Charly Hübner im Goethe-Theater

Die Stille hinter der Soundwand

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Charly Hübner als „Sommergast“ in Bremen.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Charly Hübner kommt an. Das Publikum im Goethe-Theater begrüßt ihn beim Talk der „Bremen-Zwei“-Reihe „Sommergäste“ mit tosendem Applaus. Und schnell kommt das Gespräch auf Hübners neuen Film – auf „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Sven Regener.

Hübner spielt Schmidt. „Ich hatte eineinhalb Jahre Vorlauf. Ich habe das Buch gelesen und auch gehört. Es ist vielsagend, wie Sven Regener seine Texte liest“, sagt Hübner. Und er betrachte den nicht anerkannten Künstler Schmidt gar nicht als Rolle, weil ihn dieser traurige Mann tief berühre. Hübner erzählt mit viel Leidenschaft von dem neuen Film und bedankt sich dabei beim Publikum nach einem kräftigen Applaus nochmal für den begeisterten Empfang. „Ich bin gerade so, als würde man 50 Zentimeter nackt über Kopfsteinpflaster laufen“, sagt er.

Techno? „Ich wartete auf den Gesang. Der kam aber nicht.“

Die Geschichte ist eine Art Fortsetzung des Regener-Erfolgs „Herr Lehmann“. Drogen und die aufblühende Techno-Szene spielen eine große Rolle. Für den Schauspieler ein fremdes Problem. Drogen seien an ihm in der Jugend und Studienzeit vorbeigerauscht, auch auf Ecstasy-Partys. „Ich habe mich immer gefragt, warum nehmen die Tabletten? Ich hab‘ einfach weitergetanzt“, sagt Hübner.

Seine eigene musikalische Sozialisation sei eher durch Heavy Metal geprägt gewesen als durch Techno. Er habe aber noch lustige Erinnerungen an seinen ersten Besuch in einem Techno-Club. „Ich wurde als Großvater tituliert, obwohl ich gerade erst 21 war. Ich habe da erstmal eine Stunde gefremdelt. Ich wartete auf den Gesang. Der kam aber nicht“, sagt Hübner. „Dann wurde etwas freigesetzt. Es war dann toll.“

Stille so beeindruckend wie laute Musik

Hübners Herz scheinen aber bis heute die härteren Klänge erobert zu haben. „Hinter jeder Soundwand im Heavy Metal steckt die Ruhe“, sagt er und empfiehlt, unbedingt einmal das Heavy-Metal-Festival in Wacken zu besuchen. „Als wenn man in einem Orkan stehenbleibt. Es passiert was. Ohne Drogen. Und es ist auch toll, wenn die Stille dann da ist.“ Stille beeindruckte den Schauspieler schon während seiner Jugend an der mecklenburgischen Seenplatte. „Dort ist die Stille schon etwas irritierend. Man hört oft nur den Wind, sonst nichts. Eine tiefe Stille. Ein krasses Gefühl“, sagt Hübner.

Im Lauf des Gesprächs mit Moderatorin Katrin Krämer gibt er Einblicke in seine Kindheit und Jugend. Sein Vater hatte ein Hotel, dass auch oft von Studenten aus Berlin besucht wurde. Auch bekannte Persönlichkeiten wie Wolf Biermann und Nina Hagen waren da. Hagen habe ihn sogar mit eineinhalb Jahren im Kinderwagen eine Anhöhe runterrollenlassen, wie ihm später erzählt worden sei.

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