Stimmgewaltig auf Tuchfühlung

Helmut Lotti begeistert im Bremer Musicaltheater

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Helmut Lotti ging am Sonnabend im Bremer Musicaltheater auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Sein Konzert und sein Charme begeisterten die Fans.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Mehr als 20 Musiker legen los: „You’ll never walk alone“ – eine Hoffnungshymne zum Auftakt. Neben den Instrumenten erklingt die Stimme von Helmut Lotti, doch der Künstler erscheint nicht auf der Bühne.

Bald orientieren sich die Blicke der Zuschauer nach rechts. Lotti steht im Lichtkegel, ganz nahe bei seinen Fans, neben den ersten Reihen: Tuchfühlung ab dem ersten Song. Den ganzen Abend agiert der charmante Sänger nahe an seinem Publikum.

Nach sechs Jahren Pause ist Lotti wieder auf Tour. Am Sonnabend lockten er und das „Golden Symphonic Orchestra“ im Rahmen der „Comeback-Tour“ 1 350 zumeist ältere Menschen ins Musicaltheater am Richtweg. „Ich freue mich, dass ich in einem so schönen Theater auftreten kann“, sagt Lotti.

Wäre mit Jörn Meyer nicht ein neuer Betreiber für das Haus gefunden worden, wären nach diesem Konzert die Lichter ausgegangen. Stattdessen bleibt nun der Ausblick auf weitere Veranstaltung in der Spielstätte, die zukünftig Metropol-Theater Bremen heißt.

Botschafter zwischen musikalischen Welten

Derweil wird die mitreißende Show des belgischen Sängers allen Besuchern noch lange in positiver Erinnerung bleiben. Lotti glänzt als Botschafter zwischen musikalischen Welten. So beginnt seine Version des Klassikers „Hallelujah“ mit einer zart gezupften Gitarre, gewinnt aber bald durch tiefe Streicher an Pathos. Das Orchester verleiht dem Lied eine ungewohnt kräftige dynamische Entwicklung. Die Stimme des 48-jährigen Lotti hält da problemlos mit, eine echte Gänsehautnummer. 

Bei „John Brown’s Body“ auch bekannt als „Glory, glory Halleluja“, endet die Pause mit einer satten Trompetenfanfare. Eine seichte Streicherbegleitung lassen der Stimme des Belgiers viel Platz zur Entfaltung. Später geben Bläser und moderater Bandeinsatz dem Song in Marschform nochmal weiteren Schwung.

Sportlicher Einsatz beim Auftritt

Lotti ist topfit, das demonstriert er neben einer Coverversion des Beatles-Klassikers „Hey Jude“. Er lässt die Besucher mitsingen und macht einen langen Lauf zu seinen Fans, erst an die vorderen Reihen, dann nach einem Umweg über den Flur in die hinteren. Er hält einer Besucherin das Mikro hin und lässt sie hineinsingen. Blitzschnell schafft er es danach auf die erste Empore – ein echter Sportler.

Ein Höhepunkt des Abends ist ein Duett: „Only the lonely“. Die Stimme des verstorbenen Roy Orbison kommt vom Band. Alles andere ist live. Lotti steht still, wenn er nichts zu tun hat, so dass nichts von Orbisons Stimme und den Musikern ablenkt. Seine Passagen singt er in einem Stil, der etwas an Elvis erinnert, sein großes Idol. Für ihn hat Orbison den Song ursprünglich geschrieben, wie Lotti erzählt. Die zwei harmonieren. Nicht zum ersten Mal an diesem Abend stehen viele Besucher auf.

Das Konzert kommt an, von der ersten bis zur letzten Minute. Lotti verspricht seinen Fans, sich von jetzt an nicht mehr aus dem Musikleben zurückzuziehen.

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