Clowns und Großmäuler

Straßentheaterfestival „La Strada“ wird zur Massenunterhaltung für alle Sinne

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Bizarr anmutend, stehen die Skulpturen der niederländischen „Compagnie Daad“ über dem Rasen in den Wallanlagen und bieten für das Publikum eine willkommene Gelegenheit, ihre Handykameras herauszuholen.

Bremen - Von Steffen Koller. Brüllende Kinder, fliegende Bälle und Perspektivwechsel: Das 23. Internationale Festival der Straßenkünste – „La Strada“ – zog am Wochenende wieder einmal Zehntausende von Besuchern in die Innenstadt. Ob Domshof oder Wallanlagen, ob Marktplatz oder Goethe-Theater – was die insgesamt 69 Künstler aus zwölf Nationen dem Publikum boten, wurde mit viel Jubel und Komplimenten honoriert.

Leichter Nieselregen fällt am Sonnabend vom Himmel herab, die Wolken verdichten sich. Schnell die Kapuzen über die Köpfe gezogen, die Regenjacke übergestreift. Zwar weiß das Wetter zu Beginn nicht, wie es sich entscheiden soll, doch das passt irgendwie zur Show auf der Marktplatz-Bühne, die bereits eine halbe Stunde vor Beginn von mehreren hundert Besuchern umringt ist. 

Liselotte brüllt sich zum Sieg

Das Duo „Ariane & Roxana“ schleicht auf das Parkett, im Hintergrund scheint das Haus der Bürgerschaft wie ein Riese über die beiden zu wachen. So wechselhaft das Wetter, so unterschiedlich die Charaktere der Frauen: Die eine schüchtern, die andere chaotisch. Doch was am Ende dabei rauskommt, fasziniert. „Play Nice“ heißt ihre Performance, die kurz als Fußjonglage bezeichnet werden kann. Vier Hände und vier Füße werfen Bälle durch die Luft, beide Frauen verrenkten sich, dass schon der Anblick etwas schmerzt. Ihre Nummer ist präzise, fragil, lustig und herausragend vorgetragen.

Wer das „größte Maul“ hat, gewinnt, heißt die einfache Ansage von „Herrn Wolf“: So simpel ist das Prinzip beim „Brüllrennen“, das besonders für Trommelfell und Stimmbänder eine wahre Herausforderung darstellte.

Etwa fünf Minuten entfernt herrscht Kindergarten-Atmosphäre. Zwischen skurrilen Installationen und dem „kleinsten Escape-Room der Welt“ werden Kinder „mit einem großen Maul“ gesucht. Kinder, die richtig brüllen können, schließlich komme man so in der Welt auch zu etwas, schreit „Herr Wolf“ über die Wiese. Schnell sind vier Jungs und ein Mädchen gefunden. Gefunden, um am „Brüllrennen“ teilzunehmen. Das Prinzip: Je lauter die Kinder schreien, desto eher erreichen sie auf Dreirädern das Ziel. „Herr Wolf“ ruft erneut mit seinem holländischen Akzent in die Menge: „Wer hat hier das größte Maul?“ Da haben die meisten Kinder schon ihre dezibeltechnischen Ressourcen aufgebraucht, doch eine überflügelt alle. Die kleine Liselotte zeigt den Jungs, was Brüllen heißt und gewinnt das Rennen. Ein Riesenspaß. Ob die noch jungen Stimmbänder das auch so sehen, sei mal dahingestellt.

Und schon beginnt die Vorfreude auf die nächste Auflage

Eine internationale Künstlerschar präsentiert sich dem Publikum. Und gerade diese Vielfältigkeit kommt Jahr für Jahr aufs Neue bei den Zuschauern an. Bernd und Inge (beide 46) aus Oldenburg sagen: „Hier gibt es alles, ob Artistik, coole Clowns, verrückte Details.“ Schließlich werden sie vom Duft von Crêpes, Bratwurst und Handbrot angelockt. Auch die Studenten Christian (23), Julia und Claire (beide 22) sind „hellauf begeistert“ vom Programm. „Hier ist für alle was dabei“, sagt Julia und die französische Austauschstudentin Claire ergänzt: „So etwas Tolles habe ich selten gesehen.“

Fotos von „La Strada“ in Bremen - der Samstag

Ein abwechslungsreiches Programm für alle Sinne: So lässt sich „La Strada“ auch bei seiner 23. Auflage getrost beschreiben. Musikalische Genüsse, verrückte Fahrzeuge, ausgefallene Konstruktionen, körperliche Höchstleistungen und Stoff, der die Lachmuskeln ordentlich in Schwung bringt. Das weckt Vorfreude auf Nummer 24. Das Studenten-Trio ist in jedem Fall dabei: „Das lassen wir uns nicht entgehen“, sagen die Drei und verschwinden in der Masse.

„Le Cirque du Platzak“ eröffnet „La Strada“ in Bremen

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