„Hanseatische Himmelsstürmer“: Blumes Entwürfe zu teuer für Serienfertigung

Der Start der Metallbau-Ära

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Die „Blume“ in der Luft.

Bremen - Von Ulf Kaack. Nachdem sich Focke-Wulf ab 1952 mit dem Bau von Hochleistungssegelflugzeugen schrittweise wieder in der Luftfahrtbranche etablieren konnte, waren mit der Aufhebung des Bauverbots für Motorflugzeuge im Jahr 1955 sämtliche Beschränkungen gefallen. Mit der „Bl 502“ präsentierte Focke-Wulf das erste in der Hansestadt gebaute Motorflugzeug.

Der Traum von der ersten deutschen Serienmaschine ging jedoch nicht in Erfüllung, wie in der heutigen Folge unserer Reihe „Hanseatische Himmelsstürmer“ zu erfahren ist.

Im Oktober 1955 stellte Focke-Wulf den Bau von Segelflugzeugen ein und widmete sich nun der Entwicklung eines Motorfliegers. „Wir haben die Holzbauweise überwunden und werden uns nun der Metallbauweise zuwenden“, erklärte der damalige Focke-Wulf-Direktor Arthur Rothe den Beginn der neuen Ära. Sechs Monate später war ein erstes Versuchsmuster unter der Bezeichnung „Bl 500“ fertiggestellt, bei dem noch kein Motor und keine Innenausstattung montiert waren. Es diente in dieser Phase zunächst Prüf- und Testzwecken.

Konstrukteur der neuen Maschine war Professor Walter Blume, der ehemalige Generaldirektor der Arado-Flugzeugwerke und vorher Chefkonstrukteur beim Flugzeugbauer Albatros. Der Ingenieur hatte das viersitzige Schul-, Sport- und Reiseflugzeug auf der Basis der „Arado Ar 79“ aus dem Jahr 1938 entwickelt. Unter den Bezeichnungen „Bl 502“ und „Bl 503“ entstanden zwei flugfähige Varianten. Der Erstflug fand am 14. März 1957 mit Focke-Wulf-Testpilot Janssen am Steuerknüppel am Himmel über Bremen statt.

Die „Bl 502“ war 8,15 Meter lang und hatte eine Spannweite von 10,50 Metern. Als Antrieb diente ein Lycoming-Motor vom Typ „O-320“ mit 150 PS. Damit ließ sich eine maximale Geschwindigkeit von 250 Kilometer pro Stunde realisieren, die Reisegeschwindigkeit betrug 220 Kilometer pro Stunde. Die Gipfelhöhe wurde nach der Erprobung mit 4 800 Metern und die Reichweite mit 900 Kilometern angegeben.

Erstmals waren bei Walter Blumes Entwurf die als Hohlkörper gebauten Tragflächen nicht genietet, sondern in einem speziellen Metall-Klebeverfahren hergestellt. Bislang führten die durch Nieten verursachten Unebenheiten auf den Flügeln zu erhöhter Reibung und damit zu Geschwindigkeitsverlusten. Das neuentwickelte, technisch wegweisende Verfahren erwies sich aber für die Serienfertigung als zu teuer.

So lehnte die Bundeswehr die „Bl 502“ als Schul- und Übungsflugzeug für die Luftwaffe ab. Auch die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa hatte kein Interesse an der Maschine aus Bremen, so dass das Projekt Ende der 50er Jahre schließlich eingestellt wurde. Stattdessen wurde ein Regierungsauftrag für den Lizenzbau des italienischen Schulflugzeugs „Piaggio P  149“ erteilt – in zwei Wochen das nächste Thema in unserer Reihe „Hanseatische Himmelsstürmer“.

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