur Zersiedelung und höheren Verkehrsemissionen. Daher ist die Erreichbarkeit der Innenstadt insgesamt zu verbessern.“ Alle Mobilitätsformen – sprich: auch der Autoverkehr – müssten deshalb in Bremen „komfortable Gegebenheiten“ vorfinden.

„Insbesondere muss die Anbindung der Region an das Oberzentrum durch den Erhalt der verkehrlichen Leistungsfähigkeit der wichtigsten Zugangsstraßen gesichert werden“, heißt es in dem Papier. Die Kammer werde keinen Verkehrsentwicklungsplan mittragen, der „diese unverzichtbaren Innenstadtzufahrten in ihrer verkehrlichen Leistungsfähigkeit einschränkt“. Genau das ist aber geplant. So sollen Fußgänger und Radfahrer in der Friedrich-Ebert-Straße (Neustadt) mehr Platz bekommen – auf Kosten des Autoverkehrs. Der Wall müsse zweispurig bleiben, fordert die Kammer. Er dürfe ebenso wenig zur Einbahnstraße werden wie die Martinistraße.

Wall und Martinistraße: Kammer lehnt Einbahn-Regelungen ab

Theaterbühne und Märkte, Surf- und Wasserspiele und zeitweilige Sperrungen, Skaterflächen und vier Aussichtstürme: Die 1,3 Millionen Euro teure provisorische Umgestaltung der 800 Meter langen Martinistraße im Rahmen des „Aktionsprogramms Innenstadt“ sorgt weiter für Diskussionen. Dieser Tage wurden Anwohner über die Ideen informiert, die ab dem Sommerferienbeginn Mitte Juli umgesetzt werden sollen und von denen viele bereits in einem digitalen Workshop im Februar genannt worden waren.

Die Martinistraße soll zunächst zweispurig werden – und testweise auch zur Einbahnstraße.

„Grundsätzlich soll der Martinistraße der trennende Charakter zwischen Innenstadt und Weser genommen werden, um die Aufenthaltsqualität im gesamten Innenstadtbereich zu erhöhen. Hierfür soll das Verkehrsaufkommen reduziert, der vorhandene Straßenraum neu verteilt und die Querungsmöglichkeiten deutlich verbessert werden“, heißt es in einer Deputationsvorlage des Verkehrsressorts.

In der ersten Phase des einjährigen Experiments soll es noch jeweils eine Autospur pro Richtung geben – bis Januar. Danach (also: nach dem Weihnachtsgeschäft) folgt das Experiment Einbahnstraße. Damit wollen die Bremer Verkehrsplaner dem Ziel näherkommen, möglichst viel Autoverkehr aus der Martinistraße zu nehmen.

Offene Fragen in Sachen Lieferverkehr

Was aber ist dann mit dem Lieferverkehr? Wo können Lastwagen wenden, wie geht‘s in die Langenstraße, wo auch Geschäfte zu beliefern sind? Auf einige Fragen dieser Art gibt es noch keine abschließenden Antworten, es wird noch geplant. Klar ist: das Verkehrsressort will es mit der Einbahnstraße probieren – zwischen Parkhaus und Brill, wobei Fahrräder und Busse weiter in beide Richtungen fahren dürfen.

Die Erkenntnisse aus der Experimentierphase mit dem „Erlebnisraum Martinistraße“ sollen in die Pläne für eine dauerhafte Umgestaltung der Straße einfließen. Die Handelskammer sieht das kritisch. Eine „provisorische mehrmonatige Umgestaltung der Martinistraße zur Erprobung einer Einbahnstraßenregelung“ lehnt sie als „unverhältnismäßig“ ab.

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