Kühne-und-Nagel-Baustelle

Stattliche Wohnhäuser: Archäologen legen Mauern frei

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Blick auf die freigelegten Mauern auf der Kühne-und-Nagel-Baustelle. Deutlich zu erkennen ist der gewölbte, mannshohe Gang, der einst von der Wachtstraße bis zur Weser führte.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Eindrucksvoll, wie dicht die Bebauung schon in der Renaissancezeit gewesen ist“, sagt Grabungsleiterin Claudia Melisch von der Grabungsfirma „Denkmal3D“ (Vechta).

Sie steht an der Kühne-und-Nagel-Baustelle am Tor zur Bremer Innenstadt. Unten, in der Baugrube, fällt der Blick auf Backsteine und Mauern.

Backsteine und Mauern, die bald verschwunden sein werden, sagt Dr. Dieter Bischop, bei der Landesarchäologie zuständig für die Stadt. Freigelegt wurden sie hier – unter dem einstigen Vorplatz des abgerissenen Kühne-und-Nagel-Gebäudes – im Zuge der Ausschachtungsarbeiten für den Neubau des Unternehmens. Bleiben können sie aber nicht. Denn die Statik des Neubaus lasse einen Erhalt nicht zu, wie es heißt.

„Deshalb ist es wichtig, dass wir es perfekt dokumentieren.“ So, wie es auch schon andernorts geschehen ist, in der Überseestadt zum Beispiel. Für diese Dokumentation sorgt „Denkmal3D“ mit dreidimensionalen Scans. Bremens versunkene Welt wird dann in virtuellen Räumen für Forschungszwecke wieder lebendig. „Da kann man dann durchfliegen.“

Bischop ist anzumerken, dass er gerne auch noch tiefer gegraben hätte an diesem historischen Ort. Keine Zeit, es soll ja auch noch gebaut werden. Und so geht der Blick in Bremens Vergangenheit eben bis zu Mauern, die ihre Ursprünge im 16. Jahrhundert haben.

1740 wurde im größeren Stil umgebaut

Holzuntersuchungen haben ergeben, dass die Häuser 1740 in größerem Stil umgebaut worden sind. Das passt zu anderen historischen Quellen, in denen von einem großen Hochwasser im Jahr 1739 die Rede ist. Mit den Folgen davon hatten die Menschen so dicht an der Weser sicher zu kämpfen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts standen die Häuser dann.

Grabungsleiterin Claudia Melisch mit einem der Steine, die am „Tag des offenen Denkmals“ am 10. September gegen eine Spende angeboten werden sollen.

Im Ursprung sind es „stattliche Wohnhäuser“ gewesen, sagt Melisch. Lage und Ausstattung lassen darauf schließen, dass hier – das Areal gehörte zum Bereich der Tiefer – nicht gerade die ärmsten Bewohner Bremens gelebt haben. Kamine und Herdstellen sind noch deutlich zu erkennen in den Ruinen, die da jetzt aus der Vergangenheit ans Licht der Gegenwart gekommen sind.

Klar zu sehen ist auch ein mannshoher Gang mit gewölbter Decke. Er führte einst von der Wachtstraße bis zur Weser. Man konnte also unter den Häusern hindurch bis zum Wasser, bis zur sprichwörtlichen Lebensader Bremens gehen. Einzelne Elemente der freigelegten Bauten nimmt Bischop mit, um sie sozusagen auch in echt zu erhalten – Sandsteinelemente der Weserrenaissance aus den Vorgängerbauten, die hier verarbeitet worden sind.

Einige der roten, charakteristischen und ja auch charaktervollen Mauersteine nehmen die Archäologen ebenfalls mit. Sie werden, so der Plan, gereinigt und am „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 10. September, von der Landesarchäologie (An der Weide, 14 bis 17 Uhr) „gegen eine Spende“ abgegeben, sagt Bischop.

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