„Standbilder und ihre Geschichte“: Sieben Granitpfeiler für Rudolf Hilferding

Die gestürzte Macht

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Empfindliche Macht – die stehenden Säulen brauchen die stützende Kraft des Stahlträgers: Hawolis „Fragment“ auf dem Rudolf-Hilferding-Platz vor dem Haus des Reichs.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Vier Granitpfeiler liegen auf dem Rudolf-Hilferding-Platz vor dem Haus des Reichs, dem Sitz des Finanzressorts. Sie symbolisieren die gestürzte Macht. Drei weitere Pfeiler, durch einen quer verlaufenden Stahlträger miteinander verbunden, stehen mitten auf dem Platz. Trotz ihrer Größe wirken sie, als würden sie ohne den Stahlträger ebenfalls umstürzen.

„Fragment“ heißt das durch und durch politische Kunstwerk des niedersächsischen Bildhauers und Malers Hawoli, 1935 als Hans Wolfgang Lingemann zur Welt gekommen. Bekannt wurde er in den 70er Jahren mit großformatigen Plastiken aus Naturstein und Stahl.

Das Ensemble „Fragment“, 1991 errichtet, ist eine Hommage an Rudolf Hilferding (1877 bis 1941) – aufgestellt zum 50. Todestag des SPD-Politikers, der aus Österreich stammte und der in den Jahren der Weimarer Republik zweimal Reichsfinanzminister gewesen ist (1923 und 1928/29). Nach dem New Yorker Börsencrash verlor er sein Amt.

In den 20er Jahren hatte Hilferding als „führender theoretischer Kopf“ der SPD gegolten. Mit seinem im Jahr 1910 veröffentlichten Hauptwerk „Das Finanzkapital – Eine Studie zur jüngsten Entwicklung des Kapitalismus“ begründete er die spätere Theorie vom staatsmonopolistischen Kapitalismus.

1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurde Hilferding ausgebürgert und musste aus Deutschland fliehen. Er arbeitete für den Exilvorstand der SPD. 1941 kam er im Pariser Gestapo-Gefängnis ums Leben, nachdem er zuvor gefoltert worden war.

„Fragment“, Hawolis Hilferding gewidmetes Kunstwerk, zeigt die Zerbrechlichkeit der Macht. Die gefallenen, liegenden Teile repräsentieren eben keine Macht mehr. Die stehenden, auf Hochglanz polierten Säulen sind geschwächt, deshalb brauchen sie die stützende Kraft des Stahlträgers – „Fragment“ vereint die gestürzte und die gestützte Macht.

Der Künstler Hawoli ist noch mit einigen weiteren Werken in Bremens Stadtbild vertreten. Dazu gehört unter anderem die „Spannung“ in einem Hemelinger Park – ein Stahlband verbindet drei Granitfindlinge (1979).

Sieben Granitpfeiler und ein Findling bilden „Kraft und Bewegung“ (1981) beim Waller Seebad. „Eingewachsene Zeit“ ist der Titel eines 1985 in Vegesack aufgebauten Hawoli-Ensembles.

Mahnmal und Gedenktafel vor der Synagoge in Schwachhausen hat der Künstler ebenfalls betreut. Aus dem Jahr 1995 stammt seine Gedenktafel für Sinti und Roma in Findorff.

Mittlerweile nicht mehr zu sehen sind seine künstlerisch gestalteten Holzspielgeräte, die 1978 auf einem Kinderspielplatz an der Malerstraße im Stadtteil Hemelingen aufgestellt worden waren.

Hawoli lebt und arbeitet heute in Neuenkirchen bei Soltau. Im Jahr 2000 erhielt der Künstler den niedersächsischen Verdienstorden am Bande. Im Rotenburger Kunstturm beginnt am 5. September eine Hawoli-Ausstellung – angekündigt als „Rückschau auf das künstlerische Leben“.

www.hawoli.de

www.kunstverein-row.de

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