„Standbilder und ihre Geschichte“: Die Steinhäuser-Vase in den Wallanlagen

Geschmückte Ochsen

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Das Relief: Szenen des Klosterochsenzugs.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Eine Vase, in der keine Blumen stehen. Rundherum wachsen aber welche. Die Vase wiederum ist riesengroß. Es wäre tatsächlich schwierig, Blumen zu finden, die in sie hineinpassen. In ihrer Umgebung aber wirkt die Vase trotz ihrer Größe wie ein harmonisch eingefügtes Element – schließlich stehen allerlei große Bäume in ihrer Nachbarschaft.

Erraten – von der Steinhäuser-Vase in den Wallanlagen (Höhe Herdentor) ist hier die Rede. Sie hat ihren Namen von dem Bildhauer Carl Steinhäuser (1813 bis 1879), der sie geschaffen hat. Die Marmorvase im klassizistischen Stil steht auf einem Sandsteinsockel mit getrepptem Unterbau. Sie stammt aus dem Jahr 1856. Bremer Bürger hatten die Vase damals gestiftet.

Und einen Bildhauer gefunden, der an der Weser schon einen Namen hatte. Von Steinhäuser, in Bremen geboren, nämlich stammt ein weiteres Kunstwerk in den Wallanlagen – das Denkmal für Wilhelm Olbers (1758 bis 1840), Arzt und Astronom in einer Epoche der Aufklärung und des aufstrebenden Bürgertums.

1844 hatten die Bremer auf Initiative des „Vereins für Denkmalsetzung“ beschlossen, Olbers mit einem Standbild zu ehren. 1850 wurde es aufgestellt und eingeweiht. Steinhäuser hatte das Marmorstandbild mit Marmorsockel 1848 in Rom geschaffen. Die vier Reliefbilder auf dem Sockel zeigen Olbers als Astronom (Vorderseite) und als Arzt (Rückseite) sowie Pallas (links) und Vesta (rechts).

Auch die Vase hat ein Relief. Es erzählt eine Geschichte – dargestellt wird der Klosterochsenzug, eine damals noch lebendige Bremer Tradition.

Zur Freimarktszeit führten die Bremer einst zwei stattliche, mit Kränzen und Bändern geschmückte Ochsen durch die Stadt, die anschließend verlost wurden – zugunsten des früheren Johannisklosters, in dem nach der Reformation ein Krankenhaus eingerichtet worden war. Den letzten Klosterochsenzug verzeichnen die bremischen Chroniken im Jahr 1871, die letzte Verlosung gab es im Jahr 1896.

Zurück zu Steinhäuser. Neben der Vase und dem Olbers-Denkmal stammt auch die Statue des Politikers, Bürgermeisters und Bremerhaven-Gründers Johann Smidt (1773 bis 1857) im Rathaus von ihm. Das Marmorstandbild war 2012 mit einer erklärenden Tafel versehen worden. Smidt gilt als bedeutender bremischer Staatsmann. Aber er ist ein Staatsmann mit Makel, denn er war ein erklärter Feind der Juden.

Ursprünglich hatte noch ein viertes Werk Steinhäusers in Bremen gestanden – sein marmornes Denkmal für den heiligen Ansgar, das 1865 eingeweiht worden war. Als im September des Kriegsjahres 1944 der Turm der Ansgarii-Kirche einstürzte, wurde auch der heilige Ansgar zerstört.

Steinhäusers Vase in den Wallanlagen hingegen dürfte demnächst wieder einen saisonalen Schutz bekommen. In der kalten Jahreszeit wird sie stets von einem hölzernen Kasten verdeckt – er schützt die Marmorprunkvase vor dem Frost.

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