Sandkünstlerin gestaltet tonnenschwerem Block

Strandfeeling am Flughafen

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Feinarbeit mit dem Spachtel: Anique Kuizenga schält im Terminal 1 des Flughafens eine Urlaubsszene aus dem Sand.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein Stück Strand im Flughafen? Ja, denn die niederländische Sandkünstlerin Anique Kuizenga lässt hier eine Urlaubsszene entstehen. Fünf Tonnen Sand wurden dafür ins Terminal 1 des Airports geliefert. Dieser wurde sofort zu einem schweren Block verdichtet. Und so langsam nimmt er Formen an.

Immer mehr Sand trägt Anique Kuizenga ab, während um sie herum Fluggäste einchecken. Zu sehen ist bereits ein junger Urlauber mit Brille und freudigem Blick. Er spricht. Auf seiner Schulter sitzt ein riesiger Papagei. Im Hintergrund wehen Palmen. Echtes Südsee-Feeling, dargestellt als Sandskulptur von 2,5 Metern Höhe.

Kuizenga ist gut ausgerüstet. „Alle Sandkünstler haben ihre eigene, individuelle Werkzeugsammlung“, sagt sie. Ihr Sortiment reicht von verschiedenen Spachteln über Pellet-Messer und Betonkellen hin bis hin zu Pferdebürsten und Schwämmen. Welches Werkzeug an der Reihe ist, entscheidet der aktuelle Arbeitsschritt. „Erst mache ich die großen Formen. Da muss ich zum Beispiel entscheiden, wie groß der Kopf werden soll“, sagt Kuizenga. „Danach kommen die feinen Konturen.“ Schritt für Schritt werden die Details mehr. Die Niederländerin arbeitet mit geradezu chirurgischer Genauigkeit. Vor jedem Schritt sprüht sie etwas Wasser auf die Sandstelle.

Material hat seine Tücken

Das Arbeitsmaterial hat so seine Tücken. „Sand muss abgestützt werden. Es darf nicht irgendwo ein Arm herausragen“, sagt Benno Lindel von der Firma Sandcity, welche die freiberufliche Sandkünstlerin nach Bremen geschickt hat. Der Flughafen habe ein sehr detailliertes Konzept geschickt, so Linde. „Wir wollten den Urlaubsort hier in den Flughafen holen. Sand als Material erinnert die Fluggäste gleich an den Urlaubsstrand“, sagt Andrea Hartmann, Sprecherin des Airports. „Das soll auch mit einem Augenzwinkern sein.“ Der muntere Tourist hat darum, wie das Klischee verlangt, seinen Fotoapparat vor dem Bauch hängen. „Die Leute können miterleben, wie die Skulptur hier entsteht. Spätestens am Sonnabend ist sie dann ganz zu sehen“, sagt Hartmann.

Die Sandskulptur könnte im Prinzip Jahre halten. Bewegen darf man sie aber nicht. Geplant ist, die Skulptur bis zum Herbst im Terminal stehenzulassen. Dass ihre Kunst zeitlich begrenzt ist, stört Carverin (so der Fachjargon) Kuizenga keineswegs. „Es ist ein besonderer Reiz, dass diese Kunst gegenwärtig und dann weg ist“, sagt sie. „Während man arbeitet, bekommen viele Leute das mit. Ich erhalte hier viel positives Feedback. Am Ende mache ich mein Foto und fahre wieder weg.“ Kuizenga arbeitet zum ersten Mal in einem Flughafen. „Das ist schön hier. Man sieht hier fröhliche Leute, die in Urlaub fahren.“ Sie hat auch in einer Metallgießerei einen alten Gießer aus dem Sand geschält.

Die 42-Jährige arbeitet bereits seit 20 Jahren mit Sand. Ihr zweites Standbein sind Eisskulpturen, irgendwie ähnlich, aber doch ganz anders. „Bei Eis können Teile aus der Skulptur herausragen, ohne dass man sie abstützen muss. Allerdings kann man nicht so fein arbeiten wie mit Sand. Eis ist durchsichtig. Eine Skulptur mit zu vielen Feinheiten bringen die Wahrnehmung durcheinander“, erklärt Kuizenga.

Nächste Woche geht es für die holländische Carverin auch ab in den sonnigen Süden: Sie wird in Portugal arbeiten.

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