„Die Stiche kamen von mir“

„Waterfront“-Prozess: Angeklagter gesteht Messerangriff auf 30-Jährigen

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Ditron S. (25, l.) und sein älterer Bruder Agron S. (27, r.) werden am Freitag von Justizbeamten in den Verhandlungssaal geführt. Kurze Zeit später gesteht Ditron S. die Messerattacke auf einen heute 30-Jährigen im Einkaufszentrum „Waterfront“. 

Bremen - Von Steffen Koller. Die Verteidigung hatte es bereits angekündigt, am Freitag nun hat einer der Angeklagten im „Waterfront“-Prozess gestanden. Der 25-jährige Ditron S. gab vor dem Bremer Landgericht zu, im Mai dieses Jahres im Gröpelinger Einkaufszentrum auf einen 30 Jahre alten Mann eingestochen zu haben. Einer Tötungsabsicht, wie von der Staatsanwaltschaft angenommen, widersprach der Angeklagte aber. Er habe sein Gegenüber „nur erschrecken wollen“.

„Die Stiche, die gemacht wurden, kamen von mir.“ Ditron S. (25), der zusammen mit seinem älteren Bruder Agron S. (27) und dem 26-jährigen Abdullah C. wegen versuchten Totschlags vor Gericht steht, kam am Freitag sofort zur Sache. Er gab zu, in den frühen Abendstunden des 20. Mai auf den heute 30-Jährigen eingestochen zu haben. Dabei betonte er, er habe den Mann weder töten noch schwer verletzen wollen. „Ich war selbst geschockt, wie viel Blut da war.“ Bei den Stichen habe es sich um eine „Angstreaktion“ gehandelt, sagte er.

Konkret soll sich Folgendes abgespielt haben: Nachdem sich Ditron zusammen mit einem Freund in die „Waterfront“ begibt, treffen sie dort zufällig auf den 30-Jährigen. Weil S. den Mann Monate vorher wegen Diebstahls und Körperverletzung angezeigt hatte, habe der 30-Jährige die Sache vor der Einkaufspassage klären wollen. S. habe mehrfach betont, dass das vor Gericht verhandelt werde und der Mann ihn in Ruhe lassen solle. Zunächst, so S., trennen sich ihre Wege.

Doch als Ditron seinem älteren Bruder Agron von dem Treffen berichtet und auch dieser kurze Zeit später zur „Waterfront“ kommt, soll es wieder zum Aufeinandertreffen beider Lager gekommen sein. Auch Abdullah C. war laut Ditron nun dabei. C. und der 30-Jährige hätten nun „Kopf an Kopf“ gestanden, woraufhin das spätere Opfer „eine Handbewegung an seinen Hosenbund“ gemacht habe. Ditron S., der in den Monaten vor der Tat von vielen Leute gehört hätte, der 30-Jährige trage eine Pistole bei sich und benutze diese auch, sticht nun dreimal auf den Mann ein. Seinen Oberkörper habe er dabei nicht treffen wollen. Laut eigener Aussage hatte er Angst, selbst Opfer eines Angriffs zu werden. Das Messer, das er nach der Tat versteckt habe und später durch einen Freund in der Weser versenkt worden sei, sei dabei „nur sehr klein“ gewesen. Anders als von der Staatsanwaltschaft vorgetragen, hätten die Angeklagten ihr Opfer nicht weiter verfolgt. Der 30-Jährige schilderte am vergangenen Verhandlungstag, er habe sich im Lagerraum eines Textilgeschäfts versteckt, weil ihm die Männer nachgerannt seien. Erst, als er selbst ein Messer gezogen habe, hätten sie von ihm abgelassen.

Und Ditron S. hatte noch mehr zu berichten. Rund eineinhalb Jahre vor der Messerattacke soll sich der 30-Jährige am Auto von Ditron zu schaffen gemacht haben, in dem er die Seitenscheibe einschlug und versuchte, einen Frontgrill zu klauen. Dabei sei er von Ditron erwischt und aufgefordert worden, ihm den Schaden zu ersetzen. Zusammen mit einem Freund hätte das jetzige Opfer daraufhin Ditron zusammengeschlagen, obwohl dieser gerade frisch an der Hand operiert gewesen sei, nachdem er einen Finger bei einem Arbeitsunfall verloren habe. Dabei hätten sie ihm ins Gesicht geschlagen und getreten, obwohl er bereits auf dem Boden lag.

Der Prozess wird am Donnerstag, 11. Januar 2018, fortgesetzt.

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