„Standbilder und ihre Geschichte“: Die Herolde an der Ostseite des Rathauses

Von Paris nach Bremen

+
Die Blech-Herolde nach Entwürfen des Bildhauers Rudolf Maison (1854 bis 1904) „bewachen“ das Ostportal des Rathauses.

Bremen - Von Kunstfreunden werden sie zuweilen etwas belächelt in ihrer blechernen Pracht. Aber Touristen, die fotografieren sie gern, die beiden Herolde an der Ostseite des Rathauses. Die gepanzerten Reiter kommen aus Kaisers Zeiten. Und sie haben eine durchaus erlebnisreiche Reise hinter sich.

Anno 1901 wurden sie vor dem Ostportal des Rathauses aufgestellt – am 30. September jenes Jahres und als Stiftung des Bremer Bankiers John Harjes (1830 bis 1914).

Die Kupferblech-Herolde waren nach Entwürfen des seinerzeit weithin gerühmten Bildhauers Rudolf Maison (1854 bis 1904) gefertigt worden. Maison hatte für Bayerns König Ludwig II. gearbeitet. Er war populär und nach dem Ludwig-Auftrag gut beschäftigt, wenngleich Kollegen seine Arbeit mit Skepsis verfolgten. In Bremen stand seit 1899 Maisons monumentaler Teichmannsbrunnen (Boot mit Merkur, Neptun und Nixen) auf dem Domshof. Der Brunnen wurde im Kriegsjahr 1940 als „Metallspende“ eingeschmolzen.

Maisons Herolde, kleinere Varianten seiner für den Reichstag gearbeiteten Figuren, standen im Jahr 1900 zunächst einmal vor der Eingangshalle des deutschen Pavillons auf der Pariser Weltausstellung – so wehrhaft präsentierte sich das Kaiserreich dort. John Harjes, der 1868 in Frankreich eine Bank mitgegründet hatte, kaufte die Herolde noch in Paris. Und schenkte sie seiner Vaterstadt. 1904 stiftete Harjes dann auch noch zwei Maison-Landsknechte für das Westportal des Rathauses. Die waren nicht aus Kupferblech, es handelte sich um Bronzegüsse – sie wurden allerdings im Kriegsjahr 1942 eingeschmolzen; zwei verkleinerte Kopien von ihnen gibt es im Haus Schütting.

Ihre Kupferblech-Kollegen vom Ostportal haben den Zweiten Weltkrieg überstanden. Mehrere Jahre wurden sie in einem Luftschutzbunker gelagert. 1959 kamen sie dann in den Park der Egestorff-Stiftung, also nach Osterholz.

Erst in diesem Jahrtausend kamen sie wieder an ihren alten Platz. Im Jahr 2003 war das – im Rahmen der Kunstaktion „Verrückungen“, bei der die Standorte von Kunstwerken im öffentlichen Raum „durchgewechselt“ wurden.

Es war zunächst ein zeitlich begrenzter Auftritt der Herolde an ihrem alten Standort. Denn die Reiterstandbilder mussten saniert werden. Das war festgestellt worden, nachdem am Neujahrsmorgen 2005 ein Räumfahrzeug einen der Herolde umgerissen hatte.

Viele Bremer (und eben: Bremen-Besucher) hatten Gefallen an Maisons Figuren gefunden. Es gründete sich eine Initiative, die dafür kämpfte, dass die Herolde dauerhaft an ihrem Bremer Traditionsplatz bleiben durften – und die, was vielleicht noch wichtiger war, auch Geld dafür sammelte. Es fanden sich private Spender. Die Stiftung Wohnliche Stadt und die Waldemar-Koch-Stiftung engagierten sich. Und so erreichte der Verein „Herolde von Bremen“ sein Ziel. Zur Finanzierung trugen auch das Kulturressort und das Landesamt für Denkmalpflege bei. Die Treppe am Osteingang des Rathauses wurde umgebaut – und ein neuer Sockel nach historischem Vorbild angefertigt. Im Februar 2007 kehrten die Herolde zurück. Und seither schreiten Jahr für Jahr im Februar auch die Gäste der Schaffermahlzeit wieder an ihnen vorbei.

Das könnte Sie auch interessieren

Citroën C5 Aircross im Test: SUV auf Schmusekurs

Citroën C5 Aircross im Test: SUV auf Schmusekurs

Lassen sich Zyklusbeschwerden wegessen?

Lassen sich Zyklusbeschwerden wegessen?

Mandarinen in der Küche groß rausbringen

Mandarinen in der Küche groß rausbringen

Furcht vor Brexit-Chaos: EU will May helfen - aber wie?

Furcht vor Brexit-Chaos: EU will May helfen - aber wie?

Meistgelesene Artikel

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Feuer in Lesum: Zwölf Menschen im Krankenhaus

Feuer in Lesum: Zwölf Menschen im Krankenhaus

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

Prostituiertenschutzgesetz: Bislang 115 Anmeldungen

Prostituiertenschutzgesetz: Bislang 115 Anmeldungen

Kommentare