Kanzlerkandidat auf „Länderreise“ in Bremen / „SPD-Wähler aus Wartesaal holen“

Steinbrück: Sekt oder Selters

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück machte gestern einen Rundgang durch die Bremer Innenstadt und wurde dabei von Passanten begrüßt und fotografiert. ·

Bremen - Von Jörg EsserNoch knapp vier Monate sind es bis zur Bundestagswahl am 22. September. Doch Berlin hat längst auf Wahlkampfmodus umgeswitcht. Peer Steinbrück, der SPD-Spitzenkandidat, natürlich auch. Er ist auf „Länderreise“. Station 16 von  16: Bremen. „Das ist Zufall“, sagt Steinbrück, „die anderen feiern alle Fronleichnam.“ Nun ja.

Steinbrück besucht am Vormittag Mini-Kicker auf einem Sportplatz in Marßel, später redet er mit Jungunternehmern. Im Bürger- und Sozialzentrum Huchting spricht er mit Vertretern ehrenamtlicher Initiativen, im Congress Centrum redet er „Klartext“ mit SPD-Bürgermeister Jens Böhrnsen und den beiden Bremer SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Sieling und Uwe Beckmeyer. Und zwischendurch gibt es Kontakte mit Bremer Bürgern und Touristen. Beim Fototermin an den Stadtmusikanten stößt er auf eine Frauengruppe aus Braunschweig. Sein Bummel über den Marktplatz und sein Spaziergang bis zur Kunsthalle werden auf diversen Digitalkameras und Smartphones festgehalten. Die Leute erkennen Steinbrück. Freundliche Worte. Kein Hype. Der SPD-Tross zieht ruhig seine Bahnen. „Der wird nie Kanzler werden“, sagt ein junger Mann.

Steinbrück sieht das anders. „Wenn wir die Wahlbeteiligung steigern können, wird die SPD prozentual hinzugewinnen“, sagt er beim Gespräch mit Bremer Journalisten im Kaisen-Saal des Ratskellers. „Unsere Wähler sind nicht zu anderen Parteien abgewandert“, fährt der Ex-Ministerpräsident und Ex-Finanzminister fort, „sie sind im Wartesaal.“ Und daraus will der gebürtige Hamburger alle die, die schon mal SPD gewählt haben, an die Urnen zurückholen. Das aufgeklärte Bürgertum mit „seinen zunehmend bunten Lebensentwürfen“ nimmt er auch ins Visier. Werden Wahlen nicht in der Mitte gewonnen? „Die Mitte ist nicht in Stein gemeißelt“, sagt Steinbrück, „die Mitte ist nach links gerückt.“

Alles ist im Übergang. Auch die Grenzen der Bundesländer? „Ich bin weit davon entfernt, einen Nordstaat auszurufen“, sagt der 66-Jährige. Eine Debatte über eine Neugliederung der Länder lehnt er ab. Steinbrück: „Wer diese Debatte führt, dem geht es wie dem Spargel zur Zeit. In dem Moment, in dem er das Licht der Welt erblickt, wird er geköpft.“

Übrigens: Steinbrück will Kanzler einer rot-grünen Koalition werden. Nicht Juniorpartner in einer Großen Koalition. „Sekt oder Selters“, sagt er. „Es gibt keinen Graubereich.“ Auch in seiner Partei spüre er wenig Neigung zu einer Neuauflage einer CDU/SPD-Regierung. „Wir waren von 2005 bis 2009 der bessere Teil im Kabinett. Und sind trotzdem auf die Bretter gegangen.“ Das solle sich nicht wiederholen.

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