Statt Knast: Kriminelle im Wohngebiet

Offene Betreuung von straffälligen Jugendlichen in einem Haus

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Bis zu sieben kriminelle Jugendliche sollen künftig in einem Haus in einer Wohnsiedlung im Bremer Norden betreut und damit vor der Untersuchungshaft bewahrt werden – als letzte Chance sozusagen.

Noch sind die Verhandlungen mit den Eigentümern der Immobilie in Lesum zwar nicht abgeschlossen, aber läuft alles nach Plan, könnte die Innere Mission hier irgendwann im nächsten Jahr den Betrieb des Heims aufnehmen. Anwohner zeigten sich geschockt von den Plänen des Sozialressorts. 

Am Dienstag hat sich der Senat mit dem offenen Heim an der Käthe-Kollwitz-Straße befasst – oder besser gesagt: mit der grundsätzlichen Garantieerklärung für den Träger. Einstimmig sprach sich die rot-grüne Regierung dafür aus, das Risiko des Trägers, also der Inneren Mission, abzusichern. 800.000 Euro stehen dafür pro Jahr zur Verfügung.

Alternative zur geschlossenen Einrichtung

Bremen garantiert dem Träger für zehn Jahre den Betrieb mit sieben Jugendlichen, auch wenn Plätze unbelegt sein sollten. Diese Zusicherung sei notwendig, um überhaupt einen Betreiber für die Einrichtung zu finden. Das Heim ist praktisch die Alternative zu der ursprünglich geplanten geschlossenen Einrichtung mit Intensivbetreuung für kriminelle junge Ausländer. 

Die sollte auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt im Blockland entstehen, nachdem Bremen 2015 massiv Ärger mit 30 bis 50 Jungen, insbesondere aus den Maghrebstaaten, hatte. Auf deren Konto sollen rund 1000 Straftaten gehen. Von der damals beschlossenen Einrichtung verabschiedete sich der Senat in diesem Frühjahr.

Zahl der Problemfälle sei gesunken

Hintergrund waren die millionenschweren Kosten und die gesunkene Zahl krimineller unbegleiteter minderjähriger Ausländer (Uma). Etliche sitzen hinter Gittern, seien volljährig, andere seien verschwunden, hieß es damals. Nach den Plänen des grünen Sozialressorts soll es nun eine offene Einrichtung mit Intensivbetreuung für bis zu sieben kriminelle Jugendlichen, Deutsche wie Ausländer, geben, „als letzte Chance“, wie Sprecher David Lukaßen sagt.

Als Träger hat sich die Innere Mission gefunden. Sie hat das leerstehende Haus in Lesum aufgetan, unterschrieben ist jedoch noch nichts, heißt es. Aus fachlicher Sicht sei die Immobilie geeignet, sagt Lukaßen. Das wäre für den Bremer Norden bereits die dritte intensiv-pädagogische Einrichtung, wobei es bei den beiden anderen nicht um Haftvermeidung geht.

Deutlich teurer als Untersuchungshaft

Um die 10.000 Euro im Monat würde die Betreuung eines straffälligen Jungen Bremen kosten, deutlich mehr als Untersuchungshaft. Doch Rot-Grün möchte diesen Weg gehen. Der Aufnahme in das Haus in Lesum geht ein richterlicher Unterbringungsbefehl voraus. Statt Untersuchungshaft erwartet die Jugendlichen eine Intensivbetreuung rund um die Uhr, aber sie dürfen sich frei bewegen, das Haus also verlassen.

„Aber es gibt ganz klare Regeln. Wer dagegen verstößt, muss in Haft“, betont Lukaßen. Anwohner der Siedlung zeigten sich gegenüber Radio Bremen geschockt von den Plänen und kündigten massiven Widerstand gegen das Heim an. Martin Hornhues (CDU), Sprecher des Beirates, appellierte am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung an die Verantwortlichen, die Bürger bei den Planungen mitzunehmen. 

Eine Wohnsiedlung biete sich nicht für so ein Vorhaben an. Hornhues: „Es geht hier um extrem auffällig gewordene kriminelle Jugendliche. Kuschelpädagogik ist da nicht angebracht.“ Das Konzept sieht er, ebenso wie die FDP, skeptisch. Nach wie vor plädiert die CDU für eine geschlossene Einrichtung.

Rubriklistenbild: © dpa

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