Stellflächen am Straßenrand

Innenstadt: Bremen wandelt Auto- in Fahrradparkplätze um

Autos parken am Straßenrand – das soll es in der Bremer Innenstadt zukünftig seltener geben.
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Autos parken am Straßenrand – das soll es in der Bremer Innenstadt zukünftig seltener geben.

Vorfahrt für Fahrräder – das gilt in Bremen; Stichwort: „Verkehrswende“. In der Innenstadt sollen Autostellplätze nun Fahrradparkplätzen weichen. Das Thema Anwohnerparken in den citynahen Stadtteilen sorgt unterdessen für Konflikte.

Bremen – Wird das Parkhaus Mitte abgerissen, bleibt das Parkhaus in der Katharinenpassage offen? Fragen, auf die es noch keine endgültigen Antworten gibt. Schon sicher ist hingegen, dass in der Bremer Innenstadt Autoparkplätze außerhalb von Parkhäusern und Tiefgaragen verschwinden werden: Bis zu 650 Autostellplätze am Straßenrand werden jetzt peu à peu in Fahrradparkplätze umgewandelt.

Es gibt genügend Kapazitäten in den Parkhäusern, sagt Gunnar Polzin, Leiter der Verkehrsabteilung im Ressort von Umwelt- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne). Wo bisher Autos stehen durften, soll nun Platz für – eben – Fahrräder sowie Lieferverkehr und Handwerkerfahrzeuge entstehen. Für die Fahrräder werden Bügel installiert; es soll auch Abstellmöglichkeiten für Lastenräder und Fahrradanhänger geben. Betroffen sind, wie es im Behördendeutsch heißt, „straßenbegleitende“ Autoparkplätze.

Fahrradständer voll – auch im Lockdown ein gewohntes Bild an vielen Stellen in der Bremer City.

Die Umwandlung soll weitere Bremer zum Umstieg aufs Rad animieren und dazu beitragen, ein beständig andauerndes Park-Problem zu lösen. Bestehende Fahrradbügel im City-Straßenraum – beispielsweise am Hauptbahnhof, in der Langenstraße (Ecke Marktplatz), an der Ersten Schlachtpforte – sind auch in Pandemiezeiten häufig „ausgebucht“, zuweilen auch überfüllt. „Wild“ parkende Räder stören Fußgänger und blockieren Rettungswege in der Innenstadt. Räder werden an Straßenschilder und Zäune gekettet. Kostenfreie Plätze in Fahrradparkhäusern (etwa am Dom) sind oft am frühen Vormittag schon komplett belegt.

Bremer Pläne gehen auf Parlamentsbeschluss zurück

Die aktuellen Planungen für die Umwandlung von Autostellplätzen in Fahrradparkplätze gehen auf einen Beschluss der Stadtbürgerschaft zurück. Sie hatte den Senat – in diesem Fall: das Verkehrsressort – vor einem Jahr aufgefordert, nach Stellflächen für Räder zu suchen. Fündig wurden die Planer nun an den Straßenrändern in der Altstadt. Umgesetzt wird die Maßnahme im Rahmen des „Aktionsprogramms Innenstadt“.

„Wild“ abgestellte Räder – wie hier an der Obernstraße – stören unter anderem Fußgänger.

Es gehe dabei „um die kleinen Straßen in der der Innenstadt“, so Polzin. Ein Beispiel sei die Herdentorswallstraße. Bei Begehungen werden gegenwärtig potenzielle Umwandlungs-Orte in den Blick genommen. Im „Aktionsprogramm Innenstadt“ ist es vorgesehen, „straßenbegleitende“ Autoparkplätze in „ausgewiesene Lieferzonen oder Micro-Hubs umzuwandeln, von denen die Auslieferung auf der letzten Meile – insbesondere mit Lastenrädern – ausgeht“. Die Umsetzung beginnt noch in diesem Jahr und soll, so die Planung, bis 2023 abgeschlossen sein. Länger dauern dürften weitere Pläne für mehr Fahrradparkmöglichkeiten in der Bremer Innenstadt.

Fahrradparkhäuser in Brill-Tunnel und Domshofbunker?

Lademöglichkeiten für E-Bikes, Abstellmöglichkeiten für Spezialräder, mehr „wettersichere“ Fahrradstellplätze – all das erhoffen die Planer sich von zusätzlichen Fahrradparkhäusern in der Bremer Innenstadt. Zu diesem Thema ist gegenwärtig eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, die mögliche Standorte in den Fokus nimmt.

Als mögliche Standorte für Fahrradparkhäuser gelten der Domshofbunker, der geschlossene Brill-Tunnel sowie die Unterführung Tiefer (ein Auto-Einfallstor Richtung Martinistraße und Innenstadt nicht zuletzt für Pendler aus dem Bremer Umland). Im Domshofbunker könnten auf zwei Ebenen insgesamt etwa 2 000 Fahrradparkplätze entstehen, heißt es. Im Brill-Tunnel rechnen die Planer mit Platz für gut 1 100 Räder.

Hier ging es früher hinunter in den Brill-Tunnel. Jetzt wird er womöglich zum Fahrradparkhaus.

Die Parkhausgesellschaft Brepark ist zudem aufgerufen, „Lösungen, zum Beispiel für Finanzierung, Bau, Unterhaltung und Betrieb von Güterverkehr-Hubs und Fahrradabstellanlagen in der Innenstadt sowie von Bike-and-Ride- und Park-and-Ride-Anlagen an geeigneten Orten zu prüfen und gegebenenfalls zu entwickeln“, wie es in einer Deputationsvorlage des Ressorts heißt. Auch mit diesem Punkt wird der Bürgerschaftsbeschluss vom 26. März 2020 aufgegriffen.

Streit um Preis für das Anwohnerparken

In den innenstadtnahen Stadtteilen rund um die City ist derweil eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung geplant – bis Ende 2022. Viele der gebührenpflichtigen Flächen werden dann in Bewohnerparkzonen liegen. Was soll das Bewohnerparken kosten? Die Diskussion darüber läuft in der rot-grün-roten Koalition gerade heiß, sie kommt so richtig in Fahrt – zumal die deutschlandweite Deckelung (30 Euro pro Jahr) Ende 2020 ausgelaufen ist.

Die Bremer Grünen mit ihrer Leidenschaft für erzieherische Ansätze diskutieren gegenwärtig Preise, die bis zu einem Grundtarif von 600 Euro pro Jahr reichen – nach dem Motto, dass der eine oder andere dann vielleicht sein Auto doch lieber abschafft. 600 Euro? Da werden Vertreter von SPD und Linken allerdings fast ohnmächtig. Sie sprechen sich für deutlich geringere Gebühren aus. Auch dürfe es keine Nachteile für Familien mit Kindern geben, die ein größeres Auto brauchen, heißt es etwa bei der SPD.

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