„Standbilder und ihre Geschichte“: Das „Mädchen mit Reifen“ von Maria Ewel

Bewegung in Bronze

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Der Reifen fehlt, dafür hängt ein Fahrradschloss am Bein – das „Mädchen mit Reifen“, eine Bronzeskulptur der Bildhauerin Maria Ewel (1915 bis 1988).

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Eine dynamische Bewegung, voller Schwung und Klarheit – so steht es da auf seinem Podest, das „Mädchen mit Reifen“. Nur, dass ihm der Reifen inzwischen abhanden gekommen ist. So, ohne den Reifen, könnte es sich auch um die Bewegungsstudie einer Skateboarderin handeln.

Würden nicht Erscheinungsbild und Zeitzusammenhang klar dagegen sprechen. Als die Bildhauerin Maria Ewel 1967, 22 Jahre nach dem Krieg, das „Mädchen mit Reifen“ für die Bürgermeister-Smidt-Schule an der Contrescarpe schuf, war der Skateboard-Spaß hier ja auch noch gar nicht verbreitet.

Ganz andere Themen standen an – ein Aufbruch in der Bildungspolitik zum Beispiel, der sich in den 50er und 60er Jahren auch in einer helleren, offeneren, luftigeren Schularchitektur äußerte. Die Pausenhöfe dieser neuen Schulen der 50er und 60er Jahre wurden oft mit Kunstwerken geschmückt. In der Regel handelte es sich um Tierdarstellungen, oft in sanft abstrahierter Form.

Das „Mädchen mit Reifen“, das ganz in die Konzentration in seine Bewegung versunken zu sein scheint, fällt hier also etwas aus dem Rahmen. Es steht aber ja auch nicht auf dem Hof, sondern vor der Schule. Ein Tier findet sich dann auf dem Hof der Bürgermeister-Smidt-Schule – der bronzene „Bär mit Ball“ (1957), der ebenfalls von der Bildhauerin Maria Ewel (1915 bis 1988) stammt.

Wie diese Künstlerin in jenen Jahren überhaupt gleich eine ganze Reihe von Arbeiten für Schulhöfe und andere öffentliche Plätze geschaffen hat. So stammt von Maria Ewel auch der bronzene „Bär“ (1950) auf der Terrasse des Kindertagesheims am Waller Park. Mächtig wirkt ihr „Großer Tiger“ aus dem Jahr 1955 – keine Bronze, sondern aus Beton. Der „Große Tiger“ steht nicht auf einem Schulhof, sondern in den Parkanlagen am Hohentorsplatz.

Auf einer Mauer des Hofs der Grundschule Alt-Borgfeld blickt Ewels kraftvoll und zugleich elegant wirkender „Panther“ (Bronze, 1958) Kindern, Lehrern und Eltern entgegen. Er ist ein schönes Beispiel für die Art und Weise, wie die Künstlerin Bewegungen studierte und in Form goss – und schlägt damit auch einen Bogen zum „Mädchen mit Reifen“. Der „Panther“ ist in Borgfeld (und darüber hinaus) so bekannt, dass die Schule ihn als Logo benutzt.

Aus dem Jahr 1968 stammen drei bronzene Ewel-„Pinguine“, die Maria Ewel für einen Lesumer Schulhof entworfen hatte. Nicht mehr an seinem Platz ist ein 3,50 Meter langer Kunststoff-„Wal“, den Ewel 1970 für das Freibad Blumenthal entworfen hatte.

Maria Ewel gilt als Bremer Bildhauerin. Geboren wurde sie aber in Königsberg – als Tochter des Malers und Kunstprofessors Otto Ewel (1871 bis 1954). Schon mit 13 nahm die Abendkurse an der Kunstakademie in ihrer Geburtsstadt. Ab 1936 besuchte sie die Kunstgewerbeschule Dresden. Nach dem Krieg, 1946, zog sie nach Bremen und lernte bei dem Bildhauer Herbert Kubica (1906 bis 1972). Ab 1948 restaurierte sie im Auftrag der Denkmalpflege Fassaden. Seit 1956 arbeitete Ewel als freischaffende Bildhauerin in Bremen. 1959 erkrankte sie an Gelenkrheumatismus, blieb aber dennoch der Bildhauerei, der Beschäftigung mit Bewegung, treu.

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