Start des Krimifestivals „Prime Time – Crime Time“ in der Zentralbibliothek

Tot in drei Stunden

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Alexa Stein (v.l.), Wiebke Lorenz und Gudrun Liebe-Ewald posieren vor der Lesung für die Fotografin.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Bremen Bremen - Von Ilka Langkowski. „Bis Mitternacht bringst Du Dich um, oder Deine Tochter stirbt“, droht der Entführer Emma. „Drei Stunden bleiben. Danach ist alles vorbei. Dann ist Emma tot“, liest Autorin Wiebke Lorenz weiter düster aus ihrem Psycho-Thriller.

Beim Eröffnungsabend des 18. „Prime Time –

Crime Time” in der Zentralbibliothek lauschte das Publikum am Donnerstagabend Autorin Wiebke Lorenz. Sie las aus ihrem Thriller „Bald ruhest Du auch“. Den passenden Rahmen gab die Krimibibliothek in der zweiten Etage mit ihrer hölzernen Kassetten-Wandvertäfelung und der gekachelten Ofennische. Begrüßt wurden alle Gäste durch Festivalleiterin Alexa Stein und Gudrun Liebe-Ewald von der Stadtbibliothek.

Lorenz’ Faible für des Deutschen liebstes Genre entwickelte sich aus ihrer eigenen Lesefreude am Psychothriller. Diese Freude bekam das Publikum zu spüren. Innerhalb weniger Minuten wurde es zum Begleiter von Protagonistin Lena, der Hebamme, die ihren Mann Daniel bei einem Autounfall verloren hat. Lena selbst ist schwanger und während der Beerdigung ihres Mannes geschehen merkwürdige Dinge. Man hörte förmlich den Kies knirschen, als Lena nach einer Attacke stürzt und man fühlte die Ohnmacht der erschöpften Mutter, als ihr neugeborenes Kind nicht aufhört zu schreien. Und man erschauderte mit ihr, als sie wenige Tage später am Grab Daniels eine Spieluhr mit ekeligem Inhalt findet. Daraus erklingt Lenas Hochzeitslied. Auf dem eingeklebten Foto des Brautpaars steht „Mörderin“. Fragen drängten sich auf: Wer waren die Leute in langen schwarzen Mänteln, die sich „für den Tod interessierten“? Wie groß ist der Hass von Daniels Tochter aus erster Ehe? Wer will, dass Lena mit dem Leben bezahlt und für was? „Ich entwickle meine Geschichten sehr sorgfältig“, erklärte Lorenz, „da bin ich Old School.“ So könne die Entwicklung einer Handlung zwei Jahre dauern und das Schreiben selbst nur ein halbes Jahr. Für sie selbst sei es immer die größte Freude, wenn bei einer gut „geplotteten“ Geschichte am Ende ein Rädchen in das andere greift.

Lorenz, geboren 1972 in Düsseldorf, studierte in Trier Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaft. Es folgte eine Ausbildung zur Drehbuchautorin an der Filmschule Köln. Heute lebt sie in Hamburg, schreibt für Zeitschriften und TV-Produktionen. Gemeinsam mit ihrer Schwester veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Anne Hertz Bestseller mit Millionenauflage. Ihre Romane „Was? Wäre? Wenn?“ (2003), „Allerliebste Schwester (2010)“ und ihr Thriller „Alles muss versteckt sein“ (2012) ernteten großes Lob. Die Inspiration zu ihrem aktuellen Buch gab der Tod eines „Stern“-Reporters, der im Kosovo ums Leben kam und dessen hochschwangere Frau plötzlich Witwe war.

Zum Abschluss des Krimifestivals wird am Montag, 28. September, auf der „Oceana“ der Krimipreis von Radio Bremen an Merle Kröger („Havarie“) verliehen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.

www.primetime-crimetime.de

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