Stilprägend: Vor 50 Jahren brachte der „Beat-Club“ die Popkultur ins Fernsehen

Legenden und Handabdrücke

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Auf den Arm: Uschi Nerke gibt Herbert Hamm ein Autogramm.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Das habe ich noch nie gemacht“, sagt Uschi Nerke (71). Und dann macht sie es. Greift zum Kugelschreiber und schreibt ein Autogramm. Allerdings eben nicht auf ein Foto, eine Plattenhülle oder ein Stück Papier – sondern auf einen Arm. Auf den Arm von „Beat-Club“-Fan Herbert Hamm (59). Ein Herz malt sie ihm auch noch dazu.

Szenen wie diese spielten sich gestern Mittag in der Lloyd-Passage ab. Nerke und Gerd Augustin, die ersten beiden „Beat-Club“-Moderatoren, wurden dort in die „Mall of Fame“ aufgenommen. Sie enthüllten eine Bronzeplatte mit ihren Handabdrücken. Und sie trafen auf viele Fans aus der „Beat-Club“-Generation.

Vor nunmehr 50 Jahren, am 25. September 1965, sendete die ARD um 16.47 Uhr den ersten „Beat-Club“. Die Sendung sollte Geschichte schreiben. Beat-Musik, live gespielt – das war unerhört, das hatte es noch nicht gegeben im deutschen Fernsehen. Entsprechend groß war die Wirkung. Die Sendung war so revolutionär wie stilprägend. ARD-Sprecher Wilhelm Wieben hatte das Fernsehpublikum vor der Premiere gewarnt: „Sie aber, meine Damen und Herren, die Sie Beat-Musik nicht mögen, bitten wir um Ihr Verständnis: Es ist eine Live-Sendung mit jungen Leuten, für junge Leute.“

Legenden in der Lloyd-Passage: Uschi Nerke und Gerd Augustin, die ersten beiden „Beat-Club“- Moderatoren, präsentieren in der „Mall of Fame“ die Bronzeplatte mit ihren Handabdrücken.

Videos, „Youtube“, die allgegenwärtige Präsenz der Popkultur – all das gab es ja noch nicht. Die Musiker, die Stars, die im „Beat-Club“ auftraten, reisten dafür nach Bremen. Die „Equals“ und „The Who“, Julie Driscoll und die „Bee Gees“, Marc Bolan und Johnny Cash. Jimi Hendrix, die „Kinks“, „The Byrds“. Und, und, und. Regisseur Mike Leckebusch (1937 bis 2000) ließ die Musiker machen, fügte Effekte und Go-Go-Girls hinzu. Bis 1972 ging das so, 83 Sendungen lang.

Auch Inga Rumpf ist im „Beat-Club“ aufgetreten. „Mit meiner Alt-Stimme hab ich immer den Eindruck erweckt, dass ich ‘n Typ bin“, erzählte sie gestern in der Lloyd-Passage. Dann sangsie „Love Hurts“.

Gesungen wird auch am Freitag, 18. September, im Gröpelinger „Pier2“. Dort wird ab 21 Uhr eine TV-Show zum „Beat-Club“-Jubiläum aufgezeichnet. Künstler wie Achim Reichel, Peter Maffay und Wolfgang Niedecken sind dabei. Und „The Pretty Things“ mit Dick Taylor und Phil May. Und Nerke und Augustin. Durch die Show führt der Satiriker und Autor Heinz Strunk („Fleisch ist mein Gemüse“). Gut möglich, dass da wieder Autogramme gesammelt werden.

Gesendet wird die Show am Sonnabend, 26. September, im dritten Programm – im Rahmen einer „Beat-Club“-Nacht, die um 23.25 Uhr beginnt.

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