„Standbilder und ihre Geschichte“: Der Zentaurenbrunnen in der Neustadt

Der Blick auf die „Zierde“

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Der Zentaurenbrunnen von Carl August Wilhelm Sommer in der Neustadt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Wenn der Bremer Kaufmann Heinrich August Gildemeister (1840 bis 1907) aus dem Fenster schaute, blickte er auf eine Werbesäule. Nicht schön. Aber das sollte sich ändern. Bald nämlich blickte er auf eine der „schönsten Brunnenzierden Bremens“.

So jedenfalls lautete wenige Jahre später die Beschreibung in dem Buch „Bremen und seine Bauten“, das im Jahr 1900 erschien. Worauf blickte Gildemeister nun? Auf den Zentaurenbrunnen von 1891, eine Arbeit des Bildhauers Carl August Wilhelm Sommer (1839 bis 1921).

Gildemeister, als Kaufmann ein Mann der Tat, hatte Bremen anno 1889 das Angebot gemacht, auf seine Kosten einen Brunnen zu errichten – gegen die Zusage, dass die Stadt für Wasserkosten und Instandhaltung aufkommt. Sommer, der damals in Rom lebte, hatte ein Modell für den Brunnen angefertigt.

Mit seiner Stiftung sorgte Gildemeister dafür, dass der Platz vor seinem Haus eine „Brunnenzierde“ bekam (und kein Denkmal, was auch mal im Gespräch gewesen war). Der Kaufmann wohnte an der Ecke von Bismarckstraße und Schwachhauser Chaussee (heute: Schwachhauser Heerstraße). Und hier wurde er schließlich aufgestellt – der Zentaurenbrunnen von Carl August Wilhelm Sommer. Aus Bronze. 1890 in Rom gegossen, anschließend nach Bremen transportiert.

Jetzt hatte der Kaufmann was zu gucken! „Auf ansteigender Klippe“, wie es anno 1900 in dem schon erwähnten Standardwerk „Bremen und seine Bauten“ heißt, steht er, der mächtige Zentaur, der Pferdemensch aus der griechischen Mythologie. „Mit Anstrengung aller Kraft“, so heißt es in dem Buch weiter, hält er „die Schlange, die seinen Leib umschlungen hat“ von sich ab. Und: „Aus dem Maul der Schlange schießt der Wasserstrahl senkrecht empor.“

Es handele sich um eine „von allen Seiten gleich rhythmisch aufgebaute wundervolle Bronzegruppe“. Das Werk entspricht voll und ganz dem Zeitgeschmack des ausklingenden 19. Jahrhunderts, als der bisweilen zum Pompösen neigende Stil des Historismus auch in der Architektur prägend war. Er wird bis heute geschätzt – vielleicht muss man auch sagen: wieder geschätzt, seit in der Postmoderne historische (und verwandte) Bauformen aufgegriffen und neu interpretiert wurden.

Neue Sachlichkeit und Backsteinexpressionismus – diese ganz anderen Stilrichtungen prägen die Ende der 20er Jahre gebaute „Centauren-Apotheke“, die zwar mit „C“ geschrieben wird, aber nach Sommers Zentaurenbrunnen benannt worden ist. Nur der Brunnen, der steht schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Sichtweite der Apotheke. Auch der Kaufmann Gildemeister würde sich ganz schön umgucken. Sein Brunnen nämlich, der steht schon lange nicht mehr da, wo der Kaufmann ihn einst stehen haben wollte.

1958 ist der Zentaurenbrunnen in die Neustadtswallanlagen am Leibnizplatz versetzt worden. Der „Umzug“ hatte straßenbautechnische Gründe – Bremens Verkehrsplanung ließ am Originalplatz keinen Raum mehr für eine so große „Brunnenzierde“.

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